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Western aus Ost und West: Schau in der Kunsthalle Rostock

Es ist ein Kulturphänomen, das im Osten und im Western gleichermaßen stattfand. Nur bezeichnete man die Ergebnisse unterschiedlich: In der DDR wurden sie Indianerfilme genannt, in der Bundesrepublik landeten die Karl-May-Verfilmungen im Westerngenre.

Die neue Ausstellung im Schaudepot der Rostocker Kunsthalle führt beides zusammen: „Ost/Western“ ist der beziehungsreiche Titel, die Unterzeile fasst es etwas plakativer zusammen: „Kino, Kult und Klassenfeind“.

Filme fanden in Ost und West ein großes Publikum

Obwohl in beiden deutschen Staaten voneinander getrennt produziert, erzeugten diese Filme ein gesamtdeutsches Popkulturphänomen, das bis heute da ist. Die ersten Filme entstanden in den 1960er-Jahren und prägten mehr als nur eine Generation. Das ist inzwischen stark von Nostalgie besetzt, noch heute laufen diese Filme im Fernsehen. Diese Ausstellung will beides: Einerseits ist sie ein erinnerungsstarker Rückblick auf diese Zeit und diese Filme, andererseits auch eine Auseinandersetzung mit den Nachwirkungen auf vielen Ebenen.

Auch die koloniale Geschichte Nordamerikas wird eingebunden

Diese Schau verbindet die nostalgischen Aspekte und den damit verbundenen Kult auch mit Fragen, die heute gestellt werden, zum Beispiel zur (post-)kolonialen Geschichte Nordamerikas. So ist am Beginn der Ausstellung eine Landkarte zu sehen, die die Siedlungsgebiete der Indianerstämme abbildet, wie sie um das Jahr 1500 auf dem Gebiet der späteren USA angeordnet waren. Schon mit dem Wort Indianer wird heute sehr vorsichtig umgegangen, auch das ist in dieser Ausstellung ein Thema.

Filme hatten Einfluss auf Alltagskultur, Pop und Politik

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Kuratorin Nadine Barth sowie Hermann Hülsenberg, der die Ausstellungsgestaltung übernommen hat. Die Räume im Schaudepot der Kunsthalle wurden effektiv genutzt. „Wir zeigen den Einfluss der Filme auf Alltagskultur, Pop und Politik“, erläutert Nadine Barth, die selbst durch die Karl-May-Verfilmungen geprägt worden ist. Viel zu sehen gibt es zur Entstehungsgeschichte der Filme in Ost und West: Setfotografien, Zeitzeugenberichte, dokumentarische Fotografien zu Premieren und Plakate, in der Schau sind auch Filmausschnitte zu sehen.

Gojko Mitic war im Osten der „Chefindianer“

Und schnell rücken die beiden Filmstars in den Mittelpunkt. Gojko Mitic (Ost) und Pierre Brice (West). Einer kam aus Jugoslawien, der andere aus Frankreich. „Auch diese Gemeinsamkeit ist eigenartig, die beiden Hauptdarsteller waren keine Deutschen“, sagt Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann. Mitic und Brice waren gemeinsam im Rialto-Film „Unter Geiern“ (1964) zu sehen, dann stieg Gojko Mitic dank der erfolgreichen Defa-Produktionen zum Star in der DDR auf. Es begann 1966 mit dem Streifen „Die Söhne der großen Bärin“, der in der DDR fast 9,5 Millionen Menschen erreichte, in der UdSSR waren es sogar 29,1 Millionen Zuschauer. Filme wie „Chingachgook, die große Schlange“ (1967), „Tecumseh“ (1972) oder „Apachen“ (1973) folgten. Bis 1982 ging diese Filmreihe weiter. Der 1940 geborene Gojko Mitic lässt es sich übrigens nicht nehmen, am Sonnabend zur Eröffnung um 16 Uhr anzureisen.

Pierre Brice wurde im Westen zur Kultfigur

Schauspieler Pierre Brice (1929–2015) spielte in den Karl-May-Verfilmungen der Bundesrepublik die Rolle des Winnetou und war ähnlich erfolgreich. Die Filme wurden in den 1960er-Jahren von der Rialto-Film und CCC-Filmkunst realisiert. Auch Pierre Brice wird nach seinem Tod bis heute verehrt, die „Winnetou“-Filme genießen Kultstatus. Natürlich wird „Winnetou“ hier vielfach gewürdigt: Ein „Bravo“-Starschnitt von Pierre Brice ist auch dabei. In der Ausstellung ist auch ein Interview mit seiner Witwe Hella Brice zu lesen.

Filme hatten Auswirkungen auf die Alltagskultur und die Kunst

Die Gründe für die Begeisterung, die diese Filme seinerzeit besonders unter Kindern in beiden deutschen Staaten auslösten, sind nicht ganz klar, aber die Folgen schon. In dieser genre- und medienübergreifenden Schau wird der Einfluss dieser beiden Filmreihen auf die Gesellschaft deutlich. Zu sehen sind unter anderem Objekte der Indianistikszene, der Fankultur, aber auch Arbeiten der bildenden Kunst. Darunter finden sich künstlerische Fotografien der vergangenen 60 Jahre, skulpturale Arbeiten und Malereien. Hervorzuheben ist dabei das Werk „Richard, der Indianer“, auf dem der Maler Wolfgang Mattheuer 1973 seinen Sohn porträtiert hatte. Weiterhin gibt es Malereien aus Nico Sturms Serie „Gojko Mitic und seine Brüder“, auch handgefertigte Masken aus Zedernholz der Künstler Clifford Thomas und Robert Davidson sowie die extra für diese Schau angefertigte Serie geschaffene Collage „Unter Narkose“, die vom Leipziger Künstler-Duo Günther/Meyer kommt.

Ausstellung legt Blick auch auf Aspekte der Filmproduktionen

Der Blick wird auch auf die künstlerische Arbeit gerichtet, die am Rande der Filmproduktionen stattfand, unter anderem mit Setfotografien oder Reproduktionen von Programmheften. Neben Filmausschnitten werden Zeitzeugenberichte, dokumentarische Fotografien zu Premieren, Drehorten und Darstellern gezeigt.

Kunsthalle sucht private fotografische Zeitzeugnisse

Viele Kinder jener Zeit haben im Nachklang dieser Filme damals Indianer gespielt. Die Kunsthalle Rostock möchte gerne genauer wissen, welche Erinnerungen die Besucher mit diesen Filmen verbinden. Sie ruft dazu auf, private Fotos von damals einzureichen, die Mailadresse: kunsthalle@rostock.de. Ab Mitte Juli sollen die ausgewählten Fotos im Außenbereich der Kunsthalle ausgestellt werden. Der Preis ist jeweils ein von Gojko Mitic signierter Ausstellungskatalog sowie Freikarten für die ganze Familie.

Ausstellung „Ost/Western – Kino, Kult und Klassenfeind“, zu sehen im Schaudepot der Kunsthalle Rostock vom 19. Juni bis 29. August, geöffnet dienstags bei sonntags von 11 bis 18 Uhr. Aufgrund der Pandemieverordnungen ist der Zugang zum Gebäude eingeschränkt, die aktuellen Hygienevorschriften sind zu beachten.

Von Thorsten Czarkowski

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