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Arbeiten in Bremischer Bürgerschaft gehen voran

Unter Planen: Das Mobiliar des Plenarsaals soll vor Staub und Schmutz geschützt werden.

Unter Planen: Das Mobiliar des Plenarsaals soll vor Staub und Schmutz geschützt werden. (Frank Thomas Koch)

Wenn er zuletzt vor gut zwölf Monaten in der Bürgerschaft gestanden hat und nun wieder, fragt sich der Laie, was hier eigentlich während eines Baustellenjahres so passiert ist. Der Eindruck: Gar nicht so besonders viel, so sieht es zumindest aus. Wie damals liegen Wände und zum Teil auch Decken offen, man sieht Kabelstränge und Verschalungen, geht über nackte oder abgedeckte Böden. Zu hören sind Bohrgeräusche, untermalt von NDW-Hits aus dem Baustellenradio.

Der Déjà-vu-Moment bedeutet allerdings nicht, dass die Modernisierung des Parlaments in den vergangenen Monaten kaum vorangekommen ist. Im Gegenteil: Das Ende ist schon fast in Sichtweite. Die Decken und Wände, die ab Juli 2019 geöffnet wurden, um den in die Jahre gekommenen Brandschutz zu ersetzen, werden nun wieder geschlossen, verputzt und gestrichen. Im Sitzungssaal 2 zum Beispiel gibt die rechte Wand noch den Blick auf das Innere frei, die linke wird bereits gestrichen. „Mit dem Trockenbau und der Elektrik sind wir nahezu überall durch“, sagt Robert Lawrenz, Projektleiter von Immobilien Bremen, die für die Bauzeit die Schlüsselgewalt über das Gebäude hat.

„Wir sind im Zeitplan“

Im Dezember sollen die Mitarbeiter der Bürgerschaft nach und nach einziehen, ab Januar auch die Politik wieder an ihrem angestammten Platz tagen. „Wir sind im Zeitplan“, sagt Lawrenz. In etwa gehalten werden kann laut dem Projektleiter auch der Kostenrahmen. Veranschlagt waren etwa zehn Millionen Euro. „Möglich, dass es eine leichte Überschreitung gibt“, sagt Lawrenz. Das liegt ihm zufolge unter anderem daran, dass auf Wunsch der Polizei eine neue Funksenderanlage installiert werden musste. Das bisherige Signal sei zum Beispiel in der Tiefgarage und in Fahrstühlen zu schwach gewesen. Lawrenz: „Das hat uns einige Schweißperlen gekostet, weil diese Technik auch in die Decken und Hohlräume eingebaut werden musste.“ Aufgerüstet wird der 60er-Jahre-Bau von Wassili Luckhardt auch medientechnisch: Künftig soll überall im Haus ein stabiles WLAN vorhanden sein.

Der neue Brandschutz ist in vielen Decken schon fertig. Sie werden wie hier in einem der Foyers wieder verschlossen.

Der neue Brandschutz ist in vielen Decken schon fertig. Sie werden wie hier in einem der Foyers wieder verschlossen. (Frank Thomas Koch)

Im Plenarsaal sollte eigentlich bis auf ein paar technische Neuerungen, unter anderem eine Uhr am Präsidentenpult und eine neue Mikrofonanlage, nichts verändert werden. Im Moment sieht das Herzstück der Bremer Demokratie so aus, als hätten sich die Mitarbeiter des vor Kurzem verstorbenen Verpackungskünstlers Christo dort ausgetobt: Das Mobiliar ist mit blau-grauen Planen abgedeckt. „Ein schönes Bild“, sagt Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU) und lacht, korrigiert sich dann aber: „Nee, ist es eigentlich nicht.“ So froh die Bürgerschaft sei, dass sie mit der Messehalle 7 ein komfortables Corona-Ausweichquartier gefunden hat, so sehr freuten sich alle wieder auf zu Hause, sagt Imhoff. „Das ist wie bei einem Urlaub. Was anderes zu sehen ist mal schön, aber dann reicht es auch irgendwann.“

Plexiglasabdeckungen für den Infektionsschutz

Aufgrund der Pandemie wird es doch eine Änderung im Saal geben. Imhoff will Plexiglasabdeckungen seitlich und an den Fronten der Tische der Abgeordneten installieren lassen, als Schutz vor Infektionen. „Ich werde das mit den Fraktionen beraten“, sagt er. „In anderen Landtagen gibt es diese Schutzwände auch schon.“

Eigentlich steht das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz, Veränderungen sind also nicht mal eben so erlaubt. Für Architekt Martin Pampus von Schulze Pampus Architekten, der die Baustelle zusammen mit den Kollegen des Büros Campe Janda betreut, liegt gerade darin ein Reiz. „Wir müssen immer ausloten, was möglich ist“, sagt er. Die Türen in den öffentlichen Bereichen: original aus der Bauzeit, aber was den Brandschutz angeht, unbrauchbar. „Wir brauchten also jetzt neue Türen, die genauso aussehen wie die alten, die aber mehr können“, sagt Pampus. Worüber er sich am meisten freut? Wenn sich beim Neujahrsempfang, so es ihn denn geben wird, die Leute umgucken und so etwas sagen wie: „Dafür, dass die hier nur gestrichen haben, haben die so lange gebraucht?“ „Dann haben wir unsere Arbeit gut gemacht“, sagt Pampus.

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