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Baerbock bei ProSieben: „Braucht man dafür Eierstöcke?“

Am Abend nach der Verkündung ihrer Kanzlerkandidatur tritt Grünen-Chefin Annalena Baerbock im Privatfernsehen auf. Zu ihrem Vorteil dürfte die Sendung kaum gewesen sein. Eine Einordnung.

Dem Privatsender ProSieben ist – auf den ersten Blick – ein Coup gelungen. Die erste Kanzlerkandidatin in der über 40-jähirgen Geschichte der Grünen kommt am Abend zur Primetime zum ersten Live-Interview nach der Verkündung in einen schick ausgeleuchteten Saal, hippe Ledersessel, junge Fragesteller. Die Moderatorin und Schauspielerin Katrin Bauerfeind (38) und Thilo Mischke (40) treffen auf Annalena Baerbock (40), um über ihre Kandidatur für das höchste Regierungsamt in Deutschland zu sprechen, über ihre politischen Positionen, ihr Verhältnis zu Co-Parteichef Robert Habeck nach der Entscheidung der K-Frage und wie sie ohne jegliche Regierungserfahrung das Kanzleramt gut führen will. So weit so vielversprechend.

Doch was Parteistrategen möglicherweise als gute Gelegenheit für mehr Bekanntheit der Kandidatin  in einer jungen Wählergruppe erdacht hatten, wirkt am Ende besonders unvorteilhaft für den Sender – und für Baerbock selbst. Das liegt an der Art der Gesprächsführung, die oft im Plauderton bleibt, an Fragen, die an der Oberfläche kratzen, nicht aber nachhaken, wenn Baerbock etwas ins Schwimmen gerät. Beim Thema teurer Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen etwa oder bei einer angemessenen Höhe von Pflegegehältern. So verpassen Bauerfeind und Mischke die Chance, Baerbock zu stellen, ihr Ungereimtheiten vorzuhalten, ihre Fachkenntnis und Schlagfertigkeit – und damit auch ihre Eignung als Kanzlerkandidatin – zu prüfen. Baerbock wiederum bekommt Zeit, um das neue Mantra der Grünen zu wiederholen: Wie konsequenter Klimaschutz für eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad in ein Konzept mit Industrie- und Sozialpolitik passt. Doch das betont auf Lockerheit angesetzte Format stößt dabei an seine Grenzen, Baerbock kann nicht lang genug ausführen, wird unterbrochen, zum nächsten Thema gejagt. Und schafft es in der Sendung wohl auch nur bedingt, das wichtige strategische Ziel der Grünen zu verfolgen, nämlich neue Wählergruppen anzusprechen. Pendler vom Dorf, Industriearbeiter, sogar Kohlekumpel nehmen die Grünen in den Blick. Alle Versuche von Bauerfeind und Mischke, Baerbock ein neues Verbot zu entlocken, um das Bild der Grünen als Verbotspartei auszumalen, scheitern jedoch. Baerbock umschifft Fragen, vermeidet klare Aussagen, das schadet in der Sendung auch ihr. Inlandsflüge verbieten? Keine klare Aussage. Massentierhaltung verbieten? Keine klare Aussage. Nur im Punkt eines Verbots von Verbrennungsmotoren nennt sie das Datum 2030 als gewünschtes Ende für Benzin- und Dieselautos in der Neuzulassung. 

Wirklich peinlich wird es aber, als Bauerfeind von Baerbock wissen will, ob sie als völlig Unerfahrene im Regierungsgeschäft nicht Angst vor einem Aufeinandertreffen mit Machthabern wie Russlands Präsident Putin habe. Ob es dazu Eier oder in ihrem Fall Eierstöcke brauche, will Bauerfeind wissen. Baerbock sagt was von Respekt vor der Aufgabe, dass sie es sich aber zutrauen würde. Und wirkt kurz verdattert. Ob Putin ein Mörder sei, will Mischke von ihr wissen. Baerbock weicht aus, antwortet schwammig, diplomatisch. Von außen betrachtet könne man das so nicht sagen, Putin trage aber Verantwortung für ein Regime, das im Fall Nawalny einen Menschen töten wollte, sagt Baerbock. An anderer Stelle will Bauerfeind wissen, ob ihr nicht der „Arsch auf Grundeis“ gehe, ob sie jetzt den Jumbojet fliege, statt nur den Tomatensaft auszuschenken. Baerbock ist anzumerken, wie wenig sie mit dem Stil anfangen kann.

Ihr liegen kontroverse Debatten und Antworten auf harte Nachfragen von Journalisten weitaus besser. Baerbock, das immerhin ist eine Erkenntnis aus dem Interview, wird es nicht immer leicht haben, junge Zielgruppen für sich zu erschließen. Ihr fehlt die Lockerheit an bestimmten Stellen. Doch zugleich lässt sie einige private Einblicke zu. Räumt ein, dass ein Tross aus Sicherheitsleuten, der ihr seit der Verkündung der Kanzlerkandidatur zur Seite steht, eine Art Privileg sei, wenn die Debatte auch mal rauer werde. Dass Dienstwagen und andere Statussymbole etwas machen würden mit den Menschen. Und dass sie bei allem Einsatz in der Spitzenpolitik auch weiterhin Mutter sein wolle, die für ihre beiden Kinder im Grundschulalter da ist. Baerbocks Machtinstinkt und Wahlkampfhunger kommen im selben Moment wieder durch, als sie dies in einen persönlichen Vorteil gegenüber SPD-Kandidat Olaf Scholz oder andere ummünzt. Ihre Botschaft: Sie habe noch Ahnung davon, wie das echte Leben in Kita und Schule aussieht. Sie habe Bodenhaftung, die sie sich bewahren wolle. Und Angst vor dem Amt habe sie nicht, weil sie es ja nicht alles allein machen müsste.

Baerbock kann Punkte sammeln, glänzen kann sie an diesem Abend aber kaum. Und so ist das als Coup angekündigte Format des Privatsenders am Ende wohl weniger geeignet für einen gelungenen Auftakt der Kanzlerkandidatur. Als am Ende die Interviewer ihrem Interviewgast auch noch zuklatschen und sagen, das sei toll gewesen, dürften das selbst die Parteistrategen so gesehen haben.

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