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Zwei Israelis in Ramallah angegriffen

Zwei Israelis, die in ihrem Auto mitten in die Stadt Ramallah gefahren waren, sind von der palästinensischen Polizei in Sicherheit gebracht worden, nachdem eine Gruppe von Palästinensern sie angegriffen hatte. Das Auto der beiden ultraorthodoxen Juden wurde in Brand gesteckt. Sie selbst blieben unverletzt, die Polizei übergab sie israelischen Sicherheitskräften. 

Christian Meier

Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

Der israelischen Armee zufolge haben die beiden Zivilisten angegeben, sie seien am Mittwochabend auf dem Weg in die Siedlung Hashmonaim gewesen und versehentlich nach Ramallah geraten. Die palästinensische Stadt liegt im sogenannten A-Gebiet des Westjordanlands. Israelis ist der Zutritt zu diesen von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) verwalteten Gebieten durch Schilder am Straßenrand untersagt. 

Laut israelischen Medienberichten gelangten die Beiden bis zum Manara-Platz im Zentrum Ramallahs. Dort wurden sie von Palästinensern gestoppt. Es sei „nicht schwer gewesen, zu sehen, dass sie Juden sind", zitierte die Zeitung „Haaretz" einen Zeugen. Das Auto habe herausgestochen: „Es sah aus wie eines von denen, die religiösen Leuten gehören, die mit Lautsprechern herumfahren und religiöse Musik spielen." In Medienberichten hieß es, bei den zwei Personen habe es sich um Breslauer Juden gehandelt, eine spiritualistisch orientierte Strömung des ultraorthodoxen Judentums. 

Lage im Westjordanland ist angespannt

Mehrere Dutzend Personen umringten den Berichten zufolge das Auto und begannen, es zu verwüsten. Die Polizei griff allerdings schnell ein und holte die zwei Insassen aus dem Auto. Das leere Fahrzeug wurde daraufhin verwüstet und angezündet. Auf im Internet veröffentlichten Videos war das brennende Auto zu sehen. Die beiden Juden wurden von der PA-Polizei zu einem Checkpoint am Rande Ramallahs gebracht. Dort übernahm die israelische Armee sie. Die Beiden waren Armeeangaben zufolge unverletzt, sie wurden zur Befragung durch die israelische Polizei gebracht.   

Im Westjordanland ist die Lage seit längerer Zeit angespannt. Gewaltsame Übergriffe jüdischer Siedler auf Palästinenser haben in diesem Jahr stark zugenommen, bis zum Herbst waren es Hunderte. Medienberichten zufolge stieg ihre Zahl im Vergleich mit dem Jahr 2019 um das Eineinhalbfache an. Vor zwei Wochen rief der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz ein Krisentreffen ein, um zu beraten, wie man der Entwicklung begegnen könne, die vor allem von radikalen jüngeren Siedlern ausgeht. Auch israelische Soldaten und Polizisten werden gelegentlich von ihnen angegriffen, zugleich werfen Menschenrechtsorganisationen den israelischen Sicherheitskräften vor, die Siedlergewalt gegen Palästinenser regelmäßig zu decken oder sogar zu unterstützen. Siedlervertreter beklagen wiederum eine Zunahme von Vorfällen, bei denen sie von Palästinensern mit Steinen beworfen werden. 

Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für den Nahost-Friedensprozess, Tor Wennesland, warnte am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat vor "einer weiteren tödlichen Eskalation der Gewalt" in Israel und Palästina, sollte die Lage vor Ort nicht beruhigt werden können. Neben der Gewalt nannte er unter anderem den Siedlungsbau im Westjordanland und in Ostjerusalem, der von Israel fortgeführt wird.