Germany

"Wir werden das überstehen": Berührungen sind ein Grundbedürfnis

Es wird eine Zeit "nach Corona" geben! Dann werden wir uns wieder nah sein können, auf Konzerten eng tanzen, die feuchten Küsschen der Erbtante überstehen. Und wenn nicht? Was Körperkontakt mit uns macht - und was passiert, wenn er ausbleibt.

Früher wurde den Kindern - nicht nur im Museum oder einer Galerie - gern gesagt: "Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten." Das hat sich ganz schön verändert, ist uns Menschen doch schon lange klar, wie wichtig es ist, etwas oder jemanden anzufassen. Berührt zu werden. Und dann kam Corona. Hände weg, heißt es seitdem, so wenig Kontakt mit anderen Menschen wie möglich. Außer den allerengsten - eine besondere Herausforderung für Menschen, die allein leben oder jemanden kennenlernen wollen. Oder in einem Altersheim, wo das Highlight der Woche das Kuscheln mit den Enkeln ist. Wir befinden uns in der zweiten Runde Lockdown, die Verlängerung steht an, und zum zweiten Mal bleibt das Leben - fast - stehen.

imago0062860097h.jpg

Wir brauchen unsere Gruppe.

(Foto: imago/imagebroker)

Berührungen sind so wichtig. Und doch ahnen wir erst jetzt, wo wir sie vermissen, wie wichtig. Evolutionsbiologisch gesehen ist der Mensch ja eine Art Herdentier", sagt Rebecca Böhme, Assistenzprofessorin am Zentrum für soziale und affektive Neurowissenschaften in Linköping, Schweden, wo sie soziale Interaktion, Abfangen und das Selbst studiert. "Es ist also natürlich für uns, nicht allein sein zu wollen. Das erklärt auch, weshalb uns die Gesellschaft von nur einem oder zwei Menschen auf Dauer nicht genügt: wir brauchen unsere Gruppe, unseren Freundeskreis."

Doch nicht nur die Biologie treibt uns an, weiß Böhme, "hinzukommt, dass wir auch Kulturwesen sind. Und zu unserer Kultur gehört es eben, in einem regen und reichhaltigen Austausch und Kontakt mit der Gesellschaft zu stehen."

Das Gefühl von Sicherheit und Gemeinschaft

Ähnlich und sogar recht optimistisch sieht das auch Martin Grunwald, Psychologe, Gründer und Leiter des Haptik-Forschungslabors am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig: "Wenn Corona irgendwann vorbei ist, wird das Säugetier Mensch sein Kontaktverhalten wieder so etablieren, wie vordem. Die Ängstlichen werden vorsichtiger dabei sein, die weniger Ängstlichen eher nicht." Aber was passiert bei zu wenig oder gar keinem Hautkontakt mit einem Menschen? "Anfangs sicher noch nicht so viel", sagt Böhme, "eine Weile kommen wir auch ganz gut ohne Körperkontakt aus. Keine körperliche Nähe mit anderen Menschen zu erleben verstärkt jedoch die empfundene Einsamkeit. Denn durch liebevolle Berührungen von anderen spüren wir, dass diese für uns da sind, dass wir nicht allein sind in dieser ja für alle emotional sehr anstrengenden Situation."

ANZEIGE

Human Touch: Warum körperliche Nähe so wichtig ist

Böhme hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, es heißt "Human Touch" und handelt davon was passiert, wenn die zwischenmenschliche Berührung länger ausbleibt. Das kann so weit gehen, dass Personen unter Angstzuständen und Depressionen leiden, wenn sie nicht mehr berührt werden können. Sie hat lange vor Corona, bereits 2016, angefangen, das Buch zu schreiben. "Allerdings befand sich die zwischenmenschliche Berührung bereits damals in einer bedrängten Lage", erklärt Rebecca Böhme, "denn die Digitalisierung und die Einführung des Smartphones haben bereits dazu geführt, dass wir viel seltener reale Treffen mit unseren Lieben haben und uns so auch seltener körperlich nahe kommen."

imago0063407216h.jpg

Etwas, was so selbstverständlich war - vor Corona - dass es wir es kaum bewusst wahr genommen haben. Trotz seiner enormen Wirkung auf uns.

(Foto: imago/Westend61)

Dass unsere Lieben sterben, ohne dass wir ihre Hand halten können, ist in der Pandemie, wo die Menschen in Krankenhäusern und Altersheimen vielerorts isoliert werden und zu großen Teilen dann auch einsam sterben, nicht nur eine schreckliche Vorstellung, sondern eine grausame Realität: "Das war und ist natürlich schlimm, auch für die Angehörigen. In allen einschneidenden Momenten im Leben, an allen Wendepunkten, ist es unersetzlich, jemanden bei sich zu haben, der einem die Hand halten kann, der einem durch eine Umarmung oder ein sanftes Streicheln das Gefühl von Sicherheit und Gemeinschaft vermittelt", weiß Böhme.

