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500 Impfungen zum Auftakt

Im Lichthaus an der Waterfront ist am Montag die Bremer Schwerpunkt-Impfkampagne für strukturell benachteiligte Stadtteile in Gröpelingen gestartet.

Im Lichthaus an der Waterfront ist am Montag die Bremer Schwerpunkt-Impfkampagne für strukturell benachteiligte Stadtteile in Gröpelingen gestartet. (Christina Kuhaupt)

Vor dem Eingang des Gröpelinger Lichthauses stehen zwei Männer, Masken im Gesicht, allerlei Papierkram in den Händen. Sie diskutieren angeregt, dann wenden sie sich an Pia Hebbeler. Fragen werden gestellt. Hebbeler hört geduldig zu. Sie ist Gesundheitsfachkraft, unter anderem für den Stadtteil Gröpelingen zuständig. „Biontech und Moderna sind beide gut“, sagt sie. Ja, alles sei sehr sicher. Noch ein paar weitere beschwichtigende Worte, dann ist zumindest einer der Männer überzeugt. Er sucht seine Dokumente zusammen – Impf- und Personalausweis, Einladung und Krankenkassenkarte – und wird ins Gebäude geleitet.

Es ist Montagvormittag, und im Veranstaltungszentrum gegenüber der Waterfront hat vor wenigen Stunden das Impfen begonnen. Die vom Deutschen Roten Kreuz geleitete Aktion im Lichthaus ist der Auftakt einer Impfkampagne, die das Gesundheitsressort von Claudia Bernhard (Linke) in Stadtteilen mit besonders hohen Corona-Infektionszahlen umsetzen will (wir berichteten). Vor Ort ist an diesem Montag auch Herwig Renkwitz, der als Leiter des Bremer Impfzentrums in den Messehallen ganz andere Dimensionen gewohnt ist. Im Lichthaus sei alles etwas kleiner, der Ablauf aber ähnlich, sagt Renkwitz. Ein großer Teil des Personals arbeite sonst ebenfalls im großen Impfzentrum. Er holt sein Handy hervor, zeigt ein Bild, auf dem die Leute vor dem Lichthaus Schlange stehen. „Heute Morgen war richtig was los“, sagt er.

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Gegen 11 Uhr treffen die Leute eher vereinzelt ein. Teilweise mit suchendem Blick, etwas unsicher, wie denn jetzt der genaue Ablauf ist. Pia Hebbeler und ihre Kolleginnen sind sofort zur Stelle, verteilen Informationszettel, beantworten Fragen. Elf Gesundheitsfachkräfte seien dafür an diesem Tag im Einsatz, sagt Hebbeler. Darunter seien zum Beispiel auch einige, die Türkisch sprechen.

„Wir haben festgestellt, dass die Leute oft nicht über ihre Stadtteilgrenzen hinauskommen“, erklärt Herwig Renkwitz die Idee, direkt in den Stadtteilen zu impfen. Der Weg in die Innenstadt schrecke einige Menschen ab. Die Gröpelinger Impfkampagne richtet sich an Mütter und Väter von Kindern in Kitas, über die auch die Einladungen erfolgten. Einen genauen Termin müssten die Impfwilligen nicht angeben, könnten also auch relativ spontan vorbeikommen, erläutert Renkwitz. Lediglich eine grobe Einteilung in Früh- und Spätschichten habe es mit den Berechtigungsschreiben gegeben. Die Hindernisse bewusst niedrig halten – das sei das Wichtigste bei dieser Kampagne. 

Amal Mtaoua sagt, sie habe über den Kindergarten ihres Sohnes von der Aktion erfahren. Bei ihrem Hausarzt stehe sie schon auf der Warteliste, aber das könne wohl noch dauern, also sei sie zum Lichthaus gekommen. „Wir wollen nämlich bald in den Urlaub fahren“, sagt Mtaoua, bevor sie in der kurzen Schlange vorrückt. Vor dem Eingang steht Tanja Murawska und verteilt Infozettel. Sie ist eine der Gesundheitsfachkräfte, normalerweise in Blumenthal im Einsatz. Damit die Kampagne Erfolg habe, sei die Gruppendynamik im Stadtteil wichtig. Infozettel könnten nicht die Kommunikation innerhalb der verschiedenen Gruppen ersetzen, sagt Murawska.

Nicht alle Impfwilligen haben die notwendigen Dokumente dabei. Mal fehlt die Krankenkassenkarte, mal der Impfausweis. Murawska schickt eine Frau nach Hause, die spontan vorbeigekommen ist. Sie sei gleich wieder mit ihren Papieren da, versichert sie. Ismael Kilic hingegen hat alles dabei und den Piks schon hinter sich. Die Impfung sei schmerzfrei und schnell abgelaufen, keine Probleme, sagt er. Kilic wedelt noch einmal stolz mit dem gelben Ausweis, dann schwingt er sich auf sein Rad und fährt davon. 

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Herwig Renkwitz geht davon aus, dass in der zweiten Wochenhälfte noch mehr Gröpelinger zum Impfen kommen werden. Am Mittwoch endet der Fastenmonat Ramadan, der einige Muslime noch davon abhalte, sich impfen zu lassen, vermutet Renkwitz. Das Gesundheitsressort zeigte sich am Montagnachmittag zufrieden mit dem Start der Kampagne. Zu diesem Zeitpunkt seien bereits etwa 500 Menschen im Lichthaus geimpft worden, so Sprecher Lukas Fuhrmann. Dass eine Fortsetzung der Kampagne in Gröpelingen und anderen Stadtteilen geplant sei, hatte das Gesundheitsressort bereits in der vergangenen Woche angekündigt. 

Zur Sache

Verwirrung um den Impfstoff

Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, in Gröpelingen mit dem Vakzin des Herstellers Johnson & Johnson zu impfen. Weil bei diesem Impfstoff schon eine Dosis Immunität bietet, ist der Aufwand für Impfwillige und Organisatoren vergleichsweise gering. Allerdings empfiehlt die Ständige Impfkommission das Vakzin mittlerweile nur noch für Menschen über 60 Jahre. Also wurde auf den Impfstoff von Moderna umgeschwenkt. Die dafür vorgesehene Charge werde allerdings gerade auf mögliche Qualitätsmängel untersucht, teilte das Bremer Gesundheitsressort mit. Stattdessen sei schließlich am Montag Biontech-Impfstoff genutzt worden, der wahrscheinlich auch für den Rest der Woche zum Einsatz kommen werde.

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