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Ausstellung im Kölner Museum Ludwig: „Warhol hat Facebook vorweggenommen“

Herr Dziewior, Herr Diederich, die Pop Art und das Museum Ludwig, das ist eine alte und glückliche Verbindung. Trotzdem die Frage: Wie kam es gerade jetzt zu Ihrer großen Andy-Warhol-Werkschau?

Dziewior: Wir haben eine der größten Pop-Art-Sammlungen außerhalb der USA und eine der zentralen Positionen darin ist Andy Warhol. Insofern liegt die Verbindung nahe, wobei unsere letzte Warhol-Ausstellung auch schon 30 Jahre zurück liegt. Vor etwa drei Jahren wurden wir von der Tate Modern in London gefragt, ob wir nicht Lust hätten, eine Warhol-Ausstellung zu übernehmen. Doch einfach nur etwas zu übernehmen macht für uns wenig Sinn, dazu haben wir selbst zu große Expertise im Haus. So haben wir dann gemeinsam mit den Londoner Kollegen überlegt, was interessiert uns heute an Andy Warhol? Wir wollten seine Kunst nicht als etwas Historisches und Abgehaktes zeigen, sondern als etwas, das dringende Positionen zu aktuellen Themen wie Migration oder kulturelle Identität enthält. Das ist umkämpftes Terrain, damals wie heute.

Hat der 1987 verstorbene Andy Warhol wirklich noch etwas zu den heutigen Debatten beizutragen?

Diederich: Ja, er war extrem hellsichtig und hat etwa die ganze Instagram-Kultur vorweggenommen. Warhol hatte einen sehr offenen Blick auf seine Umwelt und Mitmenschen, entsprechend offen ist auch sein Repertoire an Bestandsaufnahmen, die sich nicht nur in seinen Bildern, sondern auch in seinen Filmen und Fernsehshows zeigen.

Es gibt den Mainstream-Warhol der populären Warenästhetik und den Warhol der Underground-Filme. Wie gehen die beiden zusammen?

Diederich: Wir trennen das nicht und lassen in der Ausstellung beides ineinander übergehen. So wie bei Warhol ja auch alles immer zeitgleich stattgefunden hat. Wir zeigen seinen queeren Film »Sleep« inmitten seiner Gesellschaftsporträts, direkt neben dem silbernen Elvis und den Marilyns, und so geht es durch die gesamte, historisch gegliederte Ausstellung weiter, bis hinein in den DC Saal, wo wir seine Bilder der 80er Jahre mit seinen Fernseh-Talkshows kombinieren.

Dziewior: Unsere Ausstellung ist beinahe doppelt so groß wie in der Tate, deswegen können wir solche scheinbar nebensächlichen Arbeiten in unserem prominentesten Raum zeigen. Aber um auf Ihre Frage zu Warhols Aktualität zurückzukommen: Sie sehen am Anfang der Ausstellung seine Screentests, Probefilmaufnahmen mit Berühmtheiten wie Marcel Duchamps und Dennis Hopper, aber auch einem heute nahezu vergessenen afroamerikanischen Tänzer. Sie bekommen hier den bekannten Warhol der Stars, sehen aber auch: das Spektrum dessen, was ihn interessierte, war viel weiter. Er verhalf vielen »unsichtbaren« Menschen zu prominenter Sichtbarkeit, wie etwa den Dragqueens in der Serie »Ladies and Gentlemen«. Warhols Blick demokratisierte die Gesellschaft.

Meist wird Warhols besonderer Blick auf die Konsumgesellschaft aus seiner Herkunft aus der Arbeiterklasse hergeleitet. Muss dieses Bild revidiert werden? Welche Rolle spielten seine Homosexualität und sein Status als Einwandererkind?

Diederich: Es geht uns nicht um eine grundlegende Korrektur des Warhol-Bildes. Aber es sollte ergänzt werden. Warhol hat auf vielen verschiedenen Hochzeiten getanzt und gespielt, nur so konnte er seine große Maschinerie an Themen am Laufen halten.

