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Von Kopf bis Fuß abgefragt: Wo Liebe im Körper spürbar ist

Romantische, Eltern- oder Nächstenliebe: Liebe ist ein Phänomen, das mit starken Gefühlen einhergeht. An welchen Stellen sich die verschiedenen Arten bemerkbar machen und wie intensiv man sie spürt, untersuchen Forschende. Das Ergebnis sind entsprechende Körperkarten.

Schmetterlinge im Bauch oder ganz warm ums Herz - verschiedene Arten der Liebe sind in verschiedenen Bereichen des Körpers spürbar. Das hat ein Forschungsteam der finnischen Aalto University herausgefunden. Obwohl die körperlichen Empfindungen von Liebe sehr individuell sind und von den jeweiligen Lebenssituationen abhängen, hat das Team detaillierte Karten erstellt, die zeigen, an welchen Körperstellen welche Art von Liebe vorrangig verortet werden. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin "Philosophical Psychology" veröffentlicht.

Die Karte zeigt die statistische Auswertung der Studie.
Die Karte zeigt die statistische Auswertung der Studie.

Die Karte zeigt die statistische Auswertung der Studie.

Für die Untersuchung rekrutierten die Forschenden um den Philosophen Pärttyli Rinne, der seit mehr als 15 Jahren die Liebe erforscht, mehr als 500 Menschen als Befragte in drei Experimenten. Dabei handelte es sich vor allem um junge Frauen unter 35 Jahren, deren Muttersprache Finnisch ist und die sich zum Zeitpunkt der Untersuchung in der Hochschulausbildung befanden.

Die Studienteilnehmenden bekamen unter anderem die Aufgabe, einzuschätzen, wo genau und wie stark sie die 27 verschiedenen Arten von Liebe im Körper fühlen. Zudem sollten Fragen nach der körperlichen Ausprägung oder der Kontrollierbarkeit des Gefühls beantwortet werden:

  • Wie stark fühlt sich es sich im Körper an?
  • Wie stark fühlt es sich im Geist an?
  • Wie angenehm fühlt es sich an?
  • Wie sehr können Sie das Gefühl kontrollieren?
  • Wann haben Sie das Gefühl zuletzt erlebt?
  • Wie stark verbinden Sie es mit Körperlichkeit?

Als Antwortvorlage diente eine Körpersilhouette, die entsprechend eingefärbt werden sollte. Unter den 27 Begriffen von verschiedenen Liebestypen in finnischer Sprache fand sich auch die Selbstliebe, die Liebe zu Freunden oder zu bestimmten Familienmitgliedern sowie die Liebe zu Gott oder zur Natur. Die Aufgaben wurden von den Studienteilnehmenden online erledigt.

Alle Arten von Liebe im Kopf spürbar

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich interessanterweise, dass die Befragten alle 27 Arten von Liebe (auch) im Kopf spürten. Überdies stellten die Forschenden fest: Je stärker und emotional nachvollziehbarer eine Art der Liebe für die Teilnehmenden war, umso ganzheitlicher wurde diese auch im Körper wahrgenommen. Und: "Je stärker eine Art von Liebe im Körper gespürt wird, desto stärker wird sie im Geist gespürt und desto angenehmer ist sie", wird Rinne in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Die Arten von Liebe, die mit Sexualität im Zusammenhang stehen, also bei romantischer oder leidenschaftlicher Liebe, wurden von starken körperlichen Gefühlen begleitet. Diese spürten die meisten in mehreren Bereichen des Körpers. Vor allem in der Brust, im Gesicht und in den Genitalien fühlten die Befragten die Arten der sexuellen Liebe am stärksten. Es könne sich dabei um Gefühle des sexuellen Begehrens handeln, die mit einer schnelleren Herzfrequenz und einer intensiveren Atmung im Brustkorb sowie dem Erröten des Gesichts einhergehen, mutmaßt das Forschungsteam.

Die meiste Kontrolle über Selbstliebe

Die Probandinnen und Probanden gaben auch an, dass sie die geringste Kontrolle über Arten der Liebe haben, die im Zusammenhang mit Verwandtschaftsbeziehungen stehen, wie bei der elterlichen Liebe. Selbstliebe hingegen wurde als die Liebesart bezeichnet, bei der die meisten angaben, sie kontrollieren zu können.

"Wenn wir von stärker erlebten Liebestypen zu weniger stark erlebten Liebestypen übergehen, werden die Empfindungen im Brustbereich schwächer", so Rinne weiter. Es könne sein, dass beispielsweise Liebe zu Fremden oder zu Weisheit mit einem gedanklichen Prozess verbunden wird. Es könne auch sein, dass es im Kopfbereich zu angenehmen Empfindungen komme. "Das ist etwas, das weiter untersucht werden sollte", resümiert der Philosoph, der die Studie leitete.

Er gibt zudem zu bedenken, dass es sich um die Ergebnisse einer Studiengruppe handelt, in der die Befragten alle aus demselben Land kommen und einen vergleichbaren Lebensstil haben. "Wenn die Probanden Eltern in einer Beziehung wären, wie in unserem laufenden Gehirnstudienprojekt, könnte die Liebe zu Kindern die stärkste Art von Liebe sein", sagt Rinne.