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Corona-Studie im Fußball-Stadion: Sie bislang fast nichts wissen

Den Mut zur Lücke zu haben ist das eine. Das auch einzugestehen noch mal etwas anderes. Tim Meyer war so frei, als er am Donnerstag sagte, dass „fast gar kein Wissen vorhanden ist“, dafür aber „relativ viel Meinung und Spekulation“ – und das in der Frage, die den Fußball mehr als alles andere beschäftigt vor dem Anpfiff der 58. Bundesligasaison an diesem Freitag.

Wie sich das Virus im Stadion verhält und was das für die nun zumindest teilweise zugelassenen Zuschauer bedeutet, ist weitgehend unbekannt. Das Votum der Länder, die Stadien bis zu 20 Prozent ihrer (bestuhlten) Kapazität zu öffnen, zeigte damit auch, dass im Umgang mit der Corona-Krise das Primat der Wissenschaft längst wieder einem der Politik gewichen ist. Die, sagte Professor Meyer, der Leiter der Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb, „wird nicht behaupten, dass sie gesicherte Erkenntnisse hat“, aber es müsse ja „trotzdem in irgendeiner Weise gehandelt werden“.

Das verantwortlich zu tun ist nun die Herausforderung, auch um womöglich weitere Schritte anvisieren zu können. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollen daher das Experiment, das die erste komplette Corona-Saison auch so schon darstellt, mit einem wissenschaftlichen Begleitprogramm unterfüttern – mit dem Ziel, „die handelnden Personen auf sicherere Beine zu stellen“, wie Meyer es formulierte, der Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlands und langjährige Arzt des Nationalteams. Dafür steht ein siebenstelliger Betrag zur Verfügung, der in vier Projekte fließt. Von deren Ergebnissen nicht nur der Profifußball profitieren soll.

Im Kern steht ein Versuch zur Bewertung der konkreten Ansteckungsgefahr in einem Fußballstadion. Nach einem Probelauf mit zweimal 500 Teilnehmern soll es zu Massentests vor mehreren Begegnungen im realen Spielbetrieb kommen. Insgesamt 20.000 bis 30.000 Menschen würden dann auf das Virus getestet. Durch Nachverfolgung und weitere Tests sollen mögliche Infektionswege oder -ketten ermittelt werden, um zu einer Risikoabschätzung zu kommen, auch im Vergleich zu Alltagssituationen außerhalb des Stadions. Vorgabe ist die Einhaltung des Mindestabstands. Ob dieser wirklich von allen gewahrt wird, sei aus wissenschaftlicher Sicht nicht entscheidend, sagte Meyer, womöglich ließen sich gerade aus „nicht optimalem“ Verhalten Erkenntnisse gewinnen. Allerdings sind die Forscher auf das Einverständnis der Besucher angewiesen – womöglich eine Hürde.

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Dieses Kernprojekt wird von zwei Begleituntersuchungen flankiert. Eine befasst sich mit dem Verhalten von Zuschauergruppen innerhalb und außerhalb des Stadions: Wie können etwa An- und Abreise sowie Ein- und Auslass optimiert werden? Hier wird die Expertise der Manchester Metropolitan University herangezogen, die schon bei der Erstellung der nun greifenden individuellen Konzepte der Klubs beteiligt war. Mit Aerosolen und ihrer Verbreitung beschäftigt sich ein weiteres Projekt, allerdings nur in geschlossenen Räumen, etwa in den Hospitality- oder Sanitärbereichen oder in den Logen. Was auf den Tribünen passiert, beim Singen oder Schreien, bleibt somit im Detail unerforscht. Meyer verwies auf die methodischen Schwierigkeiten sowie darauf, dass der Verbreitungsweg durch Aerosole zu einem gewissen Grad in der Hauptuntersuchung eingeschlossen sei.

Das vierte Projekt behandelt nicht die Zuschauerfrage, sondern sucht nach einem Weg, PCR-Tests in einem Poolverfahren anzuwenden. Das könnte insbesondere dann wichtig werden, wenn die Auslastung der Testkapazitäten, die auch der Fußball für seinen Spielbetrieb benötigt, im Herbst und Winter weiter steigt.

Die Sprache kam schließlich auch auf Superspreading-Events wie beim Champions-League-Spiel Bergamo gegen Valencia. Das, sagte Meyer, „mahnt uns, vorsichtig vorzugehen und nicht sehr große Schritte zu machen“. Es gehe darum, das Geschehen unter Kontrolle zu haben. Der Weg zu vollen Stadien – er ist nach Meyers Ansicht an einen Impfstoff gebunden: „Das würde ich im Moment so sagen, ja.“

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