Germany

100 Prozent Unterricht – sonst droht eine Bildungskatastrophe

Die Frage, ob die Schulen nach den Sommerferien wieder ihren normalen Regelbetrieb aufnehmen sollen, spaltet Deutschland. Das eine Lager fordert angesichts wieder steigender Infektionszahlen maximale Vorsicht. Die Gegenseite pocht auf das verbriefte Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung, das auch in Corona-Zeiten nicht noch länger eingeschränkt werden dürfe.

Selbst in der großen Koalition gibt es keine einheitliche Position: Während sich Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus für die Rückkehr ins gewohnte Schulleben stark macht, vertritt die SPD-Chefin mit gleicher Vehemenz die Contra-Position.

Auch die Wortführer der Lehrer wehren sich mit aller Macht gegen den Normalbetrieb, weil sie das Ansteckungsrisiko fürchten. Die große Mehrheit der Schüler sehnen sich dagegen nach den Altersgenossen und dem strukturierten Tagesablauf. Ansonsten drängen neben den Eltern vor allem Arbeitgeber und Ärzte auf den gewohnten Präsenzunterricht, wohingegen viele besorgte Bürger in den Schülern gefährliche Virenschleudern vermuten, die man möglichst zu Hause behalten sollte.

Es herrscht eine klassische Pattsituation. Denn die Lager der Befürworter und der Bedenkenträger sind ähnlich groß. Deshalb sieht die Perspektive für den Schulbetrieb in dem beginnenden Schuljahr – allen Lippenbekenntnissen der Kultusminister zum Trotz – höchst unsicher aus. Da die Politik in dieser Frage eine klare Prioritätensetzung scheut, wird am Ende der öffentliche Druck entscheidend sein, in welche Richtung die Reise geht.

Bevölkerung schwankt zwischen Angst und Zuversicht

Die Stimmung in der Bevölkerung aber ist volatil und schwankt zwischen Ängstlichkeit und Zuversicht. Und weil die Weltgesundheitsorganisation neuerdings die Botschaft aussendet, dass womöglich mehrere Jahre lang kein wirksamer Impfstoff und auch keine Therapie gegen die neue Lungenkrankheit zur Verfügung stehe, könnte eine Corona-Schule mit abrupten Unterbrechungen und einem zusammengestoppelten Notprogramm zur neuen Normalität werden.

Damit droht Deutschland eine Bildungskatastrophe, deren Ausmaß vielen Menschen noch nicht klar zu sein scheint. Von den psychischen, sozialen und auch gesundheitlichen Folgeschäden für die betroffenen Schüler ganz zu schweigen.

Mit der Ansage, dass nach den Sommerferien der Regelbetrieb wieder möglich sein werde, haben die Politiker Familien in den vergangenen Wochen beruhigt. Doch jetzt, wo es nach und nach in den Bundesländern losgeht, zeigt sich, dass es an vielen Ecken hakt. Schon wird über ein abgespecktes Abitur 2021 geredet – als ginge es nur darum, jedem Schüler im nächsten Jahr ein Abschlusszeugnis zu garantieren.

Die Schulen fahren wieder hoch

Trotz Corona fahren in vielen Regionen Deutschlands die Schulen wieder hoch - mit voller Schülerstärke. Dabei sind viele wichtige Maßnahmen gar nicht gewährleistet, klagt der Bundeselternrat. Und Maskenpflicht gilt längst nicht überall.

Quelle: WELT

Viel wichtiger ist es jedoch, dass junge Menschen all das gelernt haben, was sie für einen guten Berufsstart oder den weiteren Bildungsabschnitt benötigen. Die Wirtschaft warnt zu Recht, dass jede ausgefallene Schulstunde die Ausbildungsreife und die Studierfähigkeit der Schulabgänger beeinträchtigt.

Eine Gruppe droht endgültig abgehängt zu werden

Schon vor Corona-Zeiten hat ein erheblicher Anteil der Heranwachsenden alarmierende Bildungsdefizite aufgewiesen, wie nationale und internationale Studien wie etwa der letzte Pisa-Test wiederholt belegten. Danach kann fast ein Viertel der 15-Jährigen hierzulande kaum lesen und schreiben.

