Germany

Welche Rolle spielen die Wirtschaftsprüfer?

Hansrudi Lenz ist geschockt. Lenz hat einen Lehrstuhl für Wirtschaftsprüfung an der Universität Würzburg inne und schon im Vorfeld der mehrfach verschobenen Veröffentlichung des Jahresabschlusses von Wirecard „ein verheerendes Bild der internen Kontrolle“ konstatiert. Die abermalige Verschiebung der Veröffentlichung mit der vorgebrachten Begründung ist nach seinen Worten „eine Katastrophe für den deutschen Kapitalmarkt“ – zumal sie offenbar daran liegt, dass 1,9 Milliarden Euro Bankguthaben auf Treuhandkonten nicht nachweisbar sind.

Georg Giersberg

Georg Giersberg

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

Eigentlich ist das eine der simpelsten Prüferaufgaben. Es geht um eine Saldenbestätigung, in deren Zuge man sich von der Bank versichern lässt, dass das gebuchte Guthaben stimmt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY bezieht zu Einzelheiten aufgrund ihrer Verschwiegenheitspflicht keine Stellung.

Es gibt aber Hinweise, dass die Wirtschaftsprüfer offenbar nicht schlampig arbeiteten, sondern den Skandal mit aufgedeckt haben. Zum einen schreibt Wirecard in seiner Ad-hoc-Mitteilung selbst: „Der Wirtschaftsprüfer hat uns informiert, dass ...“. Der Vorstand ist offenbar bis kurz vor Schluss davon ausgegangen, dass die Saldenbestätigungen führender asiatischer Banken echt sind, was jetzt stark bezweifelt werden muss.

„Anleger sollten sich auch weiterhin an Wirecard als Haftungsgegner halten“

„Im Zusammenhang mit unserer Abschlussprüfung 2019 der Wirecard AG war es bislang nicht möglich, ausreichende Prüfungsnachweise zu erlangen, die die Existenz von im Konzernabschluss ausgewiesenen Guthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro bestätigen“, schreibt EY.

Und weiter: „Wir haben Hinweise darauf, dass falsche oder gefälschte Saldenbestätigungen im Zusammenhang mit diesen Konten vorgelegt wurden. Wir haben den Vorstand und den Aufsichtsrat der Wirecard AG über unsere bisherigen Erkenntnisse informiert.“ Dass der Verdacht schon älter ist, bestätigt das Vorgehen der Finanzaufsicht Bafin, die wohl wegen der Meldepflichten eines Wirtschaftsprüfers im Fall Wirecard aktiv wurde.

Dass die Prüfer zumindest keine offensichtlichen Fehler gemacht haben, bestätigt auch die Tübinger Rechtsanwaltskanzlei TILP. „Von einer Klage gegen die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (EY), den Wirtschaftsprüfer von Wirecard, sieht TILP weiterhin ab. EY hat sich nach unserem Verständnis hier zwar nicht mit Ruhm bekleckert. Zentral verantwortlich ist aus kapitalmarktrechtlicher Sicht aber weiterhin Wirecard. Und das ist von entscheidender Bedeutung. Gegen Wirecard bestehen die besten Aussichten, Schadensersatz zu erlangen, schon weil diese rechtlich viel leichter durchzusetzen sind. Deswegen sollten geschädigte Anleger sich auch weiterhin an Wirecard als Haftungsgegner halten“, wird Maximilian Weiss zitiert, Rechtsanwalt der TILP-Gruppe.

Offen bleibt, wie die Jahresabschlussprüfung weitergeht. Wie aus dem Umfeld von Wirecard zu hören ist, konnte EY erst jetzt auch aufgrund von Recherchen in Asien den Betrug aufdecken, an dem offenbar viele Personen beteiligt sind. Rausziehen aus dem Unternehmen kann sich EY nicht. Nach deutschem Recht darf ein Wirtschaftsprüfer sein Mandat nicht niederlegen. Sein schärfstes Schwert ist das Versagen eines Testats.

Daran hängen wiederum materielle Folgen für das Unternehmen. Ohne Testat darf keine Dividende ausgeschüttet werden. Und ohne Testat werden eventuell – wie in diesem Fall – Kredite fällig gestellt, was wieder Folgen für die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft hätte.

Ob EY das Testat versagt oder in diesem Fall einschränkt, bleibt offen. Ob sich der Prüfer doch schuldig gemacht hat, weil er nicht früh genug nachfragte oder weil ihm der Betrug allein aufgrund der Höhe hätte auffallen müssen, muss eine berufsständische Prüfung durch die staatliche Aufsichtsbehörde Apas ergeben.

Football news:

Mohamed Salah: ich Hoffe, lange in Liverpool zu bleiben
Präsident La Liga: Viele versuchen, Misserfolge auf dem Platz mit Gesprächen über Ruhe und Zeitplan zu rechtfertigen
Rivaldo über Griezmann: ich verstehe nicht, warum der Weltmeister und millionentransfer erst in den letzten Minuten ausfällt
Arzt Sociedad: Edegaard hat eine schwere Verletzung. Eine Option mit der Operation wird derzeit nicht in Betracht gezogen
Klopp hat Liverpool zum Meister gemacht. Jetzt sind Sie dran: das Showsport-Spiel
Die Tochter des Besitzers von Valencia: Das ist unser Club und wir können damit machen, was wir wollen. Verstehen die Fans das nicht?
Manchester City und Chelsea Interessieren sich für Dinem