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Ansinnen des DFB-Chefs kanzelt Rummenigge als „kalter Kaffee“ ab

Das Gespräch mit Karl-Heinz Rummenigge bekam die Schlagzeile „Wir sind verletzbarer“. Der Chef des FC Bayern redete über großkotzige Profis, Tests in der Tiefgarage und ein Ende der gigantischen Transfersummen. Und er sprach in diesem Interview des „Spiegel“ gezwungener Maßen auch über die Spielergehälter, die in diesen Tagen durch die Münchener selbst wieder für Diskussionsstoff sorgten.

Sie verlängerten nach zähem Ringen von beiden Seiten den Vertrag ihres Weltklasse-Torhüters Manuel. Der 34-Jährige bekam zwar nicht die von ihm gewünschte Laufzeit, der Klub band ihn vorerst nur bis Sommer 2023. Doch beim Gehalt soll noch was obendrauf gekommen sein. Es hat wohl schon zuvor bei geschätzten 15 Millionen Euro gelegen.

DFB-Präsident Fritz Keller nun hatte zuletzt eine Gehaltsobergrenze im Profifußball gefordert und vorgeschlagen, Spielergehälter offenzulegen, damit eine gesellschaftliche Debatte über die Summen in Gang komme.

Rummenigge dagegenhält nichts von der Idee einer Veröffentlichung von Spielergehältern. „Das ist kalter Kaffee. Damit würden wir doch nur eine Neiddebatte anstoßen“, sagte er dem Magazin. Es sei „ja bekannt, dass die Spieler sehr viel Geld verdienen. Aber wenn wir das auf Heller und Pfennig veröffentlichen würden, dann hätten wir in den Mannschaftskabinen der Bundesliga und in der Öffentlichkeit eine schräge Diskussion. Wem täten wir damit einen Gefallen?“

Dabei gibt es manigfaltige Bestrebungen in diese Richtung, über den Verbandspräsidenten hinaus. Auch Liga-Chef Christian Seifert will sich mit Uefa-Boss Aleksander Ceferin für eine Gehaltsobergrenze einsetzen. Die DFL will zudem Kontakte zu EU-Politikern knüpfen, die Rede ist unter anderem von EU-Kommis- sionschefin Ursula von der Leyen.

„Interessant“, hält Rummenigge dem entgegen, aber er sei „schon vor zehn Jahren mit dem damaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini mehrmals in Brüssel bei den EU-Kommissaren. Michel hat jedes Mal die Idee eines Salary Cap nach amerikanischem Vorbild vorgetragen. Und er hat sich jedes Mal eine blutige Nase geholt, weil es mit der europäischen Wettbewerbsgesetzgebung nicht in Einklang zu bringen war. Vielleicht ist das jetzt nach Corona möglich. Das sollte dann aber auch unbedingt, nach dem Brexit, für die Premier League, die wichtigste Liga in Europa, gültig sein“.

DFB habe sich „zu einer Marketingmaschine entwickelt“

Weil darüber hinaus DFB-Präsident Keller noch von „Großkotzigkeit“ im Profifußball gesprochen hatte, was Rummenigge übel aufgestoßen war und ihn zu einer öffentlichen Breitseite gegen den Verband veranlasste, war das Gespräch noch mal eine willkommene Möglichkeit zur Nachjustierung. „Herr Keller hat mich am Dienstagmorgen angerufen, wir haben vereinbart, dass wir uns zeitnah treffen. Es mag in der Vergangenheit Fälle gegeben haben, in denen sich Spieler nicht vorbildlich benommen haben. Aber deshalb einen ganzen Berufsstand pauschal infrage zu stellen, das ist mir zu kurz gesprungen“, sagte Rummenigge.

Im Übrigen empfehle er dem DFB, „erst mal vor der eigenen Tür zu kehren. Ich nenne hier das Beispiel ,Die Mannschaft‘ und die oöffentliche Kritik, die darauf folgte. Der DFB hat sich ins besondere in den vergangenen Jahren zu einer Marketingmaschine entwickelt“.

Rummenigge mit DFB-Chef Fritz Keller Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL)

Rummenigge mit DFB-Chef Fritz Keller Anfang des Jahres beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL)

Quelle: dpa/Boris Roessler

Der FC Bayern selbst wird allem Anschein nach vorerst nicht mehr jeden Wahnsinn mitmachen. Der Klub hatte ja im vergangenen Sommer Philippe Coutinho vom FC Barcelona ausgeliehen und könnte ihn jetzt für 120 Millionen Euro kaufen.Ob so eine Summe heute vermittelbar wäre, wurde Rummenigge gefragt. Der beantworte es mit einer Neuigkeit: „Die Kaufoption ist abgelaufen, und wir haben sie nicht gezogen. Jetzt müssen wir erst einmal intern die Kaderplanung abschließen und sehen, ob er weiter eine Rolle bei uns spielen soll oder nicht.“ Das klingt nach Abschied.

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Überhaupt klang bei Rummenigge in dem Gespräch immer wieder zart durch, dass bei entsprechender Übereinkunft und Solidarität der europäischen Topklubs durchaus Vernunft bei Ablösesummen und Spielergehältern Einzug halten könne. Es bestehe durch die Verwerfungen der Coronakrise „eine Chance, wieder ein Stück Rationalität und damit auch mehr Stabilität einzuführen“, sagte der Münchener Vorstandsvorsitzende: „Erst mal finde ich, dass große Teile des Fußballs mit der Pandemie verantwortungsvoll und solidarisch umgegangen sind. Es ist eine neue Welt entstanden. Unsere Gesellschaft und auch der Fußball – wir sind verletzbarer geworden.“

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