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Der neue Alltag in der Klimakatastrophe

Leitartikel

Auch in diesem Sommer kam es in Südeuropa zu zahlreichen Waldbränden.

Auch in diesem Sommer kam es in Südeuropa zu zahlreichen Waldbränden. Foto: Christoph Reichwein/dpa

„Blue Skies" heißt der neue Roman des amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle. Darin folgt der Leser einer Familie in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Folgen des Klimawandels das Leben bestimmen: In Florida hört es nicht mehr auf zu regnen, Hurrikan-Saison ist eigentlich immer, die Kinder müssen aufgrund von Überschwemmungen beinahe täglich mit dem Boot zu Schule gebracht werden. In Kalifornien regnet es hingegen gar nicht mehr, Waldbrände sind alltäglich geworden und so etwas Banales wie Schnittblumen sind aufgrund der fortwährenden Trockenheit ein Luxusgut.

Boyle ist ein Meister der satirischen Zuspitzung, aber schaut man sich die Nachrichten der letzten Monate an, beschleicht einen das Gefühl, dass unsere Welt sich tatsächlich in diese Richtung bewegt. Fast jeder dürfte einen Bekannten haben, dessen Urlaubserlebnis in diesem Sommer von einem Waldbrand wie in Griechenland, Frankreich oder Spanien oder von Überschwemmungen wie in Italien oder Kroatien getrübt wurde. Von dem katastrophalen Unwetter in Libyen gar nicht zu reden.

Unversicherbar

In den USA sorgten vergangene Woche Berichte für Aufsehen, dass Millionen Gebäudeversicherungen mit Verweis auf die Risiken des Klimawandels zum Teil massiv angehoben wurden. Von einigen Landesteilen wird befürchtet, dass sie in Zukunft unversicherbar seien.  

Dabei hat sich die Erde bislang erst um 1,1 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmt. Vor zwei Jahren veröffentlichten Forscher im angesehenen Wissenschaftsmagazin PNAS eine Studie, in der sie modellieren, wie eine zukünftige Welt im „Worst Case“-Szenario aussehen könnte. Die Ergebnisse sind erschreckend: Herrschen derzeit in 0,8 Prozent der Erdoberfläche klimatische Bedingungen wie an den heißesten Orten der Sahara mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 29 Grad, könnte sich dieser Anteil bis 2070 auf 19 Prozent erhöhen. Das könnte zu diesem Zeitpunkt laut der Studie rund drei Milliarden Menschen betreffen.

Alle Warnlampen stehen auf Rot, dennoch sinkt bei vielen die Bereitschaft, eigene Gewohnheiten zugunsten des Klimas zu ändern.

Attacken auf die „Klimakleber"

Alle Warnlampen stehen auf Rot, dennoch sinkt bei vielen die Bereitschaft, eigene Gewohnheiten zugunsten des Klimas zu ändern und Verzicht zu üben. Bei einigen ist zunehmend eine offene Feindseligkeit gegenüber Umweltaktivisten festzustellen. Die deutsche Bild-Zeitung veröffentlicht beinahe wöchentlich hämische Videos von Attacken von Autofahrern auf die verhassten „Klimakleber“ und wettert gegen den „Heiz-Hammer“.

Die Botschaft, dass der Klimaschutz nur nicht zu weit gehen und den Verbraucher zu viel kosten dürfe, kommt nicht erst seit den Gilets Jaunes bei den Politikern an. In der Folge werden Gesetze aufgeweicht oder zurückgenommen. In Großbritannien vollzieht Premierminister Rishi Sunak gerade eine Kehrtwende in Sachen Klimaschutz, verschiebt das Verbrenner-Aus und erteilt zahlreiche neue Öl- und Gasförderlizenzen für die Nordsee.

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Bei manchen Teilen der Bevölkerung macht sich die Meinung breit, dass es jetzt langsam mal gut sein muss mit all dem Klimaschutz. Notwendig ist aber die Erkenntnis, dass es zu unseren Lebzeiten niemals „gut“ damit sein kann, wenn es nicht schlimm werden soll.