Die Hauptstadt zieht einen Strich unter das Prostitutionsverbot! Käufliche Liebe wird auch in Zeiten von Corona wieder möglich. Der rot-rot-grüne Senat beschloss am Dienstag eine „stufenweise Aufhebung für sexuelle Dienstleistungen mit Körperkontakt“.

von Hildburg Bruns und Sabine Klier

Der Druck war groß: Webcaming und Telefonsex komme für viele Sex-Arbeitende nicht in Frage. Die technischen Voraussetzungen würden fehlen und die Konkurrenz sei zu groß.

Im Hinblick auf die oft sehr prekäre Situation von Sexarbeiterinnen seien Lockerungen in dem Bereich „aus gesundheits-, aber auch aus frauenpolitischer Sicht“ geboten, hieß es.

„Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Betroffenen aufgrund wirtschaftlicher Notlagen in Abhängigkeitsverhältnisse geraten und im Verborgenen unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen ihrer Tätigkeit nachgehen.“

Felicitas Schirow (63) fürchtete wegen des monatelangen Berufsverbotes, ihre Stammkunden zu verlieren (Foto: Guenther)
Felicitas Schirow (63) fürchtete wegen des monatelangen Berufsverbotes, ihre Stammkunden zu verlieren (Foto: Guenther)

Auch die Prostituierte Alex (45) aus Charlottenburg schaffte in den letzten Monaten heimlich an. „Ich habe trotz des Lockdowns meine Stammgäste getroffen – regelmäßig“, sagt sie.

Was ist ab wann wieder offiziell erlaubt? Der Stufenplan von Gesundheitssenatorin Dilek Kalyci (SPD):

► Ab Sonnabend (8. August) dürfen die Bordelle wieder öffnen. Erlaubt sind zunächst sexuelle Dienstleistungen OHNE Geschlechtsverkehr. Das bedeutet: Möglich sind erotische Massagen, Fesselspiele, verwandte Sexualpraktiken. Kunden und Sex-Personal müssen Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

► Ab 1. September: Auch Geschlechtsverkehr ist wieder möglich – weiterhin unter strengen Hygiene-Auflagen.

„Wir sind stolz darauf, dass Berlin Vorreiter ist“, sagt Domina Johanna Weber (52) (Foto: Charles Yunck)
„Wir sind stolz darauf, dass Berlin Vorreiter ist“, sagt Domina Johanna Weber (52) (Foto: Charles Yunck)

„Wir sind stolz darauf, dass Berlin Vorreiter ist. Ich gehe davon aus, dass alle Bordelle jetzt mit Massagen anfangen“, so Domina Johanna Weber (52) vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen.

Bordell-Chef Mario Feldmann (50, „New Van Kampen“): „Monatlich habe ich 18 000 Euro Festkosten, da war die Soforthilfe nichts. Die Hygieneauflagen mit Desinfektionsmitteln, Reinigen der Zimmer nach jedem Besuch, Austauschen der Bettwäsche halten wir ein. Und die Gäste kommen mit Mundschutz.“