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Loni Baur: „Menschen mit meinem Make-up glücklich zu sehen – das ist meine größte Freude“

Interview„Glow Up – Deutschlands nächster Make-up-Star“

Make-up Artist der Stars: Loni Baur über die neue Staffel der TV-Show „Glow Up“, Social Media und die Beauty-Marke, die ihren Namen trägt.

Loni Baur ist bereits zum zweiten Mal Teil der Jury von „Glow Up – Deutschlands nächster Make-up-Star“.

Loni Baur ist bereits zum zweiten Mal Teil der Jury von „Glow Up – Deutschlands nächster Make-up-Star“. Foto: ZDF/Ariel Oscar Greith

Auf die Pinsel, fertig, los! Am 7. September fällt um 20.15 Uhr auf ZDFneo der Startschuss für die zweite Staffel der TV-Show „Glow Up – Deutschlands nächster Make-up-Star“, in der zehn Talente um den Sieg kämpfen. Moderiert wird das Format erneut von Riccardo Simonetti, doch die Entscheidung über Sieg und Niederlage liegt in den Händen der berühmten Gäste und der Jury, die sich aus zwei festen Mitgliedern aus dem Beauty-Bereich zusammensetzt. Zum einen: Armin Morbach, Fotograf, Styling-Profi und Herausgeber des Magazins „Tush“. Zum anderen: Loni Baur, die in den vergangenen 25 Jahren als Make-up Artist schon mit Stars wie Heidi Klum, Gigi Hadid und Fürstin Charlène von Monaco zusammenarbeiten durfte. Die Redaktion sprach mit ihr über den großen Erfolg des ungewöhnlichen Talentformats.

Loni Baur, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! „Glow Up“ geht in die zweite Runde. Hätten Sie und das Team gedacht, dass die Sendung ein derart großer Erfolg wird?

Am Set sind eigentlich alle, besonders vor der Kamera, irgendwie in das Make-up-Thema verwickelt. Für uns ist das nicht nur ein Beruf, sondern eine echte Leidenschaft, eine kreative Ausdrucksform, die uns alle verbindet. Und hier bei uns bekommt Make-up eine ganz besondere Plattform, deshalb haben wir alle, sowohl vor als auch hinter den Kulissen, gehofft, dass es eine zweite Staffel geben wird. Aber letztendlich liegt die Entscheidung beim ZDF und den Zuschauenden. Und es scheint, dass sie Gefallen daran gefunden haben.

Für uns ist das nicht nur ein Beruf, sondern eine echte Leidenschaft, eine kreative Ausdrucksform, die uns alle verbindet.

Die Sendung basiert auf der gleichnamigen Show der BBC, die man sogar auf Netflix abrufen kann. Diese ist ebenfalls ein echter Hit ... 

Darüber würden wir uns natürlich mit dem deutschen Format auch sehr freuen. Der Sender hat hier eine großartige Gelegenheit, eine neue Gruppe von Zuschauenden zu erreichen, sowohl die queere Community, dank Riccardo Simonetti, als auch ein jüngeres Publikum im Allgemeinen. Ich persönlich bin ein riesiger Fan dieses Konzepts und kann es kaum erwarten, was in einer möglichen dritten Staffel auf uns zukommt. Daumen sind definitiv gedrückt!

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind so bunt wie die Show selbst: hetero, queer, trans, nichtbinär …

Armin (Jury-Mitglied Armin Morbach, Anm. d. Red.) und ich haben vielleicht einen etwas anderen Bezug zum Thema Make-up. Für uns ist es in erster Linie Kunst – und da spielt es einfach keine Rolle, wer du bist, woher du kommst oder welche Hautfarbe du hast. Uns ist es wichtig, dass die Arbeit gut gemacht wird, dass großartige Ideen und Visionen dahinterstecken und dass eine faszinierende Geschichte erzählt wird. Welcher Mensch dafür verantwortlich ist, ist uns schnurzpiepegal. Die Mischung an Leuten bei uns ist nun mal eine andere als bei einer Kochsendung - Make-up ist ein Medium, das viele junge Menschen nutzen, um sich auszudrücken und ihre Persönlichkeit zu zeigen. Die Vielfalt, die man vor der Kamera sieht, spiegelt sich auch hinter den Kulissen wider, angefangen beim Tonmann bis hin zur Ausstattung. Das hat zu einer großartigen Atmosphäre geführt, in der trotz aller Ernsthaftigkeit immer gute Stimmung herrschte.

