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Von Aula bis Turnhalle: So machen Schüler in Main-Spessart ihren Abschluss

Wegen Corona hat Bayern die Prüfungen nach hinten verschoben. So will man verlorene Unterrichtszeit aufholen. Warum eine Schule nun sogar ihre Prüfungen vorverlegt.

Abschluss trotz Corona: Eine zehnte Klasse der Realschule Marktheidenfeld bereitet sich auf ihre Prüfung im Unterrichtsfach Sozialwesen vor. 
Abschluss trotz Corona: Eine zehnte Klasse der Realschule Marktheidenfeld bereitet sich auf ihre Prüfung im Unterrichtsfach Sozialwesen vor.  Foto: Corbinian Wildmeister

Wer dieses Jahr seinen Schulabschluss machen will, dem soll das Coronavirus nicht im Weg stehen. Für die Abschlussklassen hat der Unterricht in Bayern nach dem Shutdown daher als erstes wieder begonnen. Und während das Abitur an den Gymnasien bereits seit Mai läuft, geht es spätestens im Juli auch an anderen weiterführenden Schulen mit den Prüfungen los. Die Rektoren in Main-Spessart zeigen sich zuversichtlich, dass das gut gelingen wird. 

Zur Vorbereitung auf den Abschluss konzentriere man an der Realschule Marktheidenfeld dieses Jahr den Unterricht auf die Fächer, in denen die Zehntklässler auch ihre Prüfungen schreiben werden, berichtet Schulleiter Matthias Schmitt. Das betrifft Deutsch, Mathematik, Englisch und die jeweiligen Profilfächer. Wöchentlich haben die Jugendlichen momentan 16 Stunden Unterricht. Ansonsten lernen sie von zu Hause aus. "Das klappt wunderbar", so Schmitt.  

Nicht genug Ressourcen, um Prüfungen in Klassenzimmern zu schreiben

Um die Hygieneanforderungen einzuhalten, schreiben die 121 Absolventen der Realschule Marktheidenfeld als erster Jahrgang seit langem ihre Prüfungen in der Turnhalle. Man hätte ansonsten so viele Klassenzimmer – und damit auch Lehrkräfte als Aufsichten –  bereitstellen müssen, dass der übrige Unterricht zum Erliegen gekommen wäre, erklärt Schmitt. Die Turnhallenlösung sei viel effektiver. Und wenn es gut klappt in der Halle, könne er sich auch vorstellen, das in den kommenden Jahren weiterhin so zu handhaben. 

Wie in den Vorjahren finden an der Michael-Ignaz-Schmidt-Realschule in Arnstein die Abschlussprüfungen in der Aula statt. Diese könne man gut lüften und es sei auch genug Platz, um die nötigen Abstände einzuhalten, sagt Schulleiterin Elisabeth Stumpf. Eine große Umstellung gebe es daher nicht. Die Theodosius-Florentini-Schule in Gemünden nutzt ihren Festsaal für die Abschlussprüfungen der Realschüler. Diesen habe man heuer schon für das Abitur genutzt und dabei keine Schwierigkeiten gehabt, erklärt Direktor Robert Wolz. Die Stimmung bei den Abschlussklassen sei sehr locker. Dass sie schlechter vorbereitet sind als Zehntklässler in den Vorjahren, glaubt Wolz nicht. 

Schüler hatten Probleme sich selbst "zu managen"

Da insgesamt nur drei Wochen Unterricht für die Abschlussklassen ausgefallen sind, könne man die verlorene Zeit gut aufholen, meint Marion Ulrich, Schulleiterin der Konrad-von-Querfurt-Mittelschule in Karlstadt. Zum einen habe man die Fächer derzeit "drastisch reduziert", so fiel Religion zuletzt beispielsweise weg . Zum anderen seien die Tests zwei Wochen nach hinten verschoben worden.

Einigen Schülern sei es jedoch schwer gefallen, sich während der Schulschließung  "selbst zu managen", so Ulrich. Die Arbeitsmoral sei bei manchen ihrer Schützlinge gesunken. Dabei ist das Interesse, den Abschluss zu bestehen, bei allen groß, sagt die Schulleiterin. "Ganz viele haben Lehrverträge in Aussicht oder schon abgeschlossen. Die Stellen möchten sie auch antreten." Daher waren die Jugendlichen laut ihrer Rektorin auch froh, wieder in die Schule zu dürfen. 

Einer erneuten Schulschließung wegen Corona vorbeugen

Mitten im Prüfungsgetümmel befindet sich bereits die Gustav-Woehrnitz-Mittelschule in Lohr. Viele Tests seien vorgezogen worden, um einer möglichen Schulschließung vorzubeugen, falls es zum Beispiel eine zweite Infektionswelle geben sollte, erklärt Schulleiterin Susanne Rinno. Nur die Termine für die schriftlichen Prüfungen in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch sind vom Freistaat Bayern vorgegeben. In den übrigen Fächern hat die Lohrer Mittelschule den Jahresstoff reduziert und die Aufgaben angepasst.

Den Förderschulen im Landkreis bereiten die Prüfungszeit und entsprechende hygienische Anforderungen keine organisatorischen Probleme. So machen an der Leo-Weismantel-Schule (Karlstadt/Gemünden) in diesem Jahr nur vier Schüler ihren Mittelschulabschluss. Und acht Schüler bereiten sich gerade an der St. Kilian-Schule (Marktheidenfeld/Lohr) auf ihren Abschluss vor. Doch aus der Zeit, als kein Unterricht in der Schule möglich war, berichtet Rektorin Sibylle Herrmann von einigen Herausforderungen.

Kein WLAN, keine Lernvideos

Denn längst nicht alle Familien hätten eigenes WLAN, Drucker oder E-Mail-Adressen – und könnten somit auch nicht immer auf digitale Materialien wie Lernvideos zugreifen. Für diese Schüler mussten die Lehrkräfte individuelle Lösungen finden. Teilweise hätten sie ihnen die Unterlagen zu Hause vorbeigefahren, so Herrmann. Und wenn ein Kind nicht an der Videokonferenz teilnehmen konnte, gingen der Lehrer danach den Stoff eben am Telefon mit diesem durch. Herrmann: "Die Lehrkräfte haben deutlich mehr gearbeitet als sonst." 

Die Unterstützung der Ausbildungsbetriebe lobt der Schulleiter der Berufsschule Main-Spessart, Gerhard Hecht. Um die verlorene Zeit aufzuholen, habe man für viele Schüler den Unterricht verdoppelt, also zum Beispiel von einem Tag in der Woche auf zwei Tage. Das hätten alle Unternehmen mitgetragen. Ihre schriftlichen Prüfungen können die Azubis dieses Jahr nicht in Schulgebäuden an den Standorten in Karlstadt und Lohr ablegen. Stattdessen mussten IHK und Handwerkskammer Räumlichkeiten anmieten, berichtet Hecht. Die Kammern seien zunächst "geschockt" gewesen. Doch nun sei alles gut geregelt. 

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