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Germany

Wie sieht die Zukunft aus?

Wolfgang Dürr von der Firma Airbus Defense Space sprach beim Mahl der Syker Bürgerstiftung über die Bedeutung der Raumfahrt für den Alltag.

Wolfgang Dürr von der Firma Airbus Defense Space sprach beim Mahl der Syker Bürgerstiftung über die Bedeutung der Raumfahrt für den Alltag. (Braunschädel)

Syke. Zum Bürgermahl der Syker Bürgerstiftung gibt sich schon seit der Premiere vor neun Jahren das Who-Is-Who der Hachestadt die Ehre. Anders war es auch zum zehnjährigen Bestehen der von der Syker Bürgerstiftung initiierten Veranstaltung im Konzertsaal der Kreissparkasse Syke nicht. Rund 70 Gäste erschienen am Sonntag im feinsten Zwirn und freuten sich auf Kost für Kopf und Bauch. Denn zusätzlich zum dreigeteilten Vortrag „Für die Erde ins All“ von Wolfgang Dürr, Director Space der Airbus Defense Space, gab es ein Drei-Gänge-Menü.

Gastgeber Ralf Warneke, Marketing-Chef der Kreissparkasse Syke, machte kein Hehl aus seiner Faszination für die Serie „Star Trek“. „Für mich waren Captain James T. Kirk und Jean-Luc Picard wahre Helden.“ Besonders beeindruckt sei er von den Replikatoren gewesen, die Picard stets mit brühwarmem Earl-Grey-Tee aus dem Nichts versorgten. „Ein Gerät aus der Fantasie des Drehbuchautors. Oder wird so eine Technik in ferner Zukunft real sein?“ Antworten auf diese und weitere Fragen hat er sich erhofft. Für die Ungeduldigen vorweg: Der Replikator war später kein Thema mehr. Dafür gewährte Wolfgang Dürr einen Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Luft- und Raumfahrttechnologie.

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ Es war ein geschichtsträchtiger Moment, als Neil Armstrong 1969 als erster Mensch den Mond betrat. 40 Milliarden Euro hat die deutsche Luft- und Raumfahrt im vergangenen Jahr umgesetzt, 111 500 Mitarbeiter sind in diesem Sektor tätig, davon in Bremen fast 12 000.

Heutzutage würden alle Menschen von der Raumfahrt im täglichen Leben profitieren – meist, ohne es zu merken. „Stellen wir mal für einen Tag alle Satelliten ab“, lud Dürr die Anwesenden ein, sich ins Jahr 1957 zu begeben – das Jahr des Starts des ersten Satelliten. Internet? Adieu. Facebook, Whats-App und Co.? Keine Chance. Zig Urlauber würden ihr Hotel mangels Google Maps nicht finden. „Das Fernsehprogramm wird erheblich eingeschränkt, was auch die Bundesliga am Samstag betreffen würde“, mahnte Dürr mit einem Lächeln. Sky und Netflix hätten Sendepause. Der internationale Bankenverkehr würde zum Erliegen kommen. „Die Streitkräfte vieler Nationen wären mangels Aufklärungsdaten in erhöhter Alarmbereitschaft.“

Zudem würden viele, ursprünglich für die Raumfahrt entwickelte Technologien heute einen großen Nutzen im Alltag haben. „Und damit meine ich nicht die immer gern genannte Teflon-Pfanne, die nicht aus der Raumfahrt kommt“, merkte Dürr schmunzelnd an. Vielmehr zählte er die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen dazu. Weiteres Beispiel sei die medizinische Fernüberwachung. „Die Astronauten haben in ihren Anzügen bei Außeneinsätzen überall Sensoren, die ihren Gesundheitszustand überwachen“, erklärte Dürr. Diese Technologie werde heute bei Babys verwendet, soll den plötzlichen Kindstod verhindern.

Schwere Kost schon im ersten Drittel, die erst einmal verdaut werden mussten. Als kleinen „Magenbitter“ gab es dafür eine Kürbissuppe, die den ersten von drei Gängen eröffnete. Gekocht und aufgetischt in diesem Jahr übrigens erstmals vom Landfrauenservice Jutta Kruse. Und das in einer hervorragenden Qualität. Von den leeren Schüsseln auf den Tischen ging es wieder zu den Pendants im Weltall. Während die Halbwertzeit der Suppe an einer Hand abgezählt werden konnte, bringen es Raumfahrtsysteme laut Dürr auf sieben bis zehn Dienstjahre, Kommunikationssatelliten schaffen sogar 15 bis 20 Jahre. Ausgestattet mit Radaren können dabei durch Wolken hindurch und in der Nacht Aufnahmen gemacht werden.

Davon profitieren unter anderem Landwirte, die Informationen zum Zustand der Ackerböden erhalten. „Das ermöglicht eine punktgenaue Kontrolle des Pflanzenwachstums“, stellte Dürr heraus. Zur Verdeutlichung: Mit Bildern aus rund 700 Kilometern Höhe können Aussagen zur optimalen Bewässerung gemacht werden. „Bei Ölkatastrophen kann vom All aus geschaut werden, welche Gebiete betroffen sind, wie groß die Ölteppiche sind und wo die Einsatzkräfte hingeschickt werden müssen.“

So viel zur Gegenwart – und wie sieht die Zukunft aus? Einem unbemannten Testflug zum Mond im Jahr 2021 folgt ein bemannter Flug um den Trabanten, ehe dann an Bord der Artemis I in fünf Jahren erneut Astronauten auf dem Mond landen sollen. Technisch sei dies möglich, jetzt fehle nur noch die Finanzierung. „Und dann möchten die Amerikaner mit internationaler Unterstützung eine permanente Präsenz auf dem Mond aufbauen, um dort Forschungen durchzuführen und vor Ort Satelliten zu bauen“, blickte Dürr gen Zukunft. Die Nasa rechne zudem ab 2030 mit Flügen zum Mars. Der Mond soll nämlich auf lange Sicht als Startpunkt für Langzeitmissionen dienen. Ist das realistisch? Wolfgang Dürr begnügte sich lieber mit kleinen Schritten: „Jetzt fliegen wir erst mal auf den Mond.“

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