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Smartwielen, die Online-Hilfe für unentschlossene Wähler

Chamberwahlen 2023

Einen Monat vor den Wahlen am 8. Oktober veröffentlichen Uni.lu und das Zentrum fir politesch Bildung die neue Version ihres Online-Tests. Ziel ist es, dass jeder seine politischen Neigungen besser einschätzen kann.

Mit dem Tool Smartwielen können Wähler ihre Positionen mit denen der Parteien vergleichen.

Mit dem Tool Smartwielen können Wähler ihre Positionen mit denen der Parteien vergleichen. Foto: Anouk Antony

Die Online-Orientierungshilfe Smartwielen ist seit fast 15 Jahren aktiv und erscheint am Freitag in der vierten Version. Der Test hilft den luxemburgischen Wählern und allen anderen Interessierten, herauszufinden, welche Parteien und Kandidaten ihren persönlichen politischen Ansichten am ehesten entsprechen.

„Die Wähler sollen nicht beeinflusst, sondern informiert und aufgeklärt werden“, betont Forscher Raphaël Kies, der das Projekt an der Universität Luxemburg betreut. Auch wenn die Umfrage noch über einen Online-Fragebogen mit rund 40 Fragen erfolgt und die Ergebnisse von einem auf dem Campus Belval entwickelten Algorithmus geliefert werden, soll die Version 2023 des Tools inklusiver sein.

Die neue Version von Smartwielen, die am Freitag veröffentlicht wurde, basiert nicht nur auf den Erkenntnissen, die das Zentrum für politische Bildung (ZpB) und die Universität Luxemburg bei Gesprächen mit Fachleuten und Journalisten gesammelt haben, sondern auch auf der Arbeit von Bürgerbeteiligung. Fast alle der 44 ausgewählten Fragen wurden während dieses Prozesses, der Anfang Juni endete, behandelt, so versicherte der Forscher.

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Parteien müssen sich eindeutig deklarieren

Damit das Instrument „die Wähler informieren“ und ihnen ein möglichst realistisches Bild vermitteln kann, sind realistische Daten erforderlich. Dies gilt insbesondere für die Daten der politischen Parteien, die „verpflichtet wurden, Stellung zu beziehen“, wie Raphaël Kies erklärt hat. Das Ziel besteht darin, eine klare Vorstellung davon zu vermitteln, welche Ideen unterstützt und welche abgelehnt werden. Die Parteien mussten jeweils Ja- oder Nein-Antworten geben, so der politische Wissenschaftler.

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Dieser Schwarz-Weiß-Ansatz wird durch die Möglichkeit ausgeglichen, dass jede Partei einen Kommentar zu ihren Antworten hinterlassen kann, um nähere Angaben zu machen. Alle zwölf Listen, die offiziell für die Wahl am 8. Oktober nominiert wurden, haben beschlossen, teilzunehmen. Das beinhaltet auch die ADR, die bei den Parlamentswahlen 2018 ihre Unzufriedenheit mit diesem Instrument, das damals als „nicht objektiv“ eingestuft wurde, zum Ausdruck gebracht hatte.

„Smartwielen“ steht in vier Sprachen zur Verfügung: Luxemburgisch, Deutsch, Englisch und Französisch. Das Tool soll ein unverzichtbarer Bestandteil des Wahlkampfes werden. Vielleicht sogar darüber hinaus. Bei den Parlamentswahlen 2018 wurde das Tool von rund 50.000 Personen genutzt, was damals einem Viertel der Wählerschaft entsprach. Die Macher denken in diesem Superwahljahr noch größer.

Da „Smartwielen“ einem echten Bedürfnis in der Gesellschaft entspricht, halten ZpB und Uni es für eine Referenz sowohl für Wähler als auch Politiker, obwohl der Fragebogen nicht für die Kommunalwahlen zur Verfügung stand. Die besondere Stellung ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass es keine Konkurrenz für das interaktive Informations- und Bildungsinstrument zur demokratischen Funktionsweise gibt. Das ist nicht der Fall in anderen europäischen Ländern wie Deutschland oder Frankreich. Dort werden diese Instrumente aus dem Bereich „Civic Tech“, also Technologie im öffentlichen Interesse, bereits häufiger verwendet.

Ein „Game-Changer“ vor allem für junge Wähler

Wie bei jeder Wahl ermöglichen die gesammelten Daten es dem ZpB und der Uni, das Wählerverhalten genauer zu analysieren. Im Jahr 2018 wähle fast jeder sechste Wähler (15 Prozent) nach der Nutzung von „Smartwielen“ eine andere Partei als ursprünglich vorgesehen, und fast ein Viertel (24 Prozent) entschied sich beim Panaschieren für einen anderen Kandidaten. Der Test ist also ein potenzieller „Game-Changer“ im Rennen um die 60 Sitze im Parlament – besonders bei jungen Wählern, da 18- bis 24-Jährige bei der Meinungsbildung eindeutig soziale Netzwerke und digitale Tools anderen Wegen vorziehen. 

In diesem Jahr geht die Wirkungsanalyse noch einen Schritt weiter, denn die Forscher beschränken sich nicht nur auf die Aussagen der Nutzer, sondern stützen sich auf einen Vergleich zwischen zwei unterschiedlichen Gruppen vor und nach der Wahl. Dabei wird der Unterschied zwischen den ursprünglichen Wahlabsichten und der tatsächlichen Stimmabgabe zwischen denjenigen, die das Tool genutzt haben, und denjenigen, die es nicht genutzt haben, gemessen. „Dies erlaubt uns, die Entwicklung des Wahlverhaltens besser zu verstehen, vor allem bei den Jüngeren, die manchmal nach dem Vorbild ihrer Familie wählen, oder ohne wirklich alle vorgeschlagenen Ideen zu kennen“, bemerkt Raphaël Kies.

Wie bewährt, wird die Online-Wahlhilfe auch für die nächsten Europawahlen aktualisiert. Die nächsten Europawahlen finden im Juni 2024 statt. Bei dieser Wahl werden die luxemburgischen Wähler sechs der derzeit 705 Abgeordneten des EU-Parlaments in Straßburg wählen.