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Germany

Wie erkläre ich’s meinem Kind? Wie eine Impfung funktioniert

Schaut man zurzeit in die Nachrichten, kann man den Eindruck bekommen, überall geht es nur noch um Viren. Während sich in China das sogenannte neuartige Coronavirus ausbreitet, ist in Deutschland die Grippewelle in vollem Gange. Und in beiden Fällen stellt sich die Frage: Wie kann man sich bloß schützen, damit man sich mit keinem der Viren ansteckt? Wo wir doch kaum vermeiden können, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die uns vielleicht anstecken könnten? Wir können unseren Körper vorbereiten auf den Kontakt mit Krankheitserregern, durch eine Impfung. Bei der Grippe klappt das schon ganz gut, wir haben vor Jahren einen Impfstoff entwickelt, der seitdem an jede neue Grippewelle etwas angepasst wird. Gegen das Coronavirus sucht die Forschung gerade noch händeringend nach einem Impfstoff.

Lucia Schmidt

Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Die beiden Krankheitsbilder sind Beispiele dafür, wie die Menschheit versucht, sich gegen gefährliche Infektionskrankheiten durch eine Impfung zu schützen. Wer einmal einen Blick in seinen gelben Impfpass wirft, wird sehen, dass es weitere zahlreiche Krankheiten gibt, vor denen wir heute sehr effektiv geschützt sind, eben weil wir einen Impfstoff dagegen entwickelt haben.

Das Prinzip einer Impfung ist übrigens bei praktisch allen Krankheiten das gleiche. Ganz kurz zusammengefasst kann man es so beschreiben: Durch eine Impfung lernt unser Körper schon einmal den gefährlichen Krankheitserreger kennen. Stecken wir uns tatsächlich dann damit an, erkennt der Organismus das Virus oder Bakterium direkt als Feind. Und bevor es richtig Schaden anrichten kann, bekämpft unser Immunsystem es effektiv mit Waffen, die es extra für diesen Feind schon ausgebildet hat. Das Ergebnis: Wir bleiben gesund und bekommen von dieser kleinen Kampfszene in unserem Körper meist nicht mal etwas mit.

Medizinisch steckt dahinter die Eigenschaft unseres Immunsystems, sich an Krankheitserreger, die es einmal kennengelernt hat, zu erinnern. Um das besser zu verstehen, müssen wir uns nur einen Erreger vorstellen, gegen den wir nicht geimpft sind. Dringt ein solcher in uns ein, beginnen Fresszellen, eine Gruppe unserer Immunzellen, die Eindringlinge in sich aufzunehmen und zu zerkleinern, eben zu „fressen“. Damit zerlegen sie den Erreger in lauter Bruchstücke und zeigen diese anderen Zellen des Immunsystems. Ganz frei nach dem Motto: „Schaut mal, wenn ich hier erledigt habe.“

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Diese Präsentation ist für die anderen Immunzellen, die man T- und B-Lymphozyten nennt, das Zeichen, künftig alles im Körper, was den Bruchstücken gleicht, zu bekämpfen. Das können sie tun, indem sie bestimmte schädliche Substanzen ausschütten oder Antikörper produzieren, die den Erreger unschädlich machen. Manchmal markieren sie den Erreger auch, damit die Fresszellen ihn möglichst schnell finden und vernichten. Während dieser sogenannten Immunantwort fühlen wir uns krank und schlapp, weil der Körper eben ziemlich damit beschäftigt ist, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Hat er das dann geschafft, hat das gleich zwei tolle Konsequenzen: Wir sind wieder gesund, und im Körperinneren haben sich sogenannte Gedächtniszellen gebildet, die sich genau merken, wie dieser Erreger aussah und was gegen ihn gut geholfen hat. Wagt es der Erreger einige Zeit später, wieder in uns einzudringen, dann können die Gedächtniszellen auf diese Weise ganz schnell die passenden Abwehrmechanismen in Gang setzen und den Krankheitserreger sofort bekämpfen, bevor er uns wieder Schaden zufügt.

Bei einer Impfung wird genau dieser Zustand künstlich erzeugt. In einem Impfstoff befinden sich nämlich die Bruchstücke des Erregers, die sonst die Fresszellen präsentieren – allerdings in so geringer und abgeschwächter Form, dass sie nicht richtig krankmachen können. Die Bruchstücke sind aber noch stark genug, damit der Körper eine Immunantwort durchspielt: Lymphozyten produzieren Abwehrmittel gegen die Bestandteile im Impfstoff, und die Gedächtniszellen merken sich genau, wie das funktioniert und was gut hilft. Im Fall eines wirklichen Kontakts mit dem ganzen Erreger können sie den dann direkt bekämpfen und wir bleiben topfit. Impfen lohnt sich also und ist tatsächlich wohl eine, wenn nicht die wirkungsvollste Maßnahme, sich gegen bestimmte Krankheiten zu schützen.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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