Ein Restaurant mit guter Bewertung auf der Webseite Tripadvisor kann eine Goldgrube sein.

(Foto: Screenshot Tripadvisor)

Er narrte die Seite Tripadvisor und hatte plötzlich das angesagteste Lokal Londons - das gar nicht existierte. Auf der Karte: lecker Rasierschaum an Ketchup.

Oobah Butler ist ein Hacker. Aber während Internet-Hacker in fremde Systeme einbrechen, mogelt sich der 26-Jährige mit Tricks durchs wirkliche Leben. "Life Hacks" heißt diese lustige Disziplin auf Englisch, und Butler, britischer Journalist, ist ein Meister darin. Auf kleinen Videos gibt er Anleitungen, wie man zu viert ein Buffet leer essen kann, aber nur einmal zahlt. Oder wie man sich - in einem Koffer - ins Kino tragen lässt, um kein Ticket kaufen zu müssen.

Jetzt hat Butler den Life Hack auf die Spitze getrieben: Er hat ein Restaurant, das es gar nicht gab, auf der Touristikwebsite Tripadvisor zur Nummer eins der Restaurant-Empfehlungen für London gemacht. Und zum Schluss, als Krönung der Aktion, servierte er echten Gästen in einem Gartenschuppen Fertigmahlzeiten. Die waren begeistert. Der Glaube an das Internet und die Sehnsucht nach dem Einzigartigen machten es möglich.

Butler sagt, das sei nur ein großer Witz gewesen, "es macht Spaß, Leute dazu zu bringen, alles zu glauben". Aber die Sache wurde ihm zum Schluss unheimlich, weil sie allzu gut lief; "sie ist mir aus dem Ruder gelaufen", gibt Butler zu, der für das Magazin Vice arbeitet. Als die ersten Job-Bewerbungen für sein Restaurant kamen und der Bezirk sein fiktives Lokal an einen besseren Platz umsiedeln wollte, fand er, nun müsse Schluss sein. Zu diesem Zeitpunkt war "The Shed" in Dulwich, wo man nur telefonisch einen Tisch buchen konnte, mit 96 hervorragenden Bewertungen einsame Spitze unter etwa 18 000 Lokalen bei Tripadvisor.

Man nehme: eine Domain, ein Prepaid-Telefon, Bleiche und Ketchup

Eigentlich ging alles ganz leicht, sagt Butler: Man kauft eine Domain und ein Prepaid-Telefon, stellt eine Speisekarte und Fotos ins Netz (in seinem Fall bestand das "Essen" aus hübsch angerichtetem Rasierschaum, Ketchup, Bleiche und einmal sogar seinem Fuß) und bittet Freunde und Verwandte, einfallsreiche, detailreiche, glaubwürdige Bewertungen zu schreiben. Schnell kamen die ersten Gäste-Anfragen für einen Tisch, zum Schluss waren es mehr als 100 täglich, Butler sagte immer: Sorry, wir sind ausgebucht.

Schließlich beschloss er gemeinsam mit Freunden, den Jux für einen Tag Wirklichkeit werden zu lassen: Sie räumten den Schuppen auf, in dem Butler tatsächlich lebt, kauften Fertigmahlzeiten beim Discounter, organisierten einen DJ ("damit man unsere Mikrowelle nicht hört") und setzten zwischen die echten Gäste Schauspieler, die laut das Essen lobten. Es gelang: Ein Paar, das gerade aus Paris gekommen war und nun das beste Restaurant in London suchte, wäre gern wiedergekommen. Aber "The Shed" ist zu.

Oobah Butler hat mit dem Stunt seine Karriere befördert, die er als Autor gefälschter Bewertungen für exakt solche Touristik-Seiten begonnen hatte wie jene, der er jetzt arg mitspielte. Tripadvisor reagiert auf Anfrage cool: Mit einer Spezialtechnologie filtere man mehr als 90 Prozent aller falschen Bewertungen aus dem Netz; es sei nun mal die absolute Ausnahme, dass es ein Restaurant gar nicht gebe. "Solche Tricks versuchen in der Regel nur Journalisten, die uns vorführen wollen."

Oobah Butler gibt sich zerknirscht, aber nur ein wenig. Über Fake News oder die Manipulierbarkeit von Websites sollen andere diskutieren; er hatte seinen Spaß.

Bei Kundenbewertungen wird gelogen, was das Zeug hält

Rezensionen sind für Online-Kunden das wichtigste Entscheidungskriterium. Sie werden jedoch massenweise gefälscht. So können Sie Fake-Bewertungen erkennen. Von Martin Lechtape mehr...