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Deutschland krachend gescheitert: „Es ist surreal“

Fußball-WM der Frauen

Ein Jahr nach dem EM-Höhenflug sind die DFB-Frauen in der WM-Vorrunde unerwartet ausgeschieden. Auch andere Mit-Favoriten mussten schon die Segel streichen.

Deutschlands Lena Oberdorf (6) stellt nach dem Ausscheiden die Qualität der eigenen Mannschaft infrage.

Deutschlands Lena Oberdorf (6) stellt nach dem Ausscheiden die Qualität der eigenen Mannschaft infrage. Foto: dpa

Martina Voss-Tecklenburg saß tief enttäuscht und mutterseelenallein auf der Trainerbank, ihre Spielerinnen heulten nach der Blamage von Brisbane hemmungslos. Das historische Vorrunden-Aus bei der WM in Australien und Neuseeland versetzte Kapitänin Alexandra Popp und Co. in Schockstarre, das krachende Scheitern nur ein Jahr nach dem EM-Höhenflug sorgte für Trauer, Wut und Ratlosigkeit.

„Das war nicht unser Anspruch“, brachte Popp nach dem 1:1 im abschließenden Gruppenspiel gegen den großen Außenseiter Südkorea, das nach dem überraschenden Sieg von Marokko gegen Kolumbien (1:0) zu wenig war, mühsam hervor. „Ich kann nicht verstehen, was hier gerade abgeht“, bekannte sie in der Stunde des Schmerzes ehrlich. Ihr viertes Turniertor (42.') reichte nach dem schnellen Schock durch Sohyun Cho (6.') nicht aus. Die eigene Zukunft ließ die 32-Jährige offen.

Die sichtlich mitgenommene Voss-Tecklenburg zeigte sich selbstkritisch. „Wir haben zweimal ein Ergebnis erzielt, das nicht ausreicht. Dem müssen wir uns stellen - und das in erster Linie in meiner Person“, sagte die Bundestrainerin und betonte: „Ich stelle mich jetzt in erster Linie vor die Mannschaft.“

Alexandra Popp (r.) tröstet Svenja Huth.
Alexandra Popp (r.) tröstet Svenja Huth.

Alexandra Popp (r.) tröstet Svenja Huth. Foto: dpa

Voss-Tecklenburg besitzt noch einen Vertrag bis 2025. An ihre Zukunft wollte die 55-Jährige im Brisbane Stadium aber noch nicht denken. „Ich stehe dazu, dass wir das nicht geschafft haben weiterzukommen, aber gebe mir die Möglichkeit, nicht vorschnell etwas zu sagen. Ich brauche das auch, um das verarbeiten zu können“, sagte Voss-Tecklenburg.

Ich glaube, wir müssen es einfach jetzt noch einmal hinterfragen, ob das von uns als Einzelspielerin auch genug war.

Statt dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach drei Turnier-Enttäuschungen bei der A-Nationalmannschaft der Männer und dem Gruppen-Aus der U21 bei der EM wieder einen glanzvollen Sommer zu bescheren, ist das nächste Desaster perfekt. Dabei war der zweimalige Weltmeister beim 6:0 gegen Marokko noch furios ins Turnier gestartet. Doch die Niederlage gegen Kolumbien (1:2) sorgte nach der schwachen Vorbereitung für mehr Verunsicherung, als es die Bundestrainerin und ihre Spielerinnen eingestehen wollten.

„Es ist ein bisschen surreal. Ich glaube, wir müssen es einfach jetzt noch einmal hinterfragen, ob das von uns als Einzelspielerin auch genug war“, sagte Lena Oberdorf. „Wir haben es nicht auf den Platz bekommen“, gestand Jule Brand.

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Voss-Tecklenburg versuchte es nach der Rückkehr von Abwehrchefin Marina Hegering mit der wenig erprobten Dreierkette, das nutzten die ebenfalls ausgeschiedenen Südkoreanerinnen in der Anfangsphase gegen eine nervöse DFB-Auswahl eiskalt aus. „Wir verteidigen es nicht gut“, kritisierte Oberdorf.

Auch das Offensivspiel lahmte wie schon gegen Kolumbien. Die Idee war, mit Flanken gegen die kleineren Gegenspielerinnen zum Erfolg zu kommen. Das funktionierte vor 38.945 Zuschauern aber nur beim Ausgleich. In der Schlussphase sorgte die eingewechselte Sydney Lohmann für Gefahr, das war es aber auch. „Bis auf Lohmann hat uns Deutschland keine Probleme bereitet“, sagte Südkoreas Trainer Colin Bell, der in Deutschland große Erfolge mit Frankfurt gefeiert hatte.

Eine WM der Überraschungen

Neben den deutschen Frauen hat es in der Vorrunde in Gruppe F auch Brasilien mit Superstar Marta erwischt. Die Spielerinnen vom Zuckerhut kamen im entscheidenden dritten Gruppenspiel gegen Jamaika nicht über ein torloses Unentschieden hinaus und mussten ebenfalls vorzeitige die Heimreise antreten. Für Marta war es ihre fünfte und letzte WM - den Titel konnte sie nie gewinnen. Jamaika zog hingegen, genau wie Marokko, erstmals ins Achtelfinale ein.

Auch Olympiasieger Kanada hat sich bei dem Turnier mehr erhofft. Doch in Gruppe A reichten ein Sieg gegen Irland (2:1), ein Remis gegen Nigeria (0:0) und eine Niederlage gegen Co-Gastgeber Australien (0:4) nicht für das Erreichen der nächsten Runde.

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In Gruppe G ist für die Italienerinnen nach drei Spielen auch Endstation. Nur ein Sieg gegen Argentinien reichte nicht zum Weiterkommen. Dafür freut sich Südafrika über das erstmalige Erreichen der Runde der letzten 16.

Mit Japan (Gruppe C) und England (Gruppe D) gibt es lediglich zwei Nationen, die alle ihre Gruppenspiele gewinnen konnten. Die Japanerinnen wiesen dabei sogar die hoch gehandelten Spanierinnen mit einer 4:0-Packung in die Schranken, England zerlegte China beim 6:1-Erfolg. Beide Teams zählen neben den Niederländerinnen, Frankreich und den USA zu den übrigen Favoriten.

Achtelfinale

Am Samstag, dem 5. August:

07.00 Uhr: Schweiz - Spanien
10.00: Japan - Norwegen

Am Sonntag, dem 6. August:

04.00 Uhr: Niederlande - Südafrika
11.00: Schweden - USA

Am Montag, dem 7. August:

09.30: England - Nigeria
12.30: Australien - Dänemark

Am Dienstag, dem 8. August:

10.00: Kolumbien - Jamaika
13.00: Frankreich - Marokko