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„Auf die Panik-Tube gedrückt“: Münchner Virologe Stöhr mit Seitenhieb auf Polit-Kommunikation

Von: Franziska Schwarz

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Virologe Klaus Stöhr am 1. Dezember 2021 im Gespräch mit „n-tv“.
Virologe Klaus Stöhr im Gespräch mit „n-tv“. © Screenshot: n-tv Mediathek

Forscher untersuchen noch, was es mit der Corona-Variante Omikron auf sich hat. Klaus Stöhr hält daher Abwarten für das Beste – und einen neuen Lockdown zunächst für „unsinnig“.

München - Omikron beherrscht seit gut einer Woche die internationalen Medien. Es gibt viele Fragen - und zahlreiche Wortmeldungen auch von deutschen Politikern zur neuen Corona-Variante. Wirken die Vakzine gegen die Mutation, und gibt es genug Impfstoff? „Wir haben Produktionskapazitäten, falls man den Impfstoff anpassen müsste. Das ist genug, um Europa fast fünf Mal zu impfen“, ließ Noch-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hören.

Funktioniert die internationale Zusammenarbeit, sobald eine neue Corona-Variante auftaucht? Die Welt habe bereits „Lernfähigkeit“ bewiesen, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und lobte Südafrikas „Analysearbeit und die Transparenz beim Teilen seiner Ergebnisse“.

Aber muss jetzt womöglich ein neuer genereller Lockdown her? FDP-Fraktionsvize Michael Theurer hielte den zur Stunde für „nicht sinnvoll“, schränkte aber ein, „neue Entwicklungen sowie Erkenntnisse“ über Omikron „sehr genau“ zu beobachten und mit „notwendigen, zielgerichteten“ Maßnahmen zu reagieren.

„In Deutschland ist seit der ersten Meldung der Erreger schon relativ weit verbreitet“, sagte jetzt auch der Münchner Virologe Klaus Stöhr im Gespräch mit n-tv. Dann ging er auf die Öffentlichkeitsarbeit der Politik ein: „Man hat auch doll wieder auf die Panik-Tube hier von Anfang an gedrückt“, befand er. „Es ist ja auch was Neues, das kann man auch verstehen.“

Dann sprach er aus epidemiologischer/virologischer/medizinischer Sicht. „Der Erreger hat das Potenzial, die Delta-Variante zu verdrängen – aber das wissen wir noch nicht abschließend.“ Ebenso wenig, ob Omikron bestimmte Altersgruppen stärker betrifft oder mit einer höheren Viruslast beim Einzelnen einhergeht. „Letztendlich kann es eine schlimme Beeinflussung geben – aber es kann auch sein, dass wir Weihnachten mit Delta verbringen und nicht mit Omikron“, so Stöhrs Fazit.

Auf die Frage nach einem bundesweiten Lockdown antwortete er: „Er würde helfen, die Leute zu verprellen, aber epidemiologisch unsinnig sein.“ Denn die Infektionslage sei zwischen den Bundesländern so unterschiedlich. „In einigen Regierungsbezirken ist das Ende der Fahnenstange erreicht, und sie versuchen, die Kontakte zu beschränken, keine Frage.“ Anderswo allerdings flache die Kurve schon wieder ab. Daher seien lokale Lockdowns zu erwägen, „aber nicht rasenmähermäßig durch die ganze Bevölkerungssituation“.  

Allerdings geht auch Stöhr von einer gewaltigen Herausforderung aus: „Der Winter wird hart, was die Zahl der Fälle betrifft. Aber: Es ist immer noch nicht angekommen, dass die Pandemie erst dann vorbei ist, wenn sich alle infiziert haben.“ Das sagte er vor gut drei Wochen im Podcast „Die Wochentester“. „Aber wir müssen das Boostern zu den Menschen bringen.“ (frs)

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