Diese Gruppe droht durch Schulschließung und anschließenden Notbetrieb endgültig abgehängt zu werden. Hier bahnt sich eine soziale Tragödie an. Zumal in der Wissensgesellschaft die Lebenschancen jedes Einzelnen noch enger vom jeweiligen Bildungsniveau abhängen werden als heute schon.

Aber es geht nicht nur um persönliche Schicksale. Einer rasant alternden Gesellschaft sollte klar sein, dass sie es sich auch im eigenen Interesse nicht leisten kann, einen noch größeren Anteil der jungen Talente brachliegen zu lassen. Jeder Kopf wird gebraucht, um die Wirtschaft auch dann noch am Laufen zu halten, wenn die geburtenstärksten Jahrgänge, die es jemals in Deutschland gab, nach und nach in den Ruhestand gehen.

Der üppig ausgebaute Sozialstaat wird mit Sicherheit nicht von funktionalen Analphabeten finanziert werden. Dafür braucht es vor allem gut ausgebildete Fachkräfte. Und das Fundament dafür legen – gerade, wenn es sich um bildungsferne Gruppen handelt – die Schulen.

Aber nicht nur Kinder aus sozial prekären Haushalten werden ohne lückenlose Beschulung Wissensdefizite haben. Auch leistungsstärkere Schüler bleiben hinter dem Niveau früherer Jahrgänge zurück, wenn der Schulbetrieb über längere Zeit nur behelfsmäßig funktioniert. Eine Untersuchung des Ifo-Instituts zeigt, dass das Homeschooling im zurückliegenden Sommerhalbjahr den Unterricht bei Weitem nicht ersetzen konnte.

Im Durchschnitt nutzten die Kinder und Jugendlichen während der Corona-Monate nur halb so viele Stunden für das Lernen und verbrachten stattdessen sehr viel mehr Zeit vor dem Fernseher oder mit dem Smartphone. Das Digitalangebot der Schulen beschränkte sich vielfach auf wenige Stunden in der Woche. Und etliche Schüler konnten erst gar nicht aus der Ferne beschult werden, weil sie wegen fehlendem Internetzugang, beengten Wohnverhältnissen oder mitunter auch mangelndem Interesse online von den Lehrkräften überhaupt nicht zu erreichen waren.

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Die bedeutendste Ressource befindet sich in den Köpfen der Menschen. Dass hierzulande Schulen seit vielen Jahren marode sind, weil die Politik das Geld lieber kurzfristig für populären Sozialkonsum ausgibt, war schon vor Corona zukunftsblind.

Es fehlen die Lehrkräfte

Überdies hat man es versäumt, genügend Lehrkräfte auszubilden, was sich nun doppelt rächt. Umso wichtiger ist es, dem Schulbetrieb jetzt die allerhöchste Priorität einzuräumen. Auch wenn die Pandemie – wovon viele Ärzte und Virologen mittlerweile ausgehen – als Dauerwelle noch lange Zeit anhält, hat jedes Kind einen uneingeschränkten Anspruch auf Bildung.

Digitaler Unterricht ist als Ergänzung des normalen Schulbetriebs sinnvoll. Zumal die Fähigkeit zum eigenverantwortlichen Lernen und die Nutzung der digitalen Medien bislang im deutschen Bildungswesen zu kurz gekommen sind.

Die versprochenen Milliardeninvestitionen für die Digitalisierung der Schulen sind denn auch mit Hochdruck umzusetzen. Vor allem muss für die Lehrer eine entsprechende Weiterbildungspflicht gelten. Gerade auch die vielen Lehrer, die altersbedingt oder wegen Vorerkrankungen keinen Präsenzunterricht abhalten, könnten im Fernunterricht zum Einsatz kommen.

Klar ist: Alles, was wir den Kindern und Jugendlichen bei der Bildung heute verweigern, werden sie uns in wenigen Jahren mit Recht vorhalten – wenn es um die Frage geht: Wer pflegt die Alten, wer zahlt für ihre medizinische Versorgung, und wer finanziert ihnen ein auskömmliches Alterseinkommen? Wenn in Corona-Zeiten die Rente zu 100 Prozent ausgezahlt wird, dann muss auch das Schulangebot ungeschmälert gewährleistet sein. Der Generationenvertrag gilt entweder in beide Richtungen oder gar nicht.

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