Liechtenstein
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Erstes Kolloquia-Symposium in Triesen

vorn v.l.n.r: Prof. Dr. Andreas Diekmann, Dr. Anna Roßmann, Jan Tobias Fuhrmann, Prof. Dr. Rainer Hegselmann, Prof. Dr. Volker Gadenne hinten v.l.n.r.: Axel Dockhorn, Prof. Dr. Jens Eisfeld, Till Neuhaus, Prof. Dr. Max Albert, Dr. Peter Monnerjahn. (Foto: UFL)

Am 25. und 26. November 2022 fand an der UFL die 1. KOLLOQUIA Triesen zum Generalthema «Rationalität im 21. Jahrhundert» unter der Leitung von Prof. Dr. Jens Eisfeld (Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät und Leiter des Instituts für Liechtensteinisches Recht und Rechtstheorie) statt. Die Vorträge wurden von namhaften Professoren und Vertreter:innen des wissenschaftlichen Nachwuchses gehalten. Im Anschluss an die Vorträge folgte jeweils eine lebhafte Diskussion, an der sich auch das über Zoom zugeschaltete Publikum beteiligte. Die Tagungsteilnehmer kamen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein.

Am vergangenen Freitag begrüsste der Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät und Leiter des Instituts für Liechtensteinisches Recht und Rechtstheorie, Prof. Dr. Jens Eisfeld, die angereisten und virtuell zugeschalteten Teilnehmer:innen in den Hörsälen der Privaten Universität im Fürstentum Liechtenstein (UFL). In seiner Eröffnungsrede stellte Prof. Eisfeld die Entstehung der KOLLOQUIA Triesen und ihr wissenschaftliches Profil vor. Die jährlich stattfindende Tagung versteht sich als interdisziplinäres Diskussionsforum für wissenschaftstheoretische Fragen in den Sozialwissenschaften, also insbesondere in der Rechtswissenschaft, der Ökonomie, der Politologie, der Soziologie, der Geschichtswissenschaft, der Erziehungswissenschaft und der Philosophie bzw. der allgemeinen Wissenschaftstheorie.

Der unterschätzte Einfluss der Wissenschaftstheorie auf die Sozialwissenschaften
Die zentrale Bedeutung der Wissenschaftstheorie folgt daraus, dass sie das methodologische Fundament der Sozialwissenschaften bildet und sich daher massiv auf deren Ergebnisse auswirkt. Auf wissenschaftstheoretischer Ebene werden die Begründungsmuster und Argumentationsstrategien festgelegt, mit denen eine sozialwissenschaftliche Disziplin ihre Erkenntnisse erzielt. Gerade in unserer heutigen Gegenwart droht aber das Bewusstsein um den Einfluss wissenschaftstheoretischer Überzeugungen auf die Erkenntnisstiftung in den Sozialwissenschaften mehr und mehr verloren zu gehen. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt in einer verbreiteten Theoriefeindlichkeit, die, häufig zugunsten einer vorschnellen Fixierung auf immer mehr «Praxisrelevanz», alles Theoretische oder gar Philosophische pauschal als beliebig und damit als entbehrlich hinstellt. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die Abhängigkeit sozialwissenschaftlicher Methoden – und der mit diesen Methoden erzielten Ergebnisse – von bestimmten wissenschaftstheoretischen Grundhaltungen aus dem Blick gerät. Was dabei auch aus dem Blick geraten kann, sind alternative Lösungen, die möglicherweise zu besseren, also besser begründeten Ergebnissen führen.

Hochkarätig besetzte Auftaktveranstaltung in hybrider Durchführung
Die Überzeugung von der wissenschaftlichen Notwendigkeit der KOLLOQUIA Triesen wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der diesjährigen Auftaktveranstaltung ganz offensichtlich geteilt. Unter der Überschrift «Rationalität im 21. Jahrhundert» lieferte ein Kreis hochkarätiger Vortragender eine Bestandsaufnahme zu aktuellen Rationalitätskonzeptionen, also zu in den Sozialwissenschaften vertretenen Theorien wissenschaftlichen Begründens. Die ersten fünf Vorträge wurden von Professoren gehalten, die letzten drei von Vertreter:innen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Im Anschluss folgte jedes Mal eine lange und lebhafte Diskussion, an der sich auch das über Zoom zugeschaltete Publikum beteiligte. Die Tagungsteilnehmerinnen und Tagungsteilnehmer kamen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Zielgruppe der Tagungsreihe sind Vertreter sämtlicher sozialwissenschaftlicher Disziplinen; das Programm war daher interdisziplinär gestaltet. Zwei Vorträge wurden von Philosophen gehalten (Prof. Dr. Volker Gadenne von der Universität Linz und Prof. Dr. Rainer Hegselmann von der Frankfurt School of Finance & Management und der Universität Bayreuth), drei von Erziehungswissenschaftler:innen (Prof. Dr. Roland Reichenbach von der Universität Zürich, Dr. Anna Roßmann von der Universität Stuttgart und Till Neuhaus von der Universität Bielefeld), zwei von Soziologen (Prof. Dr. Andreas Diekmann von den Universitäten Zürich und Leipzig sowie Jan Tobias Fuhrmann von der Universität Oldenburg) und ein Vortrag von einem Volkswirt (Prof. Dr. Max Albert von der Universität Gießen).

Die KOLLOQUIA Triesen
Bei der «KOLLOQUIA Triesen» handelt es sich um eine öffentliche, interdisziplinäre Tagungsreihe zur Wissenschaftstheorie in den Sozialwissenschaften, die von 2022 an jährlich Ende November stattfindet. Angesprochen sind Vertreter:innen sämtlicher sozialwissenschaftlicher Disziplinen, insbesondere der Rechtswissenschaft, der Ökonomie, der Politologie, der Soziologie, der Geschichtswissenschaft, der Erziehungswissenschaft und der Philosophie bzw. der allgemeinen Wissenschaftstheorie. Die Tagungsreihe soll dazu dienen, sowohl etablierten Expert:innen als auch jungen Wissenschaftler:innen die Möglichkeit zu bieten, ihre Arbeit und Ideen vorzustellen und mit einem Fachpublikum zu diskutieren.
Der Termin 2023 wird noch bekanntgegeben, aber das Generalthema steht bereits fest: «Werte und Werturteile in den Sozialwissenschaften».