Dramatische Szenen in einem Hochhauskomplex an der Obstallee. Mehrere Kellerverschläge standen in Flammen. Mitten in der Nacht war der 11-Geschosser in dichten Qualm gehüllt. Schlug hier wieder ein Serien-Brandstifter zu?

Von Jörg Bergmann und Maren Wittge

In den vergangenen Monaten hatte es in der Gegend immer wieder gebrannt, zuletzt am Montag in einem Hauseingang an der Obstallee. Es gab bereits Verletzte, Tote glücklicherweise noch nicht.

Dienstag, kurz nach Mitternacht gegen 0.30 Uhr, dann der bislang letzte Brand. Ein Kellerverschlag in einem Hochhaus stand in Flammen. Das Feuer griff schnell auf weitere Verschläge über. Es kam zu einer starken Rauchentwicklung.

Anfang Oktober brannte es in einem Keller am Blasewitzer Ring (Foto: spreepicture)
Anfang Oktober brannte es in einem Keller am Blasewitzer Ring (Foto: spreepicture)

Anwohner bemerkten Flammen sowie Rauchgeruch und alarmierten die Rettungskräfte. Ein Großaufgebot rückte an und begann zu Löschen.

Ingrid S. (83) wohnt mit ihrem Hund Mäuschen in der dritten Etage: „Mäuschen fing plötzlich an zu Knurren. Sie hat bestimmt den Rauch gerochen“, sagt die Seniorin.

Der Zugang zu den Kellerverschlägen: verbrannte Habseligkeiten, auf dem Boden steht Wasser (Foto: Jörg Bergmann)
Der Zugang zu den Kellerverschlägen: verbrannte Habseligkeiten, auf dem Boden steht Wasser (Foto: Jörg Bergmann)

Dann klingelte auch schon eine Nachbarin und geleitete Ingrid S. und ihren Hund nach unten. „Das mit dem Feuer ist wirklich schrecklich. Nach den letzten Bränden habe ich schon gesagt, dass wir bestimmt bald dran sind“.

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Sarah H. (37) wohnt mit ihren Zwillingen Louis und Lion (16) in der 5. Etage: „Ich war mit meinen Kindern eingeschlossen“, sagt sie. „Wir hatten Angst und Panik, dass wir nicht mehr aus der Wohnung kommen. Gott sei Dank hat uns die Feuerwehr mit Masken evakuiert.“

Die zweifache Mutter Sarah H. (37) ist sich sicher, dass alle Brände einem Täter zuzuschreiben sind (Foto: Jörg Bergmann)
Die zweifache Mutter Sarah H. (37) ist sich sicher, dass alle Brände einem Täter zuzuschreiben sind (Foto: Jörg Bergmann)

Insgesamt zwölf Anwohner retteten die Einsatzkräfte aus dem Hochhaus. Eine Bewohnerin (47) kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus. Weitere Mieter wurden nicht verletzt.

Die Polizei ermittelt jetzt wegen schwerer Brandstiftung.

Ingrid S. (83) mit ihrem Hund Mäuschen. Die gehbehinderte Frau muss nun Treppen steigen, weil die Fahrstühle nicht mehr funktionieren (Foto: Jörg Bergmann)
Ingrid S. (83) mit ihrem Hund Mäuschen. Die gehbehinderte Frau muss nun Treppen steigen, weil die Fahrstühle nicht mehr funktionieren (Foto: Jörg Bergmann)

Zwei bis drei Monate gehe das jetzt schon mit den Bränden, sagt Sarah H.: „Ich bin fest davon überzeugt, dass es sich immer um den gleichen Feuerteufel handelt“, so die Mutter.

Ein Polizist und ein Anwohner stehen an der Tür zu den Kellern im Löschwasser der Feuerwehr (Foto: Jörg Bergmann)
Ein Polizist und ein Anwohner stehen an der Tür zu den Kellern im Löschwasser der Feuerwehr (Foto: Jörg Bergmann)

Die Flammen zerstörten nicht nur den Keller, sondern beschädigten auch Kabelleitungen. Deshalb funktionieren unter anderem die Fahrstühle nicht mehr.

Doch auf die ist Ingrid S. (83) angewiesen. Denn sie läuft an einem Rollator. Nun muss sie in nächster Zeit die drei Etagen nach oben laufen.