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Bürgermeister zerbrechen sich den Kopf: Was tun gegen den Besucheransturm?

Der Sommer war schlimm: Der coronabedingte Overtourismus brachte viele Kommunen im Voralpenland an die Schmerzgrenze. Was kann man dagegen tun?

Münsing/Berchtesgaden – Bei aller Gastfreundlichkeit: Der Massenansturm der Ausflügler in diesem Jahr verursachte auch bei einigen Münsingern „einen g’scheiden Grant“. Das berichtete die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Tourismus Münsing, Susanne Huber, in der jüngsten Sitzung ihren Gemeinderatskollegen. Rathauschef Michael Grasl, zugleich Bürgermeistersprecher im Landkreis, nahm dieser Tage an einer Videokonferenz zu diesem Thema teil. Die Bürgermeister der Alpenrand-Gemeinden zwischen Lindau und Berchtesgaden saßen zusammen, um gemeinsam an einer Lösung gegen den Besucheransturm in ihren Regionen zu arbeiten. Bürgermeister Franz Rasp aus Berchtesgaden hat das virtuelle Treffen in einer Pressemitteilung zusammengefasst.

In diesem Sommer unternahmen coronabedingt besonders viele Gäste Ausflüge in die bayerischen Alpen. Dabei kam es vielerorts zu Problemen durch Staus, widerrechtlich parkende Autos und Müll. „Wir sind gerne Gastgeber und freuen uns über alle Besucher, die zu uns kommen. Aber wir müssen uns darum kümmern, dass dabei die Lebensqualität der Einheimischen und die Aufenthaltsqualität für unsere Gäste nicht leidet“ betont Franz Rasp, der auch Mitglied des Bayerischen Gemeindetags ist.

Whatsapp über die Situation an Ausflugszielen?

Derzeit gebe es viele Initiativen, die parallel nebeneinander liefen, sagt er. Die Gemeinden bräuchten für ihre tägliche Arbeit aber auch aufeinander abgestimmte Konzepte. Das könnte zum Beispiel eine überörtliche, bedarfsgerechte Besucherlenkung sein. Bürgermeister Michael Grasl hatte dazu im Gemeinderat im Anschluss an Susanne Hubers Bericht vorgeschlagen, über den Rundfunk, über Hinweisschilder bereits am Luise-Kiesselbach-Platz in München oder auch über WhatsApp über die Situation an den Ausflugszielen zu informieren. Laut Pressemitteilung arbeitet das bayerische Wirtschaftsministerium daran.

Bayrischzells Bürgermeister Georg Kittenrainer berichtete von den Bayrischzell-Rangern, die an den Wanderparkplätzen freundliche Benimm-Hinweise für den Aufenthalt in den Bergen an die ankommenden Ausflügler verteilten. Dieses Beispiel könnte in anderen Gemeinden Schule machen und die oft durch Unwissenheit verursachten Konflikte mit der Natur oder den Almbauern entschärfen.

Für „Wildcamper“, die leider oft Müll hinterlassen, soll eine für Bayern einheitliche Handreichung erstellt werden, die den Gemeinden als eine Art Gebrauchsanweisung für die Schaffung von Wohnmobilstellplätzen dienen kann. Durch ein entsprechendes Angebot könnte man dann auch die Verbote besser vermitteln, so die Videokonferenz-Teilnehmer.

Nicht jede Kommune muss das Rad neu erfinden

Der Unmut bei den Bürgern in den vom „Overtourism“ betroffenen Gemeinden ist vielerorts nicht mehr zu überhören. In diesem Zusammenhang soll die Kooperation mit der Fakultät für Tourismus-Management an der Technischen Hochschule Kempten gesucht werden, die auf dem Gebiet des Zusammenlebens von Einheimischen und Gästen forscht.

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Die Gemeindevertreter kamen überein, dass sie den begonnenen Erfahrungsaustausch fortführen wollen. Es müsse nicht jede Kommune das Rad neu erfinden, sagt Franz Rasp. Vor der nächsten Sommersaison wollen die Bürgermeister erste konkrete Maßnahmen präsentieren.

Dem kommenden Winter sehen sie mit Sorge entgegen. Das Ausflugsverbot nach Österreich werde die Situation mit den Tagesausflüglern an Weihnachten eher verschärfen als entlasten, befürchten sie. Bürgermeister Grasl sagt, schon jetzt zeichne sich eine starke Nachfrage nach Tourenski-Ausrüstungen ab, weil die Skilifte vorerst geschlossen bleiben.

Einheimische sind ziemlich „grantig“

Licht und Schatten liegen nah beieinander im Bereich Tourismus. Das machte die Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Tourismus Münsing und Gemeinderätin Susanne Huber mit ihrem Bericht im Gemeinderat deutlich. Auf der einen Seite bescheren Tages- und Übernachtungsgäste dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen jährlich rund 335 Millionen Euro an Einnahmen. 4700 Vollzeitarbeitsplätze und 100 von insgesamt 700 Lehrstellen im Landkreis hängen am Tourismus. Auch Menschen mit geringerer Schulbildung oder mit Beeinträchtigungen finden im Hotel- und Gaststättengewerbe oftmals eine Anstellung. Huber erinnerte daran, dass es viele Angebote wie Radwege, Berghütten und -bahnen oder Langlaufloipen, von denen auch die Einheimischen profitierten, ohne den Fremdenverkehr nicht gäbe. Gaststätten, Cafés und Hotels seien ebenso auf die Urlauber angewiesen wie viele andere Branchen.

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Um die Gastronomie während des Lockdowns zu unterstützen, schlägt Huber vor, dass Betriebe an Stelle ihrer Weihnachtsfeiern den Mitarbeitern Verzehrgutscheine für die örtlichen Lokale schenken, in denen die Feiern stattgefunden hätten.

Auf der anderen Seite, so Huber über die Schattenseiten des Tourismus, hätten die Tagesausflügler seit Beginn der Corona-Pandemie speziell am Seeufer ein Ausmaß angenommen, „das selbst den wohlwollendsten Einheimischen einen g’scheiden Grant verursacht“. Zumal sich viele Besucher rücksichtslos verhielten (wir berichteten). Die örtliche Tourismus-Chefin glaubt, dass hier Maßnahmen zur Regulierung dringend erforderlich wären. Ein kleiner Schritt, die „Hotspots“ zu entlasten, könnten Tourenvorschläge zu weniger frequentierten Zielen sein.

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