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Clubs bleiben offen, aber Tanzen verboten: „Kapitulation vor der Pandemie“ in Berlin?

Von: Andreas Schmid

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Partygäste eines Berliner Clubs.
In Berlin tanzen Menschen in einem Club. Bald ist das nicht mehr erlaubt © Sophia Kembowski/dpa/Symbolbild

In Berlin werden wie in ganz Deutschland die Corona-Regeln verschärft. Das betrifft auch Clubs und Diskotheken. Eine Beschränkung sticht dabei besonders hervor.

Berlin - Clubs bleiben offen, aber Tanzen ist verboten. Diese Regel gilt tatsächlich schon bald in Berlin. Wie überall in Deutschland werden auch in der Hauptstadt die Corona-Regeln verschärft. In Clubs und Diskotheken darf ab 8. Dezember nur gegessen und getrunken werden. Tanzlustbarkeiten, wie der Berliner Senat das Feiern in den Partylokalitäten nennt, sind untersagt.

„Aufgrund noch zu klärender rechtlicher Fragen wird das Berliner Partyleben noch nicht gänzlich untersagt, aber es darf nicht mehr getanzt werden“, sagte der Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler (SPD). Hintergrund sind Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels, wonach ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 350 Clubs und Diskotheken schließen müssen. Berlin verzeichnet derzeit rund 360,7 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Im Bund muss allerdings erst noch das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Heißt: Die Regel „Feiern ja, Tanzen nein“, könnte schon bald gekippt werden. Für den Moment sorgt sie allerdings für Irritationen ob der Sinnhaftigkeit der Maßnahme.

Die Berliner Clubcommission kritisierte die verschärften Corona-Regeln deutlich. Clubcommissions-Sprecher Lutz Leichsenring sprach gegenüber dem rbb von einer Kapitulation vor der Pandemie. Es gebe nach wie vor keine Konzepte, wie gesellschaftliches Leben auch unter Corona-Bedingungen möglich sein könne. Leichsenring äußerte zudem die Sorge, dass durch die Verschärfungen vermehrt im privaten Bereich gefeiert werden würde.

Die neuen Corona-Regeln, auf die sich Bund und Länder geeinigt hatten, werden in Berlin ab kommendem Mittwoch gelten. Es handele sich um „erhebliche Einschränkungen für Ungeimpfte“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag nach einer Sondersitzung des Senats. „Wir müssen Gefahren reduzieren, wo es nur geht.“ Zu den neuen Reglungen gehören auch Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte. Demnach reduziert sich die Teilnehmerzahl bei privaten Treffen, sobald ein Umgeimpfter dabei ist, auf zwei Haushalte.

Auch eine niedrigere Obergrenze bei Großveranstaltungen wurde beschlossen. Im Freien sind dann nur noch höchstens 5000 Teilnehmende, in geschlossenen Räumen 2500 erlaubt. Dies sei „nochmal eine deutliche Reduzierung“ im Vergleich zu der beim Bund-Länder-Treffen beschlossen Obergrenze, erklärte Müller. Damit sollten auch die Kontakte im Umfeld solcher Veranstaltungen, also zum Beispiel im Nahverkehr, reduziert werden.

Für den Fußball in Berlin bedeutet das eine deutliche Reduktion der Zuschauerzahl. Betroffen sind Hertha BSC und Union Berlin. In das 74.000 Zuschauer fassende Berliner Olympiastadion sowie ins Unioner Stadion an der Alten Försterei (Kapazität: 21.717) dürfen dann lediglich 5000 Fans kommen. Hertha reagierte verstimmt auf das Urteil und teilte mit Verweis auf das 2G-Konzept im Stadion sowie geltende Abstands- und Maskenregeln mit: „Eine weitere Reduzierung auf 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer durch den Senat in Berlin erachten wir als eine wenig maßvolle Entscheidung, die wir nicht nachvollziehen können.“ Auch Union Berlin zeigte wenig Verständnis für die neue Verordnung (siehe Video).

Neu beschlossen wurde zudem eine ergänzende 3G-Regel für den öffentlichen Nahverkehr, nach der die Maskenpflicht dann auch zusätzlich auf Bahnsteigen gilt. Es hätten nur wenige Dinge angepasst werden müssen, sagte Müller. Viele der von der Ministerpräsidentenrunde beschlossenen Maßnahmen seien in Berlin schon früher umgesetzt worden. Er habe mit den Neuregelungen „die Hoffnung, dass wir gut durch die Winterzeit kommen.“ Bars, Kneipen und auch Weihnachtsmärkte dürfen unter Bedingungen öffnen. Dazu, ob auf diesen Veranstaltungen getanzt werden darf, machte der Berliner Senat keine Angaben. (as/AFP)

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