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Von Kopf bis Fuß aufs Schreiben eingestellt

"Wir sind von Kopf bis Fuß aufs Schreiben eingestellt", so dichtete Janet Rawling am Klavier bei der Jubiläumsrevue der Schweinfurter Autorengruppe SAG in der Disharmomie. Mit zwei Jahren Verspätung feierte diese nun ihren 27. Geburtstag. Für eine Autorengruppe sei das ein sehr hohes Alter, so Gründungsmitglied Hanns Peter Zwißler. Betitelt war die Veranstaltung: SAG doch mal was, und rund um das Schreiben ging es in den Texten der beteiligten Literaten.

Die SAG sei immer eine flexible Gruppe gewesen, nie statisch, erzählte Moderatorin Johanna Bonengel, sie ranke sich eher wie Efeu an der in Bronze gegossenen Statue eines ihrer Vorbilder, Friedrich Rückert, lebendig hinauf. Und die Vortragenden der Jubiläumsveranstaltung machten dieser Lebendigkeit alle Ehre: vielfältig und humorvoll, nachdenklich und spannend.

Mit der Performance "Wir sind alle DICHTER" stimmten Peter Hub, Zena Kießner und Rawling auf den Abend ein, Renate Eckert erzählte von ihrem Werkzeugkasten, mit dem sie sich an den Schreibtisch bringt. Sie zitierte Stephen King: "Die Straße zur Hölle ist mit Adjektiven gepflastert." Kießner stellte ihr Schreiben als "Träumen auf Papier" vor, wenn die Hauptfiguren stur werden und ihr eigenes Ding machen, wenn die Schreibenden zu heimlichen Betrachtern ihrer eigenen Phantasie werden.

Joachim Engels Sprache "hat den Sound des Dialekts in seinen Texten", so Bonengel. Sie zitierte Fiszgerald Kusz: "Dialekte sind Delikatessen, da wird mit dem Ohr gegessen", und Engel las mit viel Witz vom Polizisten Sebber, der in seine Polizeiberichte ebenfalls ein bisschen Literatur bringen wollte.

Linde Unrein schreibt treffgenau in bestehende Wunden und legt den "Grundton unterhalb des oberflächlichen Verstehens" frei. Ihre Geschichte bestand aus dem Gespräch zwischen Papierseiten, dem Laptop und dem Drucker, bei dem es um das Schicksal eines angehenden Poeten ging und das nicht nur schmerzliche, sondern auch witzige Aspekte freilegte.

Klaus Gasseleder als special guest

"Vieles im Kopf, aber nichts in den Händen", so hieß es zu der Wertschätzung, die den meisten Dichtern wiederfährt. "Man muss als Schriftsteller Asket sein", hieß Zwißlers Text, mit dem er auf die Verlockungen diverser Drogen hinwies: "Am Ende hilft nur die heilige Nüchternheit".

Als special guest las Klaus Gasseleder, Gründungsmitglied von einst, eine Minigeschichte über einen Kaffeehausliteraten vor. Günter Hein, den neben zahlreichen Auszeichnungen auch für den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert war, las aus seiner Kurzgeschichte "Der Preis" über die Auswucherungen, die das Literaturgeschäft annehmen kann.

"Was bleibt aber, stiften die Dichter", so verwies Bonengel mit einem Hölderlin-Zitat auf den bleibenden Wert der Literatur. Sie erinnerte an das Gründungsmitglied Martina Müller-Wagner, Seele und Herz der SAG, die vor zwei Jahren verstarb. Hub trug ihre Kurzgeschichte "Der arme Poet" vor. Ebenso erinnerte sie an die Künstlerin Anita Tschirwitz, Mitglied der Gruppe, die vor zwei Wochen verstarb. Sie sei eine Künstlerin gewesen, die sehr vielfältig in unterschiedlichen künstlerischen Genres unterwegs gewesen sei. Hub rezitierte auch einige ihrer Gedichte.

"SAG doch mal was!" Unter diesem Motto veranstaltet die Gruppe unter anderem seit 2010 die offene Lesebühne, zu der alle Interessierten kommen können und eigene Texte vorstellen können. In der Kleinen Kaffeerösterei in der Rückertstraße wird seitdem jeden dritten Dienstag im Monat "Wortrösterei" betrieben.