Wer die erste Staffel kennt, wird Sie wohl eher als den „Good Cop“ und ihren Kollegen Armin Morbach als den „Bad Cop“ in Erinnerung haben. Entspricht das auch Ihrem Naturell?

Oh, wenn Armin das jetzt hören würde, würde er wahrscheinlich energisch widersprechen. (lacht) Er kann wirklich sehr unterstützend und einfühlsam sein. Manchmal mag es so erscheinen, als ob er einen harten Standpunkt hat, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass er schon so viele fantastische Make-ups gesehen hat und seine Messlatte entsprechend hoch liegt. Bei mir kommt vielleicht ein bisschen die mütterliche Seite dazu. Diese jungen Talente stehen noch am Anfang ihrer Karriere, daher versuchen wir, unsere Sprüche nicht zu hart zu gestalten, um niemanden zu verletzen. Trotzdem ist für uns beide konstruktives Feedback von größter Bedeutung.

Die Kandidatinnen und Kandidaten sind sehr auffällig, auch die Jungs greifen tief in den Farbtopf. Ihr Make-up ist dagegen stets zurückhaltend. Gab es denn auch mal in Ihrem Leben eine Phase, in der Sie der schrille Paradiesvogel waren?

Im Beruf bin ich bekannt für meine künstlerischen und extrovertierten Arbeiten. Aber in meinem Privatleben bevorzuge ich eher einen klassischen Look. Understatement ist mir wichtig - ich setze lieber auf subtile Akzente. In „Glow Up“ haben wir bereits zwei sehr extrovertierte Persönlichkeiten vor der Kamera, deshalb sorge ich ein bisschen für die Bodenhaftung. Schauen Sie sich mal die Make-up Artists bei den Fashion Weeks an: Klar, sie sehen alle gepflegt aus, aber niemand flattert mit Federn an den Wimpern oder Glitzer im Gesicht herum. In der zweiten Staffel von „Glow Up“ können Sie eine etwas aufgepeppte Version von mir sehen, aber ich versuche trotzdem, authentisch zu bleiben.

In der heutigen Zeit ist Social Media ein fantastisches Marketing-Tool. Es ermöglicht einem, sich selbst zu vermarkten und seine kreativen Looks zu präsentieren.

Einige der MUAs, also der Make-up Artists in der Show, haben keine entsprechende Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen. Kann man über andere Wege Fuß in der Branche fassen?

In der heutigen Zeit ist Social Media ein fantastisches Marketing-Tool. Es ermöglicht einem, sich selbst zu vermarkten und seine kreativen Looks zu präsentieren. Dadurch können auch Quereinsteiger Erfolg haben. Die Anzahl der Follower spielt dabei eine wichtige Rolle, da Kunden oft darauf achten. Allerdings macht der Erfolg auf Plattformen wie Instagram einen noch nicht automatisch zu einem großartigen Make-up Artist. In diesem Beruf geht es auch um andere Qualitäten, wie Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, ein Make-up zu kreieren, das zwar nicht übertrieben auffällig ist, aber dennoch wunderbar zur Geltung kommt. (lacht) Jetzt schweife ich aber vom Thema ab. Kurz gesagt, ein Quereinstieg ist durchaus möglich, aber Social Media allein reicht meistens nicht aus.

Ist die Konkurrenz trotzdem größer geworden?

