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Corona: Schwedischer Drosten schimpft: „Zu glauben, dass Masken unser Problem lösen können, ist ... “

Anders Tegnell steht federführend für den Sonderweg, den das Land eingeschlagen hatte. Der Staatsepidemiologe verteidigte seine Strategie nun. . 

Schweden ging in der Corona-Pandemie einen Sonderweg. Nach aufkommender Kritik will Staatsepidemiologe Anders Tegnell an seiner Strategie festhalten. Von einer Maskenpflicht hält der 64-Jährige indes überhaupt nichts.

Stockholm - Er ist der schwedische Christian Drosten, das skandinavische Pendant als Topvirologe des Landes - Anders Tegnell. Wie Drosten genießt derzeit auch der Mann aus der Universitätsstadt Uppsala ungewohnte Aufmerksamkeit. Die Corona-Pandemie hat den Fokus auf die Wissenschaft eben weltweit enorm erhöht. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen den beiden Forschern: Während Drosten in Deutschland für den teils harten Kurs samt Lockdown mitverantwortlich war, steht Tegnell federführend für den schwedischen Sonderweg. Der Staatsepidemiologe setzte mehr auf Eigenverantwortung statt harte Maßnahmen. Lockerheit statt Lockdown.

Dieses im europäischen Vergleich quasi einmalige Handeln polarisierte. Kritiker warfen Tegnell vor, die Lage zu unterschätzen und argumentierten mit einer hohen Sterberate sowie einem deutlich ausfallenden Skandinavien-Vergleich. Auch wenn man sich die Sterberate pro 100.000 Einwohner ansieht, kommt Schweden eher schlecht weg. Während in Deutschland statistisch gesehen 11 Personen pro 100.000 Einwohnern an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung sterben, sind es in Schweden 56 und damit fünfmal mehr. (Stand: 6. August).

Corona in Schweden: Die Strategie bleibt gleich - „Resultat von Masken erstaunlich schwach“

Mittlerweile sinken in Schweden jedoch zumindest die Infektionszahlen wieder. So zählte das rund 10-Millionen-Einwohner-Land am 24. Juni etwa noch 1.803 neue Corona-Fälle pro Tag. Mittlerweile sind es weniger als 400 Neuinfektionen (Quelle: Johns Hopkins-Universität) . Die Lage ist also vergleichsweise entspannt, Zeit für Anders Tegnell ein kleines Fazit zu ziehen. In einem Interview mit der Bild (Artikel hinter Bezahlschranke) verteidigte der 64-Jährige seine Strategie und lieferte erneut einige Aussagen, die man von so manchem seiner europäischen Berufskollegen wohl eher nicht hören würde.

„Zu glauben, dass Masken unser Problem lösen können, ist sehr gefährlich.“

So sagte Tegnell, der im Land einen hohen Status innehat, etwa zu einer allgemeinen Maskenpflicht im Land: „Das Resultat, das man durch die Masken erzeugen konnte, ist erstaunlich schwach, obwohl so viele Menschen sie weltweit tragen. Es überrascht mich, dass wir nicht mehr oder bessere Studien darüber haben, welche Effekte die Masken tatsächlich herbeiführen. Länder wie Spanien oder Belgien haben ihre Bevölkerung Masken tragen lassen – trotzdem gingen die Infektionszahlen hoch. Zu glauben, dass Masken unser Problem lösen können, ist jedenfalls sehr gefährlich.“

Corona in Schweden: Land lässt Schulen geöffnet - „machte keinen Unterschied“

Auch in puncto Schulschließungen hat der Staatsepidemiologe eine klare Meinung: „Wir sind sehr glücklich, dass wir unsere Schulen geöffnet lassen konnten. Kinder in Schweden hatten dadurch die Möglichkeit, weiter zur Schule zu gehen. Unsere finnischen Kollegen entschieden sich wie Deutschland für eine Schulschließung, wir ließen sie dagegen geöffnet.“ Negative Konsequenzen hätten sich daraus nicht ergeben, denn „anhand der Daten, die uns vorliegen, können wir nicht sagen, dass das irgendeinen Unterschied für die Pandemie als solche gemacht hat.“

tvätta händerna - wasche deine Hände. Tegnell als Ikone auf einem Plakat vor einem Restaurant in Stockholm. Die Gastronomie in Schweden darf nahezu uneingeschränkt geöffnet sein.

Corona in Schweden: Tegnell bleibt beim Sonderweg: „Es ist Tradition, dass wir dem Einzelnen viel Verantwortung geben“

Wie bereits einige Wochen zuvor im schwedischen Fernsehen gab sich Tegnell jedoch auch selbstkritisch. Er sprach vor allem die hohen Todeszahlen der älteren Bevölkerung an: „Unser großes Versagen lag im Bereich der Langzeit- und Altenpflege. Die regionalen Ämter hätten besser vorbereitet sein müssen, dann hätte es weniger Tote gegeben.“

Führende Wissenschaftler weltweit* befürchten indes, dass es im (Spät-)Herbst zu einer zweiten Infektionswelle kommen könnte. Sollte dieses Szenario eintreten, werden Schweden und Tegnell wohl erneut auf Freiwilligkeit setzen, denn „es ist schwedische Tradition, dass wir dem Einzelnen viel Verantwortung geben.“ (as) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Video: Anders Tegnell als Corona-Tatoo - „das Gesicht 2020“

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