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Zu heiß und viel zu trocken: Rekord-September zeigt "Klimawandel live"

Ein Graureiher sitzt auf einem Ast, während hinter ihm die Sonne auf geht.

Ein Graureiher sitzt auf einem Ast, während hinter ihm die Sonne auf geht.

(Foto: Thomas Warnack/dpa)

Das sommerliche Wetter im September mag für viele eine angenehme Überraschung gewesen sein. Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen jedoch, wie unnatürlich diese Verhältnisse sind. Denn der Monat war auch "erheblich zu trocken".

Der September 2023 war in Deutschland laut vorläufiger Bilanz des Deutschen Wetterdienstes der wärmste seit Messbeginn 1881. Der DWD vermeldet "einen bisher in den Annalen der Wetteraufzeichnungen unerreichten Wert": Das Temperaturmittel betrug 17,2 Grad. Das waren 3,9 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zur aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 betrug die Abweichung 3,4 Grad. Damit wurden die bisherigen Rekorde aus den Septembermonaten 2006 und 2016 mit jeweils 16,9 Grad deutlich übertroffen.

KlimaAnomalien im Jahresverlauf

Den vorläufigen Berechnungen zufolge war der diesjährige September zudem der zweitsonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen. Mit rund 246 Sonnenstunden übertraf der Monatswert sein Soll von 150 Stunden (Periode 1961 bis 1990) um fast 65 Prozent. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 (157 Stunden) betrug das Plus etwa 57 Prozent. Nur 1959 war es im gleichen Monat noch sonniger als in diesem Jahr.

Experte: Wir befinden uns mitten im Klimawandel

Ausschlaggebend für den Rekord waren viele Sommertage mit mehr als 25 Grad. Am Nordrand der Mittelgebirge, wie in Barsinghausen-Hohenbostel südwestlich von Hannover und in Huy-Pabstorf westlich von Magdeburg, wurde erstmals an sieben Tagen die 30-Grad-Marke gerissen. In Waghäusel-Kirrlach am Oberrheingraben wurde es am 12. September mit 33,3 Grad auch am heißesten.

"Die außergewöhnlichen Temperaturen im diesjährigen Rekord-September in Deutschland sind ein weiterer Beleg dafür, dass wir uns mitten im Klimawandel befinden", sagte Tobias Fuchs, Leiter des Geschäftsbereichs Klima und Umwelt beim DWD.

Zugleich war es "erheblich zu trocken", wie der DWD nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen meldete. Mit rund 32 Litern pro Quadratmeter fiel nur etwas mehr als die Hälfte des Niederschlags der Referenzperiode 1961 bis 1990. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 erreichte die Menge ebenfalls nur knapp die Hälfte des Solls.

Die Durchschnittswerte täuschen allerdings darüber hinweg, dass der Niederschlag häufig konzentriert auftritt, sowohl zeitlich als auch regional. So kam es im September durchaus zu lokal begrenzten, heftigen Unwettern mit Starkregen. In anderen Regionen blieb es indes fast durchweg trocken. Die stärksten Niederschläge wurden im Westen und entlang der Alpen beobachtet. Beckum-Vellern im südöstlichen Münsterland meldete am 12. September mit 102,6 Litern pro Quadratmeter den höchsten Tagesniederschlag.

Trockenheit kehrt zurück

Der Niederschlagsmangel in einigen Regionen Deutschlands macht sich unter anderem auch im Dürremonitor des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ) bemerkbar. Dort zeigt sich als Erstes in den oberen Bodenschichten, also dem pflanzenverfügbaren Wasser, wo es zuletzt wenig geregnet hat und der Trockenstress zunimmt. Dabei hatte es noch im Juli und August in ganz Deutschland vergleichsweise viel geregnet. Dieser Überschuss an Feuchtigkeit hat sich unter den Septemberbedingungen offenbar vielerorts bereits verflüchtigt.

In der Gesamtbilanz reiht sich der Sommer 2023 laut DWD ein in die Serie zu warmer Sommer in Deutschland. Mit einer Durchschnittstemperatur von 18,6 Grad lag er nach vorläufigen Ergebnissen um 2,3 Grad über dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Das jedenfalls war der Stand nach der Auswertung der rund 2000 Messstationen für die Monate Juni bis August. Eine endgültige Bilanz will der DWD im Oktober vorlegen.

Die Tendenz ist aber schon jetzt klar: "Seit nun 27 Jahren werden in Deutschland zu warme Sommer gemessen", sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche anlässlich der vorläufigen Sommerbilanz am 30. August. "Wieder können wir den Klimawandel live erleben."