Die Make-up-Szene hat sich in den letzten Jahren wirklich maßgeblich verändert. Dank Social Media hat man fast den Eindruck, dass jeder zweite ein Make-up Artist ist. Ich habe mir in all den Jahren, in denen ich in diesem Geschäft bin, einen Namen gemacht und stehe für Qualität. Ich sage gerne: Jeder kann vielleicht zwei gute Make-ups zaubern, aber über einen Zeitraum von 25 Jahren kontinuierlich – das ist meine ganz persönliche Erfolgsformel. Darin sehe ich meine USP (Unique Selling Proposition/Alleinstellungsmerkmal, Anm. d. Red.). Einige Kunden schätzen einfach die Erfahrung, die ich mitbringe, während andere etwas Cooles und Edgyes suchen, jemanden, der für aufregende, freche Looks steht. Das ist völlig in Ordnung, denn genau so bin ich vor vielen Jahren in diese Branche gestartet. Mittlerweile habe ich treue Kunden, die mich sogar in die Produktentwicklung einbeziehen. In gewisser Weise sehe ich mich daher außerhalb des Wettbewerbs.

Sie haben tolle Konzepte und Looks umgesetzt. Gibt es denn einen Moment in Ihrer Karriere, einen Job, auf den Sie nicht so gerne zurückschauen?

Oh, sicher, da kann man wahrscheinlich einfach mal ein bisschen googeln. Man wird bestimmt auf einige Sachen stoßen, bei denen man denkt: „Was habe ich mir nur dabei gedacht?“ Aber peinlich ist mir das nicht. Damals wurde ich quasi ins kalte Wasser geworfen. Bei meiner ersten großen Fashionshow, als ich im Team von Pat McGrath bei Dolce&Gabbana in Mailand arbeitete, war ich noch ein kompletter Neuling in der Branche. Man landet da schnell in einem wahren Haifischbecken. Ich hätte mir damals gewünscht, dass mir jemand erklärt hätte, wie alles abläuft und wie man sich am besten verhält. Genauso ging es mir bei meinen ersten Jobs in Köln, als ich Anfang 20 war und noch ziemlich unsicher. Bei Kritik darf man nicht den Mut verlieren. Damals habe ich vieles persönlich genommen und angefangen zu diskutieren. Heute arbeite ich mit den größten Celebritys zusammen und bleibe dabei ganz entspannt.

Sie haben neben Ihrer Karriere auch noch eine Make-up-Marke kreiert, die Ihren Namen trägt. Warum haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?

Genau wie ich früher wusste, dass ich irgendwann, wenn alles gut läuft, Mama werden möchte, hatte ich auch immer den Wunsch, Produkte zu entwickeln, die meinen Namen tragen. Nach all den aufregenden Erfahrungen in meiner Karriere, der Zusammenarbeit mit großartigen Kunden und den unvergesslichen Geschichten, die ich erleben durfte, war es einfach an der Zeit, mein Wissen in Produkte umzusetzen und die Marke LONI BAUR langfristig zu stärken. Wir sind jetzt schon seit einem Jahr auf dem Markt und es macht wirklich Spaß. Vor Kurzem haben wir die Marke im Kaufhaus Oberpollinger in München eingeführt, und es gibt sogar erste Anfragen aus dem Ausland. Zudem hat jedes unserer Produkte einen QR-Code, der zu einem Tutorial führt. Ich möchte meine Expertise für alle zugänglich machen. Es ist einfach großartig, Menschen mit meinem Make-up glücklich zu sehen – das ist meine größte Freude.

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Zur Person

Loni Baur ist eine der erfolgreichsten Make-up Artists im deutschsprachigen Raum. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein Praktikum bei einem Hairstylisten in London, anschließend eine Ausbildung an der Kosmetikschule „die maske“ in Köln. Nach Stationen bei Film und Fernsehen arbeitet sie seit vielen Jahren als Selbstständige, lebte unter anderem in Paris und New York. Loni Baur ist zweifache Mutter und wohnt mit ihrer Familie in der Nähe von Hamburg.