Liechtenstein

Elternzeit für Mann und Frau einführen

Maria Zivcec und Nahid-Nora Elhami sind im Vorstand von BPW Rheintal, einem Club für Karrierefrauen. Sie sprechen über den grossen Nachholbedarf bei der beruflichen Gleichberechtigung in der Region, zum Beispiel bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Was ist Ihre Motivation, sich bei BPW Rheintal im Vorstand zu engagieren?
Zivcec: Wir waren bei einem Workshop dabei, den unsere Vizepräsidentin mit allen Clubmitgliedern organisierte. Ziel war es, herauszufinden, was sich die Mitglieder wünschen und was verbesserungswürdig ist. Auf diese Weise konnten wir eine neue Strategie und Ideen entwickeln, die wir beide auch aktiv selbst mitgestalten wollten. Wir sind angetreten, um mehr Interaktion zu ermöglichen, den Club bekannter zu machen und zu verjüngen.

Möchten Sie Ihren Mitgliedern auch verstärkt Werkzeuge in die Hand geben, um für den Alltag gewappnet zu sein?


Elhami: Ja, auf jeden Fall. Wir haben neulich einen Event organisiert mit einer Referentin zum Thema «Verhandeln mit Gefühl». Sie konnte den Frauen sehr praxisnahe Tipps geben, wenn es um verschiedene Verhandlungen mit Geschäftspartnern, Lieferanten oder auch Lohnverhandlungen geht. Unsere Events sollen informativ sein, die Teilnehmerinnen sollen sich auch weiterentwickeln.

Beim Thema Lohnverhandlungen vertreten einige die Ansicht, dass Frauen selbst schuld sind, wenn sie weniger verdienen. Sind solche Statements in Ihren Augen gemeine Seitenhiebe oder wie gehen Sie damit um?


Zivcec: Ich denke, bei diesem Thema gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Allgemein lässt sich sagen, dass zu wenig über das Thema Lohn gesprochen wird. Jeder versteckt, wie viel er eigentlich verdient – aus welchen Gründen auch immer. Dadurch fehlt die Transparenz. Solche Behauptungen lassen sich daher auch leichter lostreten. Die Lohnungleichheit ist eine Tatsache, gestützt von Statistiken und Umfragen. BPW setzt sich daher auch mit einem Equal-Pay-Day für Lohngleichheit ein, der momentan auf den 22. Februar in der Schweiz und auf den 25. Februar in Liechtenstein fällt. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen gratis.

Elhami: Wenn Frauen weniger verdienen, weil sie angeblich schlechter verhandelt haben, dann frage ich mich: Warum darf es darauf ankommen? Wenn Frauen und Männer die geforderte Qualifikation mitbringen, dann sollte es nicht davon abhängen, wer das Gegenüber besser austricksen kann (lacht). Deswegen ist die Lohntransparenz, die BPW fordert, umso wichtiger. Wenn die Löhne transparent und bekannt sind, würden nicht nur Frauen, sondern auch Männer davon profitieren. Denn auch sie werden benachteiligt. Wir setzen uns für die Gleichstellung von Frau und Mann ein.

Ist Lohntransparenz etwas, das sich in Liechtenstein und der Region umsetzen liesse oder würden sich die Unternehmen dagegen sperren?


Elhami: Es gibt bereits jetzt Unternehmen im Land, bei denen es Lohnbänder gibt. Es kommt dann ganz klar auf das Jobprofil, das Aufgabengebiet und die Berufserfahrung einer Person an. Solche Lohnbänder reichen bereits aus, damit es zu keinen grossen Lohndifferenzen kommt.

Zivcec: Einige Firmen veröffentlichen ihre Statistiken auch und arbeiten daran, dass sich die Lohnschere schliesst. Ich würde behaupten, das ist nicht in jedem Unternehmen in Liechtenstein der Fall. Es muss noch sehr viel getan werden, doch einige Firmen haben damit angefangen und fungieren als gutes Vorbild.

Gab es in Ihrer Karriere einen Punkt, bei dem Sie weniger verdient haben als Männer für die gleiche Arbeit und wie sind Sie damit umgegangen?


Zivcec: Bei uns ist das bisher noch nicht vorgekommen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es sich bei unseren Ingenieursberufen anders verhält und diese seltener betroffen sind.

Warum setzt sich BPW für Lohntransparenz anstatt einer Quote ein?


Zivcec: Wir erachten es als schwierig, mit einer Quote über alle Branchen, Abteilungen und Führungspositionen hinweg zu generalisieren. Es wäre aber zum Beispiel in der Politik eine Art Hebel, damit Frauen erst in bestimmte Positionen kommen und mitreden können.

Elhami: Ich glaube nicht, dass es eine einzige Lösung gibt – sprich, dass die Quote alle Probleme lösen würde. Es gibt die Behauptung, dass Frauen sich nicht trauen, sich auf diese Stellen zu bewerben, hier muss es einen Mindset Change auch bei den Frauen geben. Ich bin überzeugt, dass man an verschiedenen Fronten kämpfen muss, um die Gleichstellung zu erreichen. Wir sprechen uns aber nicht per se gegen eine Quote aus. In der Politik würde es Sinn ergeben oder auch in den Verwaltungsräten, weil es dort einfach so eine deutliche Differenz gibt und fast keine Frauen in diesen Positionen zu finden sind.

