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Von der Freiheit, Spott auszuhalten

Dieter Nuhr steht derzeit nicht nur wegen seines Spotts über Greta Thunberg in der Kritik.

Dieter Nuhr steht derzeit nicht nur wegen seines Spotts über Greta Thunberg in der Kritik. (HENNING KAISER/dpa)

Aus Spaß kann mitunter sehr schnell Ernst werden. Das hat in der vergangenen Woche die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erfahren müssen. Erst bat sie anlässlich einer Jubiläums-Kampagne den Satiriker Dieter Nuhr zu einem Gastbeitrag, dann sah sie sich angesichts des folgenden Shitstorms dazu genötigt, den Beitrag zwischenzeitlich ohne weitere Rücksprache zu löschen. Das wiederum brachte Nuhr auf die Palme. Am Ende musste der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar den Konflikt entschärfen.

Die DFG hatte vorher nicht bedacht, wie sehr die Person Dieter Nuhr mittlerweile polarisiert. Denn was der Kabarettist über die Rolle der Wissenschaft zum Besten gegeben hatte, waren nicht mehr als nette Selbstverständlichkeiten, garniert mit einer kleinen Spitze gegen Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung, mit der sich Nuhr seit einiger Zeit bevorzugt satirisch auseinandersetzt. Damit eckt der 59-Jährige regelmäßig bei all jenen an, die Thunberg und die Bewegung mit dem Verweis auf das jugendliche Alter der Protagonisten unter eine Käseglocke stellen und von jeglicher Kritik abschirmen wollen. Dabei ist Nuhr alles andere als ein Leugner des Klimawandels. Sein Spott zielt eher auf die religiös anmutende Heldinnenverehrung und den hysterischen Tonfall der Debatte.

Entfremdung 

Aber die Entfremdung zwischen Teilen der Linken und Nuhr hat eine längere Geschichte. Als er den Wahlsieg von Syriza in Griechenland mit der Bemerkung kommentierte: „Meine Familie hat basisdemokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt“, bezeichnete sein Kollege Volker Pispers ihn als „humoristischen Arm der Pegida-Bewegung“. Dabei gilt, was Kurt Tucholsky schon 1919 im „Berliner Tageblatt“ geschrieben hatte: „Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.“

Daran hat sich auch mehr als 100 Jahre später nicht viel geändert. Im Gegenteil. Es ist noch viel schlimmer geworden. "Die große Gereiztheit“ macht Medienforscher Bernhard Pörksen im gegenwärtigen Internet-Zeitalter aus. Das hängt mit einem Phänomen zusammen, für das sich in den USA der Begriff „Cancel Culture (Löschkultur) etabliert hat und das den Versuch beschreibt, Menschen mit missliebiger Meinung möglichst mundtot zu machen. Im Fall Nuhr hatte das nur vorübergehend funktioniert.

Aussage nicht in Zusammenhang gestellt

Ebenso arg erwischte es die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart, deren Lesung beim Harbourfront-Festival in Hamburg aus Sicherheitsgründen zunächst abgesagt wurde. Ein TV-Beitrag aus der WDR-Satiresendung „Mitternachtsspitzen“ über Harvey Weinstein wurde der Österreicherin als rassistisch und antisemitisch ausgelegt. Offenbar hatte sich aber niemand vor einem Urteil die Mühe gemacht, die Aussage der stilisierten Bühnenfigur, eine wasserstoffperoxidblondierte Femme Fatale mit Wiener Schmäh und Fingernägeln wie Wildkatzenkrallen, in einen korrekten satirischen Zusammenhang zu stellen. Wie bemerkte schon „Monty Pythons“ John Cleese: „Wenn man Figuren Unsinn von sich geben lässt, verbreitet man nicht deren Ansichten, sondern macht sich über sie lustig. Das verstehen manche Menschen einfach nicht.“

Wie man effektiv gegen die nicht nur im linken politischen Spektrum etablierte „Löschkultur“ zu Felde zieht, hat am Wochenende der Kabarettist Florian Schroeder bei der „Querdenken“-Demonstration von Kritikern der Corona-Maßnahmen unter Beweis gestellt. Der Komödiant gab in Stuttgart eine kurze Einführung in die Hegelsche Dialektik am Beispiel der Pandemiepolitik der Bundesregierung. „Freiheit heißt, einen wie mich aushalten“, schleuderte Schroeder den verdutzten Zuhörern entgegen. Dass er dafür nicht ungeteilten Applaus erntete, war klar. Doch wenn er damit nur einige Teilnehmer zum Nachdenken gebracht hat, hat sich der Auftritt gelohnt.

Freiheit heißt auch, Kabarettisten wie Dieter Nuhr und Lisa Eckhart auszuhalten, ob man sie nun mag oder nicht. Weil Widerspruch wichtig ist. Wenn er dann auch noch witzig ist, umso besser.

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