Gegen Stress und andere Widrigkeiten

Könnten Berührungen denn heilen? Böhme zögert: "Jein. Berührungen sind kein direktes Heilmittel für Krankheiten oder auch psychische Störungen. Doch Berührungen können das Immunsystem stärken, das allgemeine Wohlergehen erhöhen, unsere Widerstandsfähigkeit gegen Stress und andere Widrigkeiten verbessern. Auf diese Weise tragen Berührungen dazu bei, dass wir resilienter werden, sowohl psychisch als auch physiologisch - und so Krankheitserreger besser abwehren können."

umarmen.jpg

Über das soziale, das zwischenmenschliche Berühren, weiß die Forschung noch nicht so viel.

(Foto: imago images/Bildgehege)

Haben wir es in der "Corona-Sommerpause" vielleicht übertrieben mit unserer Suche nach Nähe? Und kann nur der Gedanke an eine bevorstehende Isolation schon Reaktionen in uns hervorrufen? "Ja, ganz sicher, vor allem, nachdem wir nun diese Erfahrung des ersten und nun zweiten Lockdowns gemacht haben", bestätigt die Wissenschaftlerin, die Autismus, ADHS, Anorexie, Schizophrenie und Depression studiert, um zu erfahren, was mit dem Selbst unter psychiatrischen Bedingungen passiert. "Das waren für die meisten Menschen keine guten Erfahrungen, für einige war es geradezu traumatisch. Auch wenn wir uns nun langsam besser anpassen können, und auch individuelle Wege finden, mit der neuen Situation umzugehen - der Gedanke an einen dritten Lockdown löst Stress aus."

Berührung = Gefahr?

Wird uns das sozial distanzierte Verhalten der Corona-Monate zu anderen Menschen machen? Oder werden nur die überleben, die über einen geliebten Menschen oder eine Familie verfügen, weil sie mit diesen Zärtlichkeiten oder Berührungen austauschen können? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt Martin Grunwald, der in seinem Buch "Homo Hapticus" ausführlich beschreibt, wie wichtig Berührungen und Hautkontakt sind. Allerdings merkt er an: "Pest und Cholera hat das Säugetier Mensch auch überstanden und seine Kontaktgewohnheiten dennoch kaum geändert."

ANZEIGE

Homo hapticus: Warum wir ohne Tastsinn nicht leben können

Aber wenn selbst das dahingehauchte Begrüßungsküsschen, von vielen als oberflächliches Indiz der Bussi-Bussi-Gesellschaft gescholten, vermisst wird, dann will das doch was heißen in diesen kalten Zeiten? "Das kann man eine Zeitlang unterdrücken, aber nicht vollständig abschaffen", ist Grunwald sich sicher. "Insofern haben wir jetzt eine schwierige Zeit, aber die wird auch wieder vorbeigehen."

Rebecca Böhme kann sich beide Szenarien vorstellen: "Leider erlernen wir aktuell, dass Berührung und Nähe mit einer Gefahr verbunden sind. Das ist eine starke Assoziation im Gehirn. Um die so entstandene Angst vor Nähe nach der Coronapandemie zu überwinden, müssen wir aktiv gegen sie angehen: darüber sprechen, uns selbst beobachten und bewusst daran erinnern, dass die Gefahr vorbei ist und dass Berührungen und körperliche Nähe zu unseren Lieben etwas Wunderbares ist." Könnten wir Nähe denn nachholen? Oder horten, um unser "Tast"- Konto aufzufüllen? "Das wäre sehr interessant, ich glaube nicht, dass jemand das schon erforscht hat", überlegt Böhme, "ich vermute aber die Antwort ist "ja" - zumindest, wenn die Phase der Isolation nicht zu lange angedauert hat."

Football news:

Sulscher über 3:2 gegen Liverpool: Manchester United gewann zu seinen Konditionen. Es ist ein gutes Gefühl
Hames erzielte 10 (3+7) Punkte in Evertons Heimspielen. 2 Tore in der 4. Runde des fa-Cups gegen Sheffield Wednesday
Suarez erzielte das 12.Tor in der La-Liga-Saison. Messi-11
Milner über die Niederlage gegen Manchester United: am Boden zerstört. Es gibt keine zweite Chance im Fußball, um zu scheitern
Der Schauspieler von Game of Thrones über das Spiel gegen Liverpool: Manchester United wäre vor einem Jahr zerstört worden. Großer Fortschritt
Rickard Puch: eine Ziemlich schwierige Saison, ich bin es nicht gewohnt, so wenig zu spielen. Ein Kopfballtor ist etwas unrealistisches
Habib: ich Bereite mich auf mein Debüt im großen Fußball vor. Ich bin ein freier Agent