Es braucht Ihrer Meinung nach also mehrere Hebel, um etwas zu verändern. BPW spricht sich für Elternzeit aus. Ist Liechtenstein punkto Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein gutes Pflaster für Frauen?


Zivcec: Ich glaube, Liechtenstein und die Schweiz müssen aktiv werden und Elternzeit einführen – für Mann und Frau. Manchmal lohnt es sich gar nicht, dass die Frau wieder arbeitet, weil sie für den Kindergarten oder die Tagesstätte genauso viel Geld ausgibt, wie sie selbst verdient. Es ist zudem oft schwierig, eine Teilzeitstelle zu bekommen. In vielen Ländern wie Deutschland ist es schon lange der Fall, dass man in bezahlte Elternzeit gehen kann. Ein ähnliches System wünsche ich mir für Liechtenstein.

Elhami: Ich höre oft auch, dass sich viele Eltern wünschen, das erste Jahr nach der Geburt des Kindes zuhause bleiben zu können. Die Möglichkeit sehe ich in Liechtenstein und der Schweiz nicht. Eltern werden mehr oder weniger dazu gezwungen, frühzeitig in den Job zurückzukehren, wenn sie diesen behalten möchten. Eine Firma kann zwar Teilzeitstellen, eine Kita oder flexible Arbeitszeiten bieten, sie kann aber kein Jahr Elternzeit ausgleichen. Daher braucht es eine Gesetzgebung und auch Frauen in der Politik, die diese Meinung stärker vertreten, als es momentan der Fall ist.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war auch beim Frauenstreik vor einigen Wochen ein Thema. Das Liechtensteiner Streikkomitee warf der Politik vor, dass es bei der Gleichstellung zum Stillstand gekommen ist. Sehen Sie das ebenfalls so?


Elhami: Wir halten uns persönlich zurück, weil dies die Frauen in Liechtenstein besser beurteilen können.
Allerdings wurde in Gesprächen klar, dass viele Frauen dies in Liechtenstein so empfinden.

Zivcec: Es wäre daher wichtig, dass mehr Frauen den Weg in die Politik gehen. Im Landtag sind nur drei Frauen vertreten und daher kann sich kein ausgewogenes Bild ergeben, weil das Land nicht zu über 70 Prozent aus Männern besteht. Das wäre auch mein Appell an die Politik in Liechtenstein, im Landtag vielleicht einen Richtwert einzuführen, auch wenn das Land hier auf einem guten Weg ist – zumindest auf der Gemeindeebene, wie die letzten Wahlen gezeigt haben. Wir haben vor zwei Wochen einen Event organisiert, bei dem Helen Marxer über die Einführung des Frauenwahlrechtes vor 35 Jahren sprach und aufzeigte, wie beschwerlich dies war und viele Anläufe nötig waren. Bei den jungen Leuten fehlt dafür heute auch die Geduld und deswegen müssten sich die politischen Geschwindigkeiten an die Schnelllebigkeit unserer Zeit anpassen.

Ist es auch ein Generationsproblem, das sich in den nächsten Jahren schon in Luft auflösen wird? Immerhin geht die Generation der Babyboomer in Rente und Generation Y übernimmt.


Elhami: Das ist auf jeden Fall eine Generationenfrage. Inzwischen müssen das aber auch Firmen erkennen, dass neue Generationen neue Anforderungen haben und diese gar kein Interesse haben an einem Betrieb, der diese nicht erfüllen kann.  

Zivcec: Die kulturellen Zwänge sind bei der jüngeren Generation inzwischen auch verschwunden.

Was würden Sie Frauen raten, die in ihrer Firma Diskriminierung ausgesetzt sind und zum Beispiel bei Beförderungen übergangen werden?


Zivcec: Ich denke, es ist wichtig, seine Meinung offen zu vertreten. Das Thema kann auch in der Kaffeepause im Unternehmen angesprochen werden, um das Bewusstsein dafür zu schärfen. Viele Frauen trauen sich auch gar nicht, über Missstände zu reden oder über Dinge, die sie im Unternehmen stören. Wenn man nicht über sich persönlich sprechen möchte, dann über Beispiele in den Medien oder über generelle Fragen wie die Quote. Auch das fördert das Bewusstsein in der Firma und setzt eine Diskussion in Gang.

Elhami: Ich glaube, ab einem bestimmten Punkt dürfen sich Frauen auch nicht alles gefallen lassen, sondern sie müssen stärker für ihre Interessen einstehen und auch die Konsequenzen ziehen, indem sie das Thema ansprechen, es einfordern und notfalls auch das Unternehmen verlassen. Das ist natürlich immer leichter gesagt als getan.

Gehen Ihnen manche Vorstösse von Frauenrechtlerinnen auch zu weit und sind Ihnen diese zu radikal? Wie zum Beispiel der Frauenstreik, bei dem BPW nicht offiziell mitgemacht hat?


Zivcec: Wir sind ein Club von und für Berufsfrauen. Aus diesem Grund wollten wir nicht die Arbeitgeber bestreiken, auch wenn wir die Themen und Forderungen grundsätzlich unterstützen. Der «Streik» vom 14. Juni war nicht zu radikal, als Aktionstag war er ganz in unserem Sinne. (dal)

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