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Was kann das neue Kleiderkreisel?

Per Push-Nachricht wurden die Mitglieder diese Woche informiert: „Big News zu Kleiderkreisel“. Künftig, so hieß es, schließen sich die beiden Plattformen Kleiderkreisel und Mamikreisel zu einer Community zusammen. „Vinted“ soll die neue Anlaufstelle für gebrauchte Trendartikel und Kinderbekleidung heißen, zusätzlich wird man neuerdings ebenfalls Home-Artikel dort erstehen und getreu dem ursprünglichen Prinzip der Plattform, auch nach wie vor Tauschen können.

„Vinted“ ist nach eigenen Angaben das größte Online-Unternehmen in Europa, das sich dem Verkauf von Secondhand-Mode von Verbraucher zu Verbraucher widmet. Über 34 Millionen Mitglieder verzeichnet die Community seit ihrer Gründung im Jahr 2008. Kleiderkreisel hieß die Plattform bis jetzt nur in Deutschland. 2009 war es der erste Markt, den das in Litauen gegründete Unternehmen nach einem ersten erfolgreichen Gründungsjahr für sich erschloss. Drei Jahre später folgte die Plattform Mamikreisel. In den nichtdeutschen Märkten gibt es jeweils nur eine gemeinsame Plattform für beide Zielgruppen: Vinted. So will man es jetzt auch in Deutschland handhaben.

Gründerin Milda Mitkutė ist inzwischen aus dem operativen Geschäft ausgestiegen. Seitdem ist Thomas Plantenga CEO der Plattform für Secondhand-Mode. Im Gespräch erläutern die beiden, wie sich die App mit der Zeit entwickelt hat – und mit welchen Neuerungen die alteingesessene Kleiderkreisel Community nun zu rechnen hat.

ICONIST: Frau Mitkuté, wie ist Kleiderkreisel ursprünglich entstanden?

Milda Mitkutė: Wie das häufig bei Start-ups der Fall ist, aus einer persönlichen Geschichte heraus. 2008 bin ich von Zuhause ausgezogen, um in der Hauptstadt von Litauen in Vilnius zu studieren. Mein neues Apartment war in etwa ein Drittel so groß wie das, in dem ich vorher gewohnt hatte, ich war also gewissermaßen gezwungen, auszusortieren. Da habe ich zum ersten Mal realisiert, wie viel Kleidung ich eigentlich besitze. Auf einer Party habe ich mich nachts um vier mit anderen Frauen darüber unterhalten, wie praktisch es wäre, eine Online-Plattform zu haben, auf der man das einstellen könnte, was man nicht mehr trägt, was aber möglicherweise jemand anderem von uns gefallen könnte. Auf dieser Party habe ich dann auch den Programmierer und meinen späteren Mitgründer Justas Janauskas kennengelernt. Zusammen haben wir Miju Projects, so hieß die Plattform zunächst in Litauen, gegründet. Nach zwei Wochen haben wir die erste Version gelauncht.

ICONIST: Wieso wurde in Deutschland überhaupt so lange zwischen Mamikreisel und Kleiderkreisel unterschieden?

Thomas Plantenga: Als wir Vinted und die deutschen Plattformen gegründet haben, hielten wir eine Trennung für notwendig. Von anderen Märkten, auf denen wir später starteten, haben wir jedoch gelernt, dass es für die Gemeinschaften gut funktioniert, alles an einem Ort zu haben. Die deutschen Plattformen sind ja immer Teil der Vinted-Familie gewesen. Die Verbindung zweier großer Communitys wie Kleiderkreisel und Mamikreisel ist keine leichte Aufgabe, da es sich bei beiden um sehr aktive Gemeinschaften handelt. Aber wir bemühen uns diesen Wechsel so reibungslos wie möglich zu gestalten.

ICONIST: Kleiderkreisel hat eine äußerst treue Community, haben Sie keine Befürchtung, dass der Name dem Konzept schaden könnte?

Plantenga: Nein, die Entscheidung ist letztendlich nur logisch. Unsere Mitglieder werden von einer größeren Produktvielfalt profitieren, schneller und effektiver verkaufen und hochwertigere Produkte finden. Außerdem denken wir, dass es an der Zeit war, vor allem den Namen der Mamikreisel-Plattform zu aktualisieren, da es sich nicht nur um eine Plattform für Mütter, sondern für Eltern im Allgemeinen handelt. Über alle unsere Plattformen hinweg haben wir eine vielfältige Gemeinschaft, das sollte nicht durch einen Namen eingeschränkt werden. Vor allem die Bereiche Männer- und Kinderbekleidung entwickeln sich besonders gut bei uns. Der Namenswechsel hebt diese Entwicklung hervor.

ICONIST: 2014 führte die Plattform Gebühren für die Mitglieder ein, was zu heftigem Protest führte. Warum sind Sie damals wieder zurückgerudert?

Plantenga: Vinted hatte einen sehr erfolgreichen Start erlebt, aber das Geschäftsmodell war nicht mehr tragfähig, das Unternehmen war nur noch wenige Monate flüssig und die Mitgliederzahlen sanken. Ich lebte und arbeitete damals in New York und Barcelona, als ich einen Anruf von einem Investor erhielt und gefragt wurde, ob ich nach Vilnius fliegen könne, um einem Unternehmen zu helfen, in das sie investiert hatten und das sich in sehr schwierigen Zeiten und finanziellen Schwierigkeiten befand. Als ich ankam, beschlossen wir mit dem Team, mehrere Änderungen vorzunehmen. Seit 2016 erhebt Vinted keine Gebühren mehr für Listung und Verkauf.

ICONIST: Wie verdient man stattdessen Geld?

Plantenga: Die Nutzung der Vinted-App ist für unsere Mitglieder kostenlos. Verkäufer behalten immer Hundert Prozent von dem, was sie verdienen. Mitglieder können gegen eine geringe Gebühr Mehrwertdienste erwerben, wie z.B. den Käuferschutz für zusätzliche Sicherheitsfunktionen während des Kaufprozesses sowie verschiedene Optionen, um die Sichtbarkeit der Produkte für die Verkäufer zu erhöhen. Durch Werbeplatzierungen auf unserer Website und den Apps erzielen wir zusätzliche Einnahmen. Während unserer letzten Finanzierungsrunde im November letzten Jahres haben wir den Einhorn-Status erhalten, das bedeutet, dass wir von Investoren mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden.

ICONIST: Das Tauschprinzip ist neben dem regulären Verkauf auch heute noch aktuell auf der Plattform. Wie intensiv wird es noch genutzt?

Plantenga: Dazu haben wir keine genaueren Zahlen, aber es wird noch genutzt.

ICONIST: Welche Neuerungen erwarten die Mitglieder konkret?

Plantenga: Die aktualisierte Vinted-App wird dieselbe Benutzeroberfläche und dieselben Funktionen wie bisher haben. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Mitglieder Teil einer größeren, vielfältigen Gemeinschaft werden. Mode ist und bleibt unsere Kernkategorie und unsere Kernkompetenz. Zusätzlich können die Mitglieder aber auch Bücher, Deko-Artikel, Textilien und andere Einrichtungsgegenstände verkaufen und kaufen.

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