Yilmaz Dziewior
Foto:

picture alliance/Oliver Berg/dpa

Dziewior: Es ist auch eine Qualität von Warhol, dass man ihn nicht auf ein Thema oder eine Rolle fixieren kann. Er war extrem produktiv, deshalb bekommen Sie bei uns auch den gesamten Warhol zu sehen. Wir zeigen teilweise Werke, die selbst in den USA kaum ausgestellt wurden und in Europa überhaupt nicht. Hier sind vor allem seine noch in Pittsburgh gemalten Gemälde zu nennen. Aber auch seine frühen Zeichnungen von Männern, die heute in ihrer Sensibilität unglaublich zeitgemäß wirken, die könnten auch von einem heutigen jungen Künstler sein. Ich glaube aber nicht, dass ein heterosexueller Künstler diese männlichen Akte hätte zeichnen können, so voller Begehren sind sie auf das Gezeigte.

Diederich: Bei den privaten Bezügen von Warhols Kunst war noch einiges unter der Decke. Aber wir machen keine reißerische These daraus. Es geht uns um einen Hintergrund, vor dem man seine Arbeit besser verstehen kann.

Dziewior: Sie können durch die Ausstellung flanieren und beispielsweise einfach die Schönheit seiner frühen Männerakte genießen. Wenn Sie tiefer gehen wollen, liegt dort aber auch ein »Life«-Magazin aus derselben Zeit aus. Darin gibt es einen Artikel über Homosexuelle im Kulturbetrieb, der viele Namen nennt und sich halbwegs neutral liest. Aber der letzte Satz lautet: »Wir müssen uns darüber klar sein, dass Homosexualität eine wirklich schwere Krankheit ist.« Sie verstehen dann, in welchem repressiven gesellschaftlichen Umfeld Warhols Zeichnungen entstanden sind.

Es gibt die Ansicht, der späte Warhol habe seinen Ausverkauf als Porträtist der Reichen und Schönen betrieben. Wie sehen Sie das?

Dziewior: Unsere Ausstellung widerlegt das. Es gibt etwa das späte Rorschach-Bild, das auf seine Weise mindestens so brilliant ist wie die frühe Marilyn. Natürlich ist im Spätwerk vieles anders, aber vom Ausverkauf weit entfernt.

Stephan Diederich
Foto:

Diederich: Wir zeigen ein Schatten-Bild aus den 70er Jahren, das ist grandiose Malerei, auch handwerklich. Und in derselben Zeit sind die Piss-Paintings entstanden, die noch einmal einen ganz speziellen, spielerischen Kick in Warhols Auseinandersetzung mit der abstrakten Malerei bringen. Einerseits spielt er meisterlich auf der Klaviatur des Künstlerischen und dann bricht und hinterfragt er genau dieses Künstlerische wieder. Dieses Doppelspiel zieht sich durchs gesamte Werk und gewinnt in den späten Jahren sogar noch an Raffinesse.

In den 1980er Jahren wurde Warhol von der Kunstkritik teilweise nur noch naserümpfend betrachtet. Das hat sich mittlerweile vollkommen geändert. Ist die Zeit erst jetzt wirklich reif für den ganzen Warhol?

Dziewior: Jede Zeit ist reif für Warhol, weil er so vielschichtig ist. Aber es gibt heute auch viel mehr Informationen über ihn. Die Forschung geht weiter, die Archive sind besser aufgearbeitet, so entsteht ein komplexeres Bild. Und Warhol hat, wie schon gesagt, vieles vorweggenommen, was uns heute beschäftigt: die Celebrity-Kultur, Instagram, Facebook, die neuen Medien. Er war einer der ersten, der das Fernsehen für künstlerische Produktionen nutzte, was gar nicht so bekannt ist. Das ist ja auch die Aufgabe eines Museums: Einerseits die Wünsche des Publikums zu erfüllen, nach dem Motto »Ihr wollt die Marilyn, da habt ihr die Marilyn«. Aber natürlich wollen wir den Menschen darüber hinaus auch etwas zeigen, was sie vielleicht noch nicht kennen.

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