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Wirtshaussterben in Bayern: Der schleichende Tod der Stammtische - „Keiner weiß, wer das nächste Loch ist“

Die Dorfwirtshäuser sterben, die Stammtische auch. Es ist ein schleichender Tod. Auch vor dem Landkreis Ebersberg machte er keinen Halt.

Landkreis – Denen, die nicht da sitzen, ist er oft suspekt. Diejenigen aber, die sich hier regelmäßig versammeln, bleiben oft gerne unter sich. Wenn in Bayern also jemand gebeten wird, am Stammtisch Platz zu nehmen, darf einer das durchaus als Auszeichnung betrachten. Der Stammtisch selbst aber hat ein Problem. Er droht auszusterben. Einen haben wir besucht. Und der ist bereits stark geschrumpft.

Wirtshaussterben in Bayern: Stammtische stark betroffen

Michael, der Malermeister, ist mit 68 der Jüngste in der Runde. „Ich bin die Jugendabteilung.“ Am Stammtisch sind alle per du, deswegen belassen wir es hier bei den Vornamen. „Früher hat es in einem kleinen Ort wie Elkofen drei Wirtschaften gegeben und alle Wirte konnten davon leben“, sagt ein Austragsbauer am Stammtisch in der Schlossgaststätte. Das nahe Café Waldeck zum Beispiel ist Geschichte und lebt nur noch in einem Buch des längst verstorbenen Grafinger Schriftstellers Eugen Skasa-Weiß über die „Skurrilen Abenteuer des Grafen Erlenbar“ fort. Auch die Bahnhofsrestauration in Elkofen, wo früher die Sommerfrischler aus München aus dem Zug stiegen, ist schon lange zu. Tatsächlich ist dem Stammtischsterben ein Wirtshaussterben vorangegangen. Und jetzt kommen noch die Corona-Auflagen hinzu.

„Ich hätte gerade zwei Gruppen junger Leute, die sich zwei Mal in der Woche regelmäßig am Abend treffen würden“, sagt der Wirt des Schlössls in Unterelkofen, Johannes Krickhahn. „Aber die wollen natürlich nicht um 22 Uhr nach Hause gehen müssen.“ Das merke er am Umsatz und das in ohnehin schwierigen Zeiten wie diesen.

Stammtische in Bayern drohen auszusterben: Viele Gaststätten sind längst Geschichte

Dass es in Grafing früher in der Griesstraße mal einen Grieswirt gab, wissen nur noch die Älteren. An den Grandauer hingegen können sich auch die Jüngeren noch erinnern und nicht wenige Grafinger trauern dieser Traditionswirtschaft am Marktplatz noch immer schwer nach. Als Ausflugsziel auch wegen seiner tollen Aussicht beliebt war früher die Gaststätte in Neuhardsberg bei Frauenneuharting. Alles längst Geschichte.

Das Verschwinden der Dorfwirtschaften hat vor längerer Zeit schon begonnen. Zudem haben sich die Gewohnheiten geändert. Die Jüngeren schätzen den wöchentlichen Treff im Gasthaus oft weniger als die Vereins- und Eventgastronomie. Die übervollen Maibaumstüberl vor der Corona-Pandemie mögen ein Beweis für diese These gelten.

Mit 68 der Jüngste beim Stammtisch: Die sechs Männer vom Stadionstüberl

Jeden Freitagnachmittag um Punkt 15.30 treffen sich momentan sechs Männer im Stadionstüberl in Grafing. Einer ist derzeit krank. Um 18 Uhr gehen alle wieder heim. „Das ist uns heilig“, sagt Michael mit Blick auf die Geduld der Ehefrauen. Die Runde bestand früher aus 16 Leuten. Zwei sind aus privaten Gründen nicht mehr dabei, alle anderen sind gestorben. „Wir nehmen niemand auf“, sagt der Malermeister und „Leiter der Jugendabteilung“. Das heißt: Irgendwann wird rein rechnerisch wohl der letzte Mohikaner alleine da sitzen.

Wirtshaussterben in Bayern: Damit geht auch eine beliebte Tradition

Dieser Stammtisch hat strenge Regeln. Die meisten trinken tatsächlich Wasser oder alkoholfreies Bier, aber zwischendurch auch mal einen Schnaps. Den stellt der Wirt Peter zum Einkaufspreis zur Verfügung. „Da musst du erst mal einen finden“, sagen die Männer anerkennend, die früher alle in leitender Funktion beim örtlichen TSV tätig waren und deshalb das Stüberl nutzen dürfen.

Der Stammtisch im Jahr 2012 (von links): Georg Godenberg (verstorben) , Rudi Wilhelm, Peter Koch, Philipp Schmidt, Albert Rüger, Hans Fitzek (verstorben), Michael Hirschläger. Stehend von links: Georg Greska , Erich Warta (verstorben), Paul Zeller, Eberhard Hansch (verstorben).

Ihr Stammtisch hat im Laufe der Jahrzehnte schon eine wahre Odyssee durch die Grafinger Wirtshäuser hinter sich gebracht. Begonnen hat alles im Jahr 1984 im Eisstüberl der damaligen Wirtin Margot. Die Idee des Stammtisches wurde hier geboren und das Grundkapital waren 1,84 Mark. „Jeder Gast musste damals einen Pfennig spenden, sogar der Pfarrer hat uns was gegeben“, erinnert sich der Malermeister. Und weil an diesem Stammtisch für alles Mögliche in die Vereinskasse einbezahlt werden muss (auch für den Toilettengang), kommen jährlich schöne Summen zusammen, die dann in einen Vereinsausflug mit den Ehefrauen der Stammtischler investiert werden. „Alles inclusive“, sagt Albert. Dafür leisten die Damen schon mal einen Fahrdienst.

Wenn einer stirbt, bleibt sein Platz leer: „Keiner weiß, wer das nächste Loch ist“

Auf dem Tisch liegt ein Brett. Das hat 16 Vertiefungen, für 16 Schnapsgläser. Wenn ein Mitglied stirbt, wird sein Glas entnommen und dann wird der leere Platz mit einem Symbol verschlossen. Beim Hausmeister der Stadthalle zum Beispiel war das das Stadthallenmodell. Ein Landschaftsgärtner bekam Blumen. „Keiner weiß, wer das nächste Loch ist“, sagt Michael. Aber weil es keine Neuaufnahmen gibt, werden die Schnapsgläser immer weniger.

Der vor kurzem verstorbene Erich war der Stammtischkassier und bekam deswegen einen Bleistift und eine Zwei-Euro-Münze in seine Vertiefung. „Das Brett kommt mal ins Heimatmuseum“ ist sich die Runde sicher, um anschließend die Frage zu diskutieren: „Und wer bringt es hin?“

Am Tisch sitzen Michael, Albert, Philipp, Rudi, Peter und Paul. An einem bayerischen Stammtisch ist Platz für alle Berufe, „vom Handwerker bis zum Akademiker“, sagt Philipp. Geredet wird über Gott und die Welt. Und darüber, was es heuer zum Weihnachtsessen geben soll. „Da streiten wir schon mal, ob es vorher eine Suppe geben soll oder nicht“, meint Michael. Um 18 Uhr ist Schluss für heute. Dann geht’s heim. Man will ja schließlich keinen häuslichen Ärger. Und sich am nächsten Freitag wieder treffen können.

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