Liechtenstein

Foto Kaufmann bald Geschichte

Hans-Jörg Kaufmann hat mit seinem Fotofachgeschäft in 27 Jahren einige Kapitel geschrieben. Nun steht das letzte an: Der Abriss des Ladens.

Hans-Jörg Kaufmann öffnet die oberste Schublade des Korpus in seinem Büro, etwas abgetrennt von der Verkaufsfläche. Zuoberst liegt ein Buch mit blauem Einband, wonach er gezielt greift. Er blättert durch die Seiten und liest dabei laut vor: «guter Tag, viele Kunden», «Geschäft läuft super», «Baustelle vor Geschäft nervt», «Kundenstamm abgenommen», «kaum mehr Kunden», «nicht mehr rentabel». Hans-Jörg Kaufmann liest aus seinem Geschäftstagebuch vor, das er seit der ersten Stunde von Foto Kaufmann 1992 führt. Es hört sich nach Stichworten einer Erfolgsgeschichte an, die allerdings ein bitteres Ende findet. Denn in spätestens einem Jahr wird Foto Kaufmann der Geschichte angehören. Nicht einmal das Verkaufslokal wird an das Fotogeschäft erinnern – das ganze Landesbank-Gebäude, in welchem Foto Kaufmann eingemietet war, soll in Bälde dem Erdboden gleichgemacht werden.

Aus der Zeitung von Abbruch erfahren

Die Vorstellung, wie sein Geschäft abgerissen wird, betrübt Hans-Jörg Kaufmann. Enttäuscht hat ihn zudem, wie er von dem Abbruch erfahren hat: Aus der Zeitung. «Ich habe mich im Juni mit dem Vermieter zu einem Gespräch getroffen, weil ich es in Erwägung zog, auf Ende Jahr zu kündigen, weil das Geschäft einfach nicht mehr rentabel ist.» Über die aktuellen Pläne wurde zwar gesprochen, aber terminmässig lag alles noch in weiter Ferne, wie Kaufmann sagt. Umso erstaunter sei er nur eine Woche später über den Zeitungsartikel gewesen. «Im Gegensatz zu anderen Mietern wurde ich von der Bauherrin, der Confida, auch nicht schriftlich über diesen Entscheid informiert. «Das hat mich schon ein bisschen getroffen», sagt Hans-Jörg Kaufmann. «Aber nun ist es wie es ist und es bleibt mir nichts anderes übrig, als nach vorne zu blicken.» Wenn auch die Zukunft zunächst noch ungewiss ist, denn Hans-Jörg Kaufmann weiss nicht, wann mit den Abbrucharbeiten begonnen werden soll. «Ziel ist es auf alle Fälle, das Geschäft bis zuletzt weiterzuführen.»

«Ich habe auch goldene Zeiten erlebt»

Das Ende von Foto Kaufmann aber ist sicher. «Der Fotohandel rentiert sich im digitalen Zeitalter nicht, die Einnahmen decken die Ausgaben nicht mehr», sagt Hans-Jörg Kaufmann. Zwar habe er bereits 2002 das Sortiment dem Wandel angepasst und in ein digitales Farblabor investiert. «Allerdings blieben die Kunden aus, die mit einer Speicherkarte in den Laden kommen und die Bilder wie ab Film entwickeln lassen.» Zusätzlich nahm die Anzahl der Kunden, die überhaupt noch mit Film fotografierten, massiv ab – Hans-Jörg Kaufmann verlor somit eines seiner Kerngeschäfte. Aktuell seien es noch zehn bis zwanzig Filme, die er pro Monat entwickle, sagt der Ladenbesitzer. Oftmals seien Junge vom Fotoapparat ihres Grossvaters so fasziniert, dass sie das Analoge gerne wiederentdecken. «Ähnlich wie das Vinyl-Schallplatten-Revival», sagt Hans-Jörg Kaufmann. Er schnappt sich erneut sein blaues Geschäftstagebuch und lässt sich von den ersten Seiten ein Lächeln ins Gesicht zaubern. «Als ich 1992 an der Landstrasse 8, gegenüber vom heutigen Denner und neben dem einstigen Elrowa-Geschäft, den Foto Kaufmann eröffnet habe, legte ich einen gigantischen Start hin», erinnert er sich gerne. Anfangs habe ihm seine Schwester sporadisch ausgeholfen, ein halbes Jahr später stellte er bereits die erste Mitarbeiterin ein. «Ich habe durchaus auch goldene Zeiten erlebt, das Geschäft lief hervorragend.» 1997 zügelte er seinen Laden an die Landstrasse, wo es auch heute noch ist. Aufgrund der neuen Strassenführung wechselte allerdings der Strassenname wieder auf Poststrasse. Für Hans-Jörg Kaufmann blieb dies nicht ohne Konsequenz: «Ich musste alle Lieferanten informieren, dass das Geschäft zwar nicht umgezogen ist, aber dennoch eine neue Anschrift hat.» Verwirrungen blieben nicht aus. Apropos Umzug: Dies wäre für Hans-Jörg Kaufmann nicht noch einmal infrage gekommen. «Die Mietkosten sind viel zu hoch.»

Das letzte Kapitel steht an

Einst bediente Hans-Jörg Kaufmann bis zu 10 000 Kundinnen und Kunden – heute sind es noch rund 4000. Nicht nur die Umstellung auf digitale Geräte hätten für Einbussen gesorgt, sondern auch Online-Shops, über die seine Kunden die Apparate allmählich bezogen. «Ein Klick im Internet ist eben schneller geschehen als ein persönlicher Ladenbesuch.» Und dann sei 2010 noch die grosse Umfahrungsstrasse gekommen, die ihm vor dem Laden eine Baustelle bescherte. «Zudem schloss im Jahr 2013 die Landesbank-Filiale, wodurch auch noch diese Kundschaft ausblieb.»

Hans-Jörg Kaufmann ist sich bewusst, dass er in den nächsten Wochen und Monaten das letzte Kapital seines Geschäftes schreibt. Wann genau die Tür seines Ladens zugeht, ist noch ungewiss. «Aber ich weiss, dass auch wieder eine Tür aufgehen wird», bleibt er optimistisch, während er sein blaues Geschäftstagebuch wieder in die oberste Schublade zurücklegt und diese schliesst. (bfs)

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