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China rüstet auf und überholt Amerika auf einigen Gebieten

Über die chinesischen Verteidigungsausgaben gibt es viele unterschiedliche Angaben: offizielle, geschätzte, in Fremdwährungen umgerechnete. Das führt zu Zahlen, die sich teilweise deutlich unterscheiden. Nur eines ist unstrittig: China gibt immer mehr für die Rüstung aus, und das nun schon seit Jahrzehnten. Nach Berechnungen der amerikanischen Regierung hat sich der chinesische Verteidigungshaushalt von 2010 bis 2019 fast verdoppelt.

Selbst in der Pandemie gingen die Zuwächse nur geringfügig zurück, im Haushaltsjahr 2021 ist noch eine Steigerung von 6,8 Prozent auf 1,355 Billionen Yuan vorgesehen. Das sind etwa 174 Milliarden Euro. China belegt damit weltweit den zweiten Platz, nur die Vereinigten Staaten geben noch (erheblich) mehr für ihre Streitkräfte aus.

Diese Entwicklung hat ein erklärtes Ziel. Im Jahr 2049 will China über ein Militär „von Weltrang“ verfügen. Was genau das ist, hat die Partei nicht öffentlich dargelegt. Es gehört aber nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, was gemeint ist. China möchte militärisch mit Amerika gleichziehen. Die Volksbefreiungsarmee soll so stark sein, dass sie sich gegen andere große Mächte durchsetzen kann.

Bessere Luftverteidigung

Das spiegelt sich auch in der Stoßrichtung der Modernisierung wider. Wie in vielen Entwicklungsländern waren die chinesischen Streitkräfte vor zwanzig Jahren im Wesentlichen für den Landkrieg an den eigenen Grenzen ausgelegt. Heute wird daran gearbeitet, alle militärischen Fähigkeiten und jede Teilstreitkraft auf den international üblichen Stand zu bringen, von Heer, Marine und Luftwaffe bis zu Cyber und Weltall. Vor allem die Mechanisierung und die Digitalisierung stehen im Vordergrund.

Bis zum Jahr 2049 ist es noch ein Weile hin. Trotzdem hat China die Weltmacht Amerika schon auf einigen Feldern überholt, wie das amerikanische Verteidigungsministerium in seinem jüngsten Jahresbericht an den Kongress festhielt. Eines davon ist die maritime Rüstung. China hat seit ein paar Jahren die größte Kriegsmarine der Welt mit knapp 360 Schiffen, unter ihnen zwei Flugzeugträger und sechs Atom-U-Boote für ballistische Raketen. Die amerikanische Marine umfasst nur knapp 300 Schiffe. Sie bringt allerdings mehr Tonnage ins Wasser, hat also größere und besser bewaffnete Schiffe. So verfügt Amerika über 113 Kreuzer, Zerstörer und Fregatten, China nur über 78. Aber die Volksrepublik hat einen Vorteil bei kleineren Schiffen wie Korvetten, die in Küstennähe eine wichtige Rolle spielen.

Militärparade zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes 2015 in Peking

Militärparade zum 70. Jahrestag des Weltkriegsendes 2015 in Peking : Bild: Reuters

Noch weiter ist Amerika bei den landgestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern zurückgefallen. In der vor allem für regionale Konflikte wichtigen Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern verfügt China über mehr als 1250 Waffen. Amerika hat dagegen nur Raketen im Bereich von 70 bis 300 Kilometern und keine Marschflugkörper. Da macht sich der INF-Vertrag bemerkbar, der den Vereinigten Staaten und Russland seit den achtziger Jahren den Besitz von Mittelstreckenraketen untersagte. Als Präsident Trump den Vertrag 2019 wegen russischer Verstöße kündigte, verlangte er ein neues Abkommen unter Einbeziehung Chinas. Hintergrund sind diese Zahlen.

Schließlich hat China die Amerikaner auch in der integrierten Luftverteidigung überholt. Nach Einschätzung des Pentagons besitzt die Volksrepublik mittlerweile eine der „weltweit größten Streitkräfte von fortgeschrittenen Boden-Luft-Systemen mit langer Reichweite“. Dazu gehören neben chinesischen Fabrikaten auch die russischen Flugabwehrsysteme S-300 und S-400, die als leistungsstark gelten.

Amerika setzt auf Verbündete

Das hat schon heute Folgen für das militärische Gleichgewicht in Asien. Die beiden wichtigsten Szenarien liegen auf der Hand. Der Ausbau der Marine kommt China bei den diversen Territorialkonflikten im Ost- und im Südchinesischen Meer zugute, die Raketen gegenüber Taiwan. Offenbar hat sich China erst einmal darauf konzentriert, militärische Mittel zu beschaffen, um in den Großkonflikten vor der eigenen Haustür die Oberhand zu gewinnen.

Nukleargetriebenes chinesisches U-Boot der Jin-Klasse

Nukleargetriebenes chinesisches U-Boot der Jin-Klasse : Bild: AP

Das scheint zumindest auf dem Papier schon ganz gut zu klappen. Der amerikanische Fernsehsender NBC berichtete kürzlich von Planübungen, in denen amerikanische Offiziere den Verlauf einer chinesischen Invasion in Taiwan durchspielten. Das Ergebnis sei ernüchternd gewesen, die Amerikaner hätten oft verloren. Die taiwanische Luftwaffe sei innerhalb von Minuten ausgeschaltet, die amerikanischen Stützpunkte im Pazifik seien angegriffen, amerikanische Schiffe und Flugzeuge von den chinesischen Raketen auf Abstand gehalten worden.

Auch wenn das nur Simulationen sind, zeigen sie den Wandel, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten vollzogen hat. Im Jahr 1996 konnte Präsident Clinton eine akute Krise zwischen Peking und Taipeh noch beenden, indem er einen Flugzeugträger in die Straße von Taiwan schickte. Heute stellt sich die Frage, ob er da im Ernstfall überhaupt hinkommen würde.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass China vorhat, diesen Weg in absehbarer Zeit zu verlassen. Im neuen Fünfjahresplan bis 2025 wird vor allem die Stärkung des Heeres als Ziel genannt. Im amerikanischen Militär werden diese Entwicklungen sehr genau verfolgt, und sie haben zu einem neuen Interesse an Verbündeten geführt. Der Befehlshaber des Indo-Pazifik-Kommandos zählte kürzlich in einer Senatsanhörung auf, mit wem Amerika in Asien zusammenarbeitet. Auf einer langen Liste, die von Kanada bis Sri Lanka reicht, wurde auch Deutschland aufgeführt. Als „höchst sichtbare Demonstration“ des Willens, für die internationale regelbasierte Ordnung einzutreten, werde Deutschland 2021 und 2022 eine Fregatte in die Region entsenden, vermerkte der amerikanische Admiral.

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