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WM-Aus eigentlich besiegelt: Deutschland kollabiert binnen zehn Minuten

Rechnerisch ist das Erreichen des WM-Viertelfinals für die deutschen Handballer noch möglich. Besonders realistisch sind die Chancen indes nicht. Im so wichtigen Hauptrundenspiel gegen Spanien steigert sich die Mannschaft nach der Pause stark, baut dann aber radikal schnell ab.

Zu viele Fehlwürfe im Schicksalsspiel: Die deutschen Handballer stehen bei der WM in Ägypten kurz vor dem Aus. Das DHB-Team von Bundestrainer Alfred Gislason kassierte beim 28:32 (13:16) im wegweisenden Hauptrunden-Showdown mit Europameister Spanien seine bereits zweite Turnierniederlage und kann den anvisierten Einzug in das Viertelfinale nun nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Auch sieben Tore vom besten deutschen Werfer Timo Kastening reichten in der Neuen Hauptstadt Ägyptens am Donnerstagabend nicht zum Sieg für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), deren Hoffnungen auf das Weiterkommen nach einer zu schwachen Chancenauswertung mit nun 2:4 Punkten auf ein Minimum sanken.

Um noch eine Chance auf die K.o.-Runde zu haben, muss Deutschland die verbleibenden Partien am Samstag (20.30 Uhr/ZDF) gegen Polen sowie am Montag (20.30 Uhr/ARD) gegen Brasilien gewinnen und ist gleichzeitig auf zwei Niederlagen von Ungarn (6:0 Punkte) oder Spanien (5:1) angewiesen. Die beiden Erstplatzierten der Hauptrundengruppe I qualifizieren sich für das Viertelfinale. Schon vor dem Anwurf im "Do-or-Die"-Spiel gegen Spanien setzte Gislason ein Zeichen. Trotz bislang schwacher Turnierleistungen spielte DHB-Kapitän Uwe Gensheimer von Beginn an auf Linksaußen. Im Rückraum vertraute der DHB-Coach auf Paul Drux, der am vorigen Dienstag bei der 28:29-Pleite gegen Ungarn zum Vorrundenabschluss gute Ansätze gezeigt hatte.

Die erfahrenen Spanier empfingen den deutschen Angriff mit einer offensiven 5:1-Deckung, das Gislason-Team brachte nur mit Mühe Tempo ins Spiel. Zwei der ersten vier deutschen Tore resultierten aus Siebenmetern, für die der sichere Gensheimer-Ersatz Marcel Schiller von der Bank reinkam.

"Wir müssen uns besser bewegen", forderte Gislason in der ersten Auszeit, seine Mannschaft lag da erstmals mit zwei Toren zurück - 4:6 (11.). Im Angriff fand Deutschland im Sechs-gegen-Sechs zwar immer wieder Mittel gegen die unorthodoxe Deckung des Favoriten, allein die Chancenverwertung ließ vor allem bei freien Würfen zu wünschen übrig.

Auch Torwart Andreas Wolff, überragender Rückhalt beim Triumph über Spanien im EM-Finale 2016, kam wie schon gegen Ungarn nur schwer ins Spiel. Johannes Bitter ersetzte ihn noch im ersten Abschnitt. Der Rückstand wuchs beim 9:13 (25.) auf zwischenzeitlich vier Tore an.

Während sich das DHB-Team jedes Tor hart erarbeiten musste, kam Spanien immer wieder zu leichten Kontertoren. "Rückzug, Männer. Wir brauchen nicht zum Schiedsrichter gucken", motzte Gensheimer in einer Auszeit.

Generell machte das DHB-Team aber ein ordentliches Spiel, das erkannte auch Teammanager Oliver Roggisch zur Halbzeit am ZDF-Mikrofon: "Eigentlich ist alles ganz okay, wir müssen nur die Chancen besser nutzen."

Das tat das deutsche Team nach der Pause, es blieb vor dem Tor eiskalt und zeigte eine leidenschaftlich und kämpferisch einwandfreie Leistung. Zudem bekam Bitter immer wieder eine Hand an den Ball. Beim 20:19 (38.) durch Kastening ging Deutschland erstmals seit Spielbeginn in Führung. Die DHB-Spitze um Bob Hanning und Andreas Michelmann sprang auf der Tribüne auf. Spanien, zweimaliger WM-Champion, war vor den Augen von IHF-Präsident Hassan Moustafa nun als Verfolger gefragt, ging innerhalb von fünf Minuten durch einen 5:0-Lauf von 22:25 (45.) auf 27:25 (51.) sogar wieder in Führung. Deutschland blieb fast neun Minuten ohne eigenes Tor. Es blieb dennoch hochspannend.

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