Germany
This article was added by the user . TheWorldNews is not responsible for the content of the platform.

WM 2022 – Brasilien im Viertelfinale: Tanz oder gar nicht

Brasilianischer Jubel in Doha: Die Brasilianer Raphinha, Vinícius Júnior, Lucas Paquetá und Neymar feiern das zwischenzeitliche 2:0 gegen Südkorea

Brasilianischer Jubel in Doha: Die Brasilianer Raphinha, Vinícius Júnior, Lucas Paquetá und Neymar feiern das zwischenzeitliche 2:0 gegen Südkorea

Foto:

IMAGO/Isaac Ortiz / IMAGO/Agencia MexSport

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Der Zirkus ist in der Stadt: Häufig werden Spiele bei Fußballgroßereignissen für fehlende Qualität oder Attraktivität kritisiert; der Favorit tut sich schwer, der Außenseiter stellt sich hinten rein. Die Brasilianer hingegen zeigten im ersten Durchgang gegen Südkorea, dass auch WM-Fußball schön sein kann. Allen voran der bereits in der Gruppenphase herausragende Richarlison zauberte sich durch das koreanische Ensemble: Das Balancieren des Balls auf der Stirn vor dem zwischenzeitlichen 3:0 erinnerte an das Zocken mit Freundinnen und Freunden an der Copacabana. Nur halt im WM-Achtelfinale.

Das Ergebnis: 4:1 (4:0) gewann Brasilien. Das liegt aber vor allem daran, dass sich Korea in der zweiten Hälfte aufs Verteidigen konzentrierte, Brasilien seine Knöchel schonte und der koreanische Keeper Kim Seung-gyu bezeichnenderweise auch noch einen Sahnetag erwischte. Hier geht's zum Spielbericht.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Sorgen um die Legende: Eines der beherrschenden Themen in Brasilien war in den vergangenen Tagen nicht nur die Knöchelverstauchung Neymars, sondern der Krankenhausaufenthalt des tatsächlich größten brasilianischen Fußballspielers der Geschichte: Pelé. Der 82-Jährige liegt seit mehreren Tagen in einem Krankenhaus in São Paulo, Medienberichten zufolge leidet er an Krebs, die Chemotherapie schlägt demnach nicht mehr an. »Wir sind gemeinsam auf diesem Weg«, schrieb Pelé bei Instagram. Die Fans im Stadion in der zehnten Minute und die brasilianischen Spieler nach der Partie antworteten mit Bannern.

Erste Hälfte: Pelés Spiel stand für die leichte Eleganz – und es war im ersten Durchgang etwas so, als wollten ihn die brasilianischen Spieler in Doha grüßen. Vinícius schlenzte nach einer Hereingabe so unbedrängt wie entspannt in den rechten Winkel (7.). Neymar traf fast aufreizend per Elfmeter (13.). Dann folgte Richarlisons Traumtor, das auf einer Kombination mit den nach einer Ecke vorn gebliebenen Innenverteidigern Marquinhos und Thiago Silva fußte (29.). Wenig später lupfte Vinícius den Ball formschön auf den zweiten Pfosten auf die rechte Innenseite von Paquetá, der per Volley traf (36.). Das Spiel war noch vor der Pause durch. Südkoreas Trainer Paulo Bento blickte so traurig in Richtung der nach Toren am koreanischen Strafraum tanzenden Brasilianer, dass man ihn gerne dazu aufgemuntert hätte, sich den portugiesischsprachigen Kollegen doch bitte anzuschließen. Später sollte er zurücktreten.

Clownsgesicht statt Bolsonaro-Widmung: Eines der Themen vor dem Turnier war die Präsidentschaftswahl in Brasilien. Neymar schlug sich auf die Seite des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, nicht wenige in der Heimat wünschten ihrem Superstar deswegen ein ähnlich tragisches WM-Aus wie 2014. Neymar hatte sogar angekündigt, Bolsonaro sein erstes Tor bei diesem Turnier zu widmen. Am Ende wurde es sein bereits bekannter Grimassenjubel, eine Mischung aus Clownsgesicht und Ich-habe-zu-viele-Marvin-Ducksch-Tore gesehen  .

Tanz mit Tite: Anders als Neymar solidarisierten sich Richarlison und Trainer Tite mit dem linken Neu-Präsidenten Lula. Nach Richarlisons 3:0 feierten die Brasilianer zunächst wieder in ihrem Tanzkreis. Dann rannte Richarlison zur Bank, um mit Tite zu tanzen. Das kam jedoch nicht bei jedem gut an. Der irische Ex-Profi Roy Keane nannte die Tanzeinlage im britischen Fernsehen »respektlos«.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Zweite Hälfte: Und zumindest eine gewisse Überheblichkeit muss man den Brasilianern tatsächlich unterstellen. Nicht, dass sie nicht weiter aufs Tor der Koreaner spielten. Jedoch schien Tite irgendwann den Plan zu verfolgen, auch wirklich jedem der 26 Kaderspieler ein paar WM-Minuten zu geben. Ganz oder gar nicht: In der 80. Minute kam der dritte Torhüter Wéverton. Noch einmal: Im WM-Achtelfinale. Zu dem Zeitpunkt hatte Korea einen Ehrentreffer durch einen abgefälschten Schuss von Paik Seung-ho erzielt und war nicht allzu weit weg von einem weiteren Tor. Es bleibt für die Titelhoffnungen dieser brasilianischen Mannschaft zu hoffen, dass ihnen diese Unbekümmertheit, mit der sie fußballerisch begeistern und auch jubeln, am Ende nicht auf die Füße fällt.

Wie Peter: »JoPerCh« taufte SPIEGEL-Redakteur Christoph Scheuermann die drei schier gleichförmigen Männer im WM-Studio des ZDF, Jochen Breyer, Per Mertesacker und Christoph Kramer, in seiner Mini-Kolumne. Am Montag saßen mit Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein gleich zwei Frauen in der Runde und Müller-Hohenstein schien mit der Kreativität des Kollegen mithalten zu wollen: »Peter, siehst du das auch so?«, fragte sie Mertesacker und fügte hinzu: »Habe ich Peter gesagt?« Für den Lacher sorgte spätestens Kramer, der in Richtung Mertesacker anmerkte: »Du siehst ein bisschen aus wie ein Peter.«