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Wir brauchen eine parallele Währung zu den Euro-Banknoten

Die Digitalisierung dringt in alle Bereiche unseres Lebens vor. Sie stillt ein immer größeres Bedürfnis nach Unmittelbarkeit – beim Konsum, bei der Arbeit und im täglichen Miteinander. Dabei stellt sie in vielerlei Hinsicht unsere kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen auf den Kopf.

Die Art und Weise, wie wir für etwas bezahlen, ist davon nicht ausgenommen. Unser Zahlungsverhalten verändert sich – und zwar in einigen Ländern rasant. Bis vor Kurzem waren Sofortzahlungen nur mit Bargeld möglich.

Bei kleineren Beträgen wird immer noch vorwiegend auf Barzahlungen zurückgegriffen. Der Trend aber geht zum bargeldlosen, kontaktlosen Bezahlen. Beim Einkaufen verwenden wir immer häufiger kontaktlose Karten, eine App auf unserem Smartphone oder gar eine Smartwatch.

EZB-Direktor Fabio Panetta

EZB-Direktor Fabio Panetta

Quelle: Europäische Zentralbank

Zentralbanken auf der ganzen Welt stellt sich unvermeidlich die Frage, ob sie als Währungshüter und -emittenten eine digitale Währung einführen sollen. Sollen sie eine neue Form des Geldes auf den Weg bringen, die gesetzliches Zahlungsmittel ist, dasselbe Vertrauen genießt wie herkömmliches Geld und auch all dessen Vorteile besitzt?

Sollen wir im Euro-Raum parallel zu den Euro-Banknoten eine digitale Währung anbieten? Wir haben bereits digitale Zahlungsmittel wie zum Beispiel die elektronische Überweisung. Und natürlich haben wir physisches Zentralbankgeld in Form von Bargeld.

Eine digitale Währung hingegen, die von der Zentralbank begeben wird und die wir alle im Alltag verwenden können, haben wir nicht. Mit anderen Worten: Uns fehlt das digitale Gegenstück zu den Euro-Banknoten.

Ob wir einen digitalen Euro brauchen oder nicht, ist eine drängende Grundsatzfrage, die die EZB und nationale Zentralbanken des Euro-Raums derzeit beschäftigt. Heute veröffentlichen wir einen Bericht, in dem wir unsere Einschätzung der wirtschaftlichen, strategischen, technologischen und gesellschaftlichen Optionen darlegen, die uns offenstehen.

Öffentliches Konsultationsverfahren beginnt am 12. Oktober

Er ist die Grundlage für ein öffentliches Konsultationsverfahren, das am 12. Oktober beginnt. Dabei wollen wir in Erfahrung bringen, wie die Öffentlichkeit und alle betroffenen Interessengruppen zu diesen Fragen stehen. Wir sollten für die Einführung eines digitalen Euro bereit sein, so das Fazit des Berichts, wenn es Entwicklungen in unserem Umfeld erforderlich machen.

Das heißt, wir müssen uns jetzt schon vorbereiten. In den kommenden Monaten werden wir zuhören und experimentieren, um eine fundierte Entscheidung über die mögliche Entwicklung und Einführung eines digitalen Euro treffen zu können.

Der Euro ist ein öffentliches Gut für die Menschen: ein kostenloser Zugang zu einem einfachen, allgemein akzeptierten, risikofreien, verlässlichen Zahlungsmittel. Der digitale Euro muss dafür sorgen, dass dieses öffentliche Gut erhalten bleibt.

Die Einführung eines digitalen Euro kann in verschiedenen Szenarien erforderlich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen oder in extremen Situationen wie Naturkatastrophen oder Pandemien, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren.

Ein digitaler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staatliche oder privatwirtschaftliche digitale Zahlungsmittel, die aus Ländern außerhalb des Euro-Raums stammen oder von dort kontrolliert werden, bestehende Zahlungsmittel weitgehend verdrängen. Eine solche Situation könnte aus regulatorischer Sicht bedenklich sein und die Finanzstabilität oder sogar unsere geldpolitische, wirtschaftliche und finanzielle Souveränität gefährden.

Ein digitaler Euro sollte das Bargeld ergänzen, es aber nicht ersetzen. Beide zusammen böten den Menschen größere Auswahlmöglichkeiten und einen leichteren Zugang zu Zahlungsmitteln. So würden sie einen Beitrag zur finanziellen Inklusion leisten. Gleichzeitig wäre ein digitaler Euro ein Zeichen für die Bereitschaft Europas, sich Veränderungen zu stellen und mit gutem Beispiel voranzugehen.

Digitalisierung in Europa beschleunigen

Er würde die Digitalisierung der Wirtschaft in Europa vorantreiben. Er würde Innovationen im Massenzahlungsverkehr ermöglichen. Dabei würden Synergien mit den neuen Zahlungslösungen geschaffen, die Menschen und Unternehmen für ihren Erfolg an innovativen digitalen Märkten benötigen.

Der Euro würde attraktiver für Menschen außerhalb des Euro-Raums, er würde weltweit an Anziehungskraft gewinnen und damit das europäische Finanzsystem weiter stärken. Schließlich würde er eine wirksamere Bekämpfung krimineller Aktivitäten wie Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ermöglichen.

Die Einführung eines digitalen Euro stellt uns aber auch vor Herausforderungen. Einige hängen mit den individuellen Rechten von Menschen wie dem Schutz der Persönlichkeitsrechte zusammen. Wenn wir uns um die funktionale und technische Ausgestaltung kümmern, müssen wir Lösungen für diese Herausforderungen finden.

Andere Herausforderungen sind wirtschaftlicher Natur. Einige Beobachter befürchten beispielsweise, dass ein digitaler Euro sich negativ auf das Bankengeschäft auswirken oder in finanziellen Stresssituationen zu Instabilität führen könnte. Mit einem gut konzipierten digitalen Euro können wir diesen Risiken jedoch entgegenwirken.

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen dürfen wir allerdings nicht vergessen, dass der Wert des Geldes – sei es in herkömmlicher oder digitaler Form – immer auf dem Vertrauen der Menschen beruht. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist von entscheidender Bedeutung.

Darum wollen wir den Menschen zuhören und mehr über ihre Bedürfnisse, Präferenzen und Bedenken in Bezug auf den digitalen Euro erfahren. Bei unserer Arbeit werden wir uns von den Rückmeldungen leiten lassen, die wir beim Konsultationsverfahren und durch den Austausch mit den gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Menschen in Europa erhalten.

Mit allen Interessengruppen zusammenarbeiten

Wir werden konkrete Optionen testen und dabei mit allen Interessengruppen zusammenarbeiten. In Rücksprache mit den betroffenen Institutionen und Behörden werden wir die rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Anforderungen prüfen, die ein digitaler Euro erfüllen muss.

Der Euro hat sich bislang gut geschlagen, als eine Währung, die das Vertrauen der Menschen in Europa genießt. Wir können uns nicht zurücklehnen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Währung für die Zukunft gerüstet ist.

Fabio Panetta, 61, ist seit Januar 2020 Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank. Der frühere Vizegouverneur der Banca d’Italia ist zuständig für die Ressorts Internationale und Europäische Beziehungen sowie Banknoten, Marktinfrastruktur und Zahlungsverkehrssysteme.

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