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Warum gibt es die Zeitumstellung auch 2021 noch? EU-Land macht nun Druck: „Schädliches Regime“

Auch 2021 werden die Uhren umgestellt. Die EU diskutiert seit Jahren über ein Ende der Zeitumstellung. Ein Ende der Debatte scheint nicht in Sicht.

Brüssel - In der Nacht auf den 31. Oktober ist es wieder so weit: Die Zeit wird umgestellt, von 3 Uhr auf 2 Uhr. Heißt: An diesem Tag kann man eine Stunde länger schlafen, dafür wird es am Abend früher dunkel. Zweimal pro Jahr wird nicht nur in Deutschland, sondern in den meisten europäischen Ländern an den Uhrzeigern gedreht. Damit sollte allerdings längst Schluss sein. Die Zeitumstellung hat sich zum Politikum entwickelt.

Zeitumstellung sollte eigentlich schon 2019 abgeschafft werden

Für Kritiker der Zeitumstellung ist die Lage klar: Sie gehört abgeschafft. Hintergrund ist auch eine (nicht repräsentative) offizielle Umfrage aus dem Jahr 2018, in der sich 84 Prozent der EU-Bürger die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen hatten. Mit knapp vier Prozent war die Beteiligungsquote in Deutschland am höchsten.

Vor drei Jahren hatte der damalige EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verkündet: „Die Zeitumstellung gehört abgeschafft.“ Erst war das Ende für 2019 geplant, dann für 2021. Ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit wollen, haben die 27 EU-Mitgliedstaaten bislang aber noch nicht geklärt. Weil deshalb bisher nichts passiert ist, macht mit Litauen nun ein EU-Land Druck.

Litauen macht Druck wegen Zeitumstellung: „veraltetes, ineffektives und schädliches Zeitumstellungsregime“

Der litauische Verkehrsminister Marius Skuodis forderte von der EU eine Lösung für das viel diskutierte Thema. „Ich halte es für unerlässlich, politische Verantwortung zu übernehmen und dieses Frage endlich durch gemeinsame EU-Entscheidung zu lösen“, schrieb Skuodis in einem Brief an mehrere EU-Institutionen.

Dem „veralteten, ineffektiven und schädlichen Zeitumstellungsregime“ müsse ein Ende gesetzt werden, fordert er einer Mitteilung vom Mittwoch zufolge. Es sei äußerst enttäuschend, dass die EU nach mehrjährigen Diskussionen keine Einigung über einen so einfachen Vorschlag erzielen könne. Litauen ist - wie Finnland und die anderen beiden Baltenstaaten Estland und Lettland sowie auch Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Zypern - Mitteleuropa eine Stunde voraus. Es gilt dort die Osteuropäische Zeit (OEZ) statt der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ).

EU: Zeitumstellung sollte eigentlich bereits abgeschafft werden

Seit 1980 werden die Uhren in Deutschland zweimal im Jahr umgestellt. Damals feierte die Sommerzeit, wie wir sie heute kennen, Premiere. Die Zeitumstellung wurde ursprünglich eingeführt, um Energiekosten zu sparen. Die Überlegung: Ist es länger hell, brauchen die Menschen weniger Licht, sodass weniger Strom verbraucht wird. Was in der Theorie nachvollziehbar klingt, zeigt mehreren Analysen zufolge in der Praxis allerdings keinen Effekt.

Warum also gibt es die Zeitumstellung noch? Ein Sprecher der EU-Kommission formulierte es jüngst so: „Diese Frage zur saisonalen Zeitumstellung ist auch eine saisonale Frage, die wir zweimal im Jahr jeweils vor der Zeitumstellung erhalten.“ Wie schon sechs Monate zuvor, könne er nur wiederholen, was er vor sechs Monaten wiederholt habe: „Der Ball liegt nun im Feld der Mitgliedsstaaten.“ Sie müssen klären, ob es dauerhaft Sommer- oder Winterzeit sein soll.

Das ist allerdings nicht so einfach, denn eine gemeinsame Richtung scheint zwingend erforderlich. Bei einem Flickenteppich drohen Probleme bei Fahrplänen oder anderen Bereichen. Hinzu kommen die EU-Länder an den Rändern der Zeitzonen: Käme die dauerhafte Sommerzeit, hieße das für Spanien im Winter Dunkelheit bis kurz vor 10 Uhr. Einigen sich alle auf Winterzeit, würde es in Warschau im Sommer schon um 3 Uhr hell. Die Zeitumstellung zweimal im Jahr dämpft diese Extreme. Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen die Deutschen übrigens vermehrt die Sommerzeit.

EU: „Die Zeit vergeht in der Tat sehr langsam, wenn es um die Zeitumstellung geht.“

Eine Lösung ist also schwieriger als auf den ersten Blick gedacht. Es scheint allerdings auch, als ob das Thema von der politischen Agenda verschwunden ist. Derzeit hat Slowenien den Vorsitz der EU-Staaten inne, eine Sprecherin teilte der Deutschen Presse-Agentur jedoch mit, es gebe „nichts Neues“ bezüglich der Zeitumstellung. Unter slowenischer Ratspräsidentschaft habe es seit Juli keine Debatte dazu gegeben.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber kritisiert, dass die EU-Länder sich nicht ernsthaft bemühten, das Projekt weiter zu bringen. „Die Diskussion unter den Mitgliedstaaten wurde noch nicht einmal gestartet.“ Von der EU-Kommission heißt es: „Die Zeit vergeht in der Tat sehr langsam, wenn es um die Zeitumstellung geht.“ (as/dpa)