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Werder ist Patrick Erras' erster Ansprechpartner

Patrick Erras (Mitte) verlässt den 1. FC Nürnberg nach 13 Jahren im Verein und könnte zu Werder wechseln.

Patrick Erras (Mitte) verlässt den 1. FC Nürnberg nach 13 Jahren im Verein und könnte zu Werder wechseln. (dpa)

Die angezeigte Nachspielzeit war schon abgelaufen, also nahm Patrick Erras den Ball gar nicht erst an, sondern lupfte ihn direkt hoch in den Strafraum - und wurde zum Vorbereiter des wichtigsten Treffers der jüngeren Nürnberger Vereinsgeschichte. Fabian Schleusener traf zum 1:3 im Relegations-Rückspiel gegen Ingolstadt, das den Traditionsklub in der zweiten Liga hielt. Patrick Erras hat sich mit seiner Torvorlage aus Nürnberg verabschiedet. Der Vertrag des defensiven Mittelfeldspielers ist ausgelaufen, und der 25-Jährige will seinen Heimatverein nach 13 Jahren verlassen, um den Schritt in die erste Liga oder ins Ausland zu wagen. Sein erster Ansprechpartner ist nach WESER-KURIER-Informationen Werder Bremen.

Der „Kicker“ hatte zuerst vom Bremer Interesse an Erras berichtet. Und Werders Chancen stehen in der Tat gut, denn Sportchef Frank Baumann verfolgt den Weg des Nürnberger Eigengewächses schon lange, was bei dem Mittelfeldspieler natürlich positiv ankommt. Interessanterweise gibt es zwischen Baumann und Erras einige Parallelen. Beide schafften nicht nur in Nürnberg den Sprung zum Bundesliga-Spieler, sie wurden auch in der Jugend vom Ex-Bundesliga-Profi Reinhold Hintermaier entdeckt und gefördert. Wechselt Erras nun genau wie Baumann aus Franken in den hohen Norden? Das Bremer Interesse ist jedenfalls hinterlegt, und da jetzt Klarheit über Werders weitere Erstliga-Zugehörigkeit besteht, sollen die Gespräche nach WESER-KURIER-Informationen in Kürze aufgenommen werden. Es gibt aber auch Interessenten aus England, allen voran Zweitliga-Tabellenführer Leeds United.

Spielerisch und körperlich stark

Erras gilt als fußballerisch starker Sechser mit strategischen Fähigkeiten. Der 1,96-Meter-Hüne ist zudem kopfball- und zweikampfstark. Durch seine Körpergröße wirken seine Aktionen manchmal wenig dynamisch, was einige Beobachter als seine größte Schwäche anführen. 2015 stieg Erras mit Nürnberg in die zweite Liga auf und trumpfte dort groß auf. Ihm gelangen fünf Tore in 16 Spielen, Erstligisten wie Gladbach zeigten Interesse, doch dann zog sich das Mittelfeldtalent im Training einen Kreuzbandriss zu und fiel mehr als ein Jahr lang aus. Erras kämpfte sich zurück und konnte insbesondere in der Rückrunde der Saison 2018/19 als Stammspieler in der Bundesliga auf sich aufmerksam machen. Trotz des Nürnberger Abstiegs sammelte er damals Pluspunkte. In der abgelaufenen Zweitliga-Spielzeit musste Erras zwischenzeitlich auf der Bank Platz nehmen, holte sich seinen Stammplatz aber zurück und übernahm schließlich in der Relegation eine wichtige Rolle.

Ob er solch eine Rolle künftig auch in der ersten Liga bekleiden könnte, bleibt abzuwarten. Für Werder wäre der ablösefreie Erras, der 19 Erstliga-Einsätze und 61 Zweitliga-Spiele (neun Tore) vorweisen kann, ein relativ risikoarmer Transfer. Und dass die Bremer auf der Sechser-Position etwas tun müssen, steht außer Frage. Nach jetzigem Stand gibt es im defensiven Mittelfeld zwei Abgänge. Nuri Sahins Kontrakt wurde nicht verlängert. Die Ausleihe von Kevin Vogt ist beendet. Der 28-Jährige hat sich im Abstiegskampf zwar als wichtiger Führungsspieler etabliert, weshalb Werder ihn gerne länger behalten würde. Einen Kauf können die Bremer allerdings nicht finanzieren, sie müssen darauf hoffen, dass die TSG Hoffenheim Vogt für ein weiteres Jahr verleiht. Ob das klappt, hängt auch davon ab, inwiefern andere Klubs Interesse an dem Defensivspieler zeigen

Das defensive Mittelfeld als Baustelle

Hinter Philipp Bargfredes Zukunft steht derweil ein Fragezeichen. Der Vertrag des defensiven Mittelfeldspielers bei Werder ist ausgelaufen. Für die Zeit nach der aktiven Karriere ist dem Werder-Urgestein eine Weiterbeschäftigung im Klub vertraglich zugesichert, doch der 31-Jährige will noch nicht aufhören. „Ich habe richtig Lust auf Fußball, und ich werde definitiv weiterspielen“, sagte er der „Deichstube“. Ob Bargfrede dafür den Verein wechseln muss oder ob Werder seinen Spielervertrag noch einmal verlängert, muss nun in Gesprächen geklärt werden. Wenn er bleiben sollte, könnte der von Verletzungen geplagte Bargfrede auf der Sechser-Position kaum als Stammspieler eingeplant werden, in der zurückliegenden Saison bestritt er kein Spiel über 90 Minuten.

Als solide Alternative im defensiven Mittelfeld steht ansonsten noch Christian Groß bereit. Maximilian Eggestein könnte dort spielen, wurde aber zuletzt fast nur auf der Achter-Position eingesetzt. Dazu kehrt mit Manuel Mbom ein talentierter Mittelfeldspieler zurück, der allerdings noch keine Bundesliga-Erfahrung hat. Das defensive Mittelfeld ist somit eine der größten Baustellen im Bremer Kader. Es bleibt abzuwarten, ob Patrick Erras dabei helfen soll, diese Baustelle zu schließen.

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