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„Mal richtig auf den Putz hauen“ - Max Raabe mit neuem Album

Wiessel mol d'Scheif

Das neue Album „Mal richtig auf den Putz hauen“ von Max Raabe ist am 29. September erschienen.

Das neue Album „Mal richtig auf den Putz hauen“ von Max Raabe ist am 29. September erschienen. Foto: Britta Pedersen / dpa

Studiozeit heißt in der Musik oft Vereinzelung. Instrumente und Gesang werden dann separat aufgenommen, am Ende wird alles zusammengemixt. Es geht aber auch anders. Etwa beim neuen Album von Max Raabe und dem Palast Orchester. „Wir haben bei der Aufnahme alles im Tutti eingespielt“, schildert der Sänger der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Alle saßen in einem Raum und haben Musik gemacht. Das ist eigentlich die Atmosphäre, die wir bei Konzerten haben.“ Am 29. September ist „Mir ist so nach Dir“ herausgekommen.

Inspiration aus den 20er und 30er

Aus den Konzerten kam auch manche Inspiration für die 16 Lieder auf dem neuen Album im bekannten Stil der 1920er- und 1930er-Jahre. „Das Album entspricht ein bisschen dem aktuellen Tourprogramm“, sagt Raabe. „Dann können die Leute das, was ihnen gerade im Konzert gefallen hat, theoretisch zu Hause noch mal hören.“ Die Liveauftritte sind auch ein Prüfstein für das Repertoire. „Wenn bei den Konzerten irgendeine Nummer nicht zündet, wird sie vielleicht noch mal an eine andere Stelle gestellt, aber dann sie fliegt gnadenlos raus, egal, wer sie geschrieben hat.“

Geändert wird nur wenig. „Ich liebe die Abwechslung, wenn das Orchester auch mal richtig auf den Putz hauen kann. Für ein Album verändere ich dann nicht extra die Dramaturgie, die wir auf der Bühne haben. Deswegen hat das Orchester wie auch bei unseren Konzerten eine enorme Präsenz und kann mit der Virtuosität zeigen, was es draufhat.“

Auch ein sehr bekanntes Lied hat es auf das Album geschafft. „Wir haben viele Stücke ewig nicht gespielt, etwa ‚Unter den Pinien von Argentinien‘. Wir müssen selber grinsen, wie diese Nummer nach wie vor einfach funktioniert. Das ist so eine klare, schöne Komik.“ Der Song von Peter Igelhoff markiert einen Meilenstein in Raabes Karriere. Anfang der 90er-Jahre gestaltete er damit eine Soloeinlage in Peter Zadecks Berliner Inszenierung „Der blaue Engel“.

Altbewerte Klassiker

Nach Einspielungen neuerer Kompositionen wie etwa zuletzt bei „Wer hat hier schlechte Laune“ greifen Raabe und das Palast Orchester mit dem neuen Album damit wieder auf bewährtes Material aus den 20ern und 30ern zurück. „Wir haben mit dem Palast Orchester auf der Party zu den Dreharbeiten von ‚Babylon Berlin‘ ein bisschen Rabatz gemacht und dabei ‚Mir ist so nach dir‘ gespielt, einen Titel, der auch in der Serie verwendet wurde“, berichtet der Sänger. „Das Lied haben wir vor Jahren schon mal ins Programm genommen. Das war bei uns der Anlass, dass wir mal wieder ein Album mit Klassikern machen wollten.“

So haben es „Top Hat“, White Tie And Tails“, „Du du dudl du“, „La Mer“ oder „Cubanacán“ ebenso in die Auswahl geschafft wie „Sie sind mir so sympathisch“, der „Bilbao-Song“, „Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen“ oder „Erstens küss’ ich nicht“. Dass die Songs auch mit Namen wie Johannes Heesters, Bing Crosby oder Fred Astaire bekannt wurden, ficht Raabe nicht an. „Unsere Orchesterbearbeitungen sind aus dem Archiv und meistens viel älter als die Namen, die die Stücke dann später berühmter gemacht haben“, erläutert er. „Viele Menschen wissen nicht, wie die Lieder eigentlich im Original geklungen haben.“ Diese historische Aufführungspraxis finde er spannend.

Zeiten ändern sich

Manche Zeile dürfte in heutigen Ohren auch befremdlich klingen. In „Wenn eine Frau Dir etwas verspricht“ etwa heißt es: „Wenn eine Frau ihr Wort dann mal hält“. Man müsse bei den Originaltexten wissen, in welcher Zeit sie entstanden seien, sagt Raabe dazu. „Die damaligen Texterdichter hätten viele Sachen heute anders formuliert.“ Und: „Das Bewusstsein für bestimmte Sätze und Formulierungen ist jetzt ein anderes als vor 20, 30 Jahren, geschweige denn vor 70.“

Mit Blick auf die Entwicklung von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus sieht Raabe Verantwortung auch individuell verankert. „Die Geschichte tut uns nicht den Gefallen, sich genauso zu wiederholen, wie sie es schon mal getan hat. Aber man muss einfach aufpassen“, sagt der Musiker. „Wir haben das wertvollste System, was wir bisher hatten“, sagt Raabe. „Unsere Vorfahren hätten davon geträumt, dass sie zur Wahl gehen können, dass sie demokratische Mittel einsetzen können. Man muss eben auch mitmachen, wählen gehen, gesellschaftlich denken und Verantwortung übernehmen.“

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Der 60-Jährige verweist auf die Ursprünge seiner Musik. „Es hat mich immer beschäftigt, dass auf einmal nach 1933 meine favorisierten Texte und Komponisten nicht mehr mit dabei waren. Das gibt mir schon eine gewisse Aufmerksamkeit für die Zeit, in der wir leben.“