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Wohin mit der Oper Düsseldorf?

Seit rund zwei Jahren wird in Düsseldorf diskutiert, wie man die in die Jahre gekommene Deutsche Oper am Rhein erweitern müsste, um den Ansprüchen an moderne Aufführungspraktiken und einem offeneren Kulturverständnis gerecht zu werden. Immer lauter wurden die Stimmen, die sich für einen Neubau aussprachen. So laut, dass sich auch die Stadtspitze eine Meinung dazu bilden musste. Denn dass das charmante Gebäude aus den 50er-Jahren an seine Grenzen gekommen ist, war allen Beteiligten klar. Eine Erweiterung des Gebäudes in Richtung Hofgarten, der auch noch denkmalgeschützt ist, ist kaum möglich, auch zur Heinrich-Heine-Allee gibt es keinen Spielraum.

Nun empfiehlt auch die Stadtverwaltung einen Neubau. In ihrer Vorlage für den Stadtrat spricht sie sich gegen eine Sanierung des bisherigen Gebäudes aus. Am 16. Dezember sollen die Mitglieder des Rates entscheiden. Darin werden die Kosten für einen Neubau auf mindestens 716 Millionen Euro geschätzt. Stand 2021. Dass sie in die Höhe schnellen werden, versteht sich mittlerweile beinahe von selbst.

Wenn der Rat der Entscheidung der Verwaltung zustimmen sollte, bliebe noch die Frage nach dem Standort. Das soll zwar erst 2022 entschieden werden, doch schon jetzt gibt es eine Fülle von Vorschlägen. Um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können, sollten folgende Fragen beantwortet werden: Soll die Architektur sich nur an den Funktionen eines Opernbetriebs orientieren? Soll das Gebäude auch Bürgerbüros, Bibliotheken oder gar Freizeitorte wie Cafés oder Restaurants beherbergen. Und, bitte nicht vergessen: Will Düsseldorf ein architektonisches Wahrzeichen bauen wie die Hamburger Elbphilharmonie oder nur eine funktionstüchtige Hülle?

Von der Verwaltung wurden Standortprüfungen durchgeführt. Rund 30 Orte habe man „identifiziert“, an denen eine Oper gebaut werden könnte. Hierbei wurden Kriterien wie Flächenbedarf, Erreichbarkeit, Grundstücksgröße und Verfügbarkeit untersucht. Parallel zur Analyse der Verwaltung gab es einen Aufruf zur Bürgerbeteiligung. 190 Vorschläge wurden eingereicht. Die Quintessenz, die Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) aus alldem zieht: „Ein Neubau ist die sinnvollste Lösung, denn er bietet die Möglichkeit, in Düsseldorf ein modernes Opernhaus mit großer Strahlkraft zu errichten.“ Die neue Oper solle sich der Stadt weiter öffnen und zu einem Anlaufpunkt werden.

Die Verwaltung hat bereits zwei A-Standorte für einen möglichen Neubau herausgefiltert: das städtische Grundstück an der Heinrich-Heine-Allee sowie den Standort Am Wehrhahn. An der Heinrich-Heine-Allee steht die heutige Oper. Hier könnte man in die Höhe zu bauen, um den angrenzenden Hofgarten nicht verkleinern zu müssen. Beim Standort Am Wehrhahn handelt es sich um den ehemaligen Kaufhof, ein innerstädtisches Grundstück mit einem historischen Gebäude, das sich allerdings nicht im Besitz der Stadt befindet. Mit dem Prädikat A-minus gehen der Rheinpark neben der Rheinterrasse und die Kesselstraße am Hafen ins Rennen.

Wenn die Fragen um Neubau und Standort geklärt sein werden, wird es erst richtig spannend. Wer baut? Auch da bringen sich schon jetzt Architekten ins Spiel. Doch die Stadt Düsseldorf wird hoffentlich so klug sein, einen internationalen Wettbewerb auszuloben und eine kritische Jury einladen, diesen zu begleiten. Denn es geht um den Ruf der Stadt als Architekturmetropole. Mit dem Dreischeiben-Hochhaus in der Innenstadt, dem Kö-Bogen und den Gehry-Häusern im Hafen kann Düsseldorf auftrumpfen. Diese Liste zu verlängern, sollte ein vorrangiges Ziel der Düsseldorfer sein.