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Germany

Daiquiri: Gut Dill will Weile haben

Ist ein Mojito ein Longdrink? Muss bei einer Margarita immer ein Salzrand ans Glas? Und wie viel Zitrone gehört in einen Whiskey Sour? Unsere Serie "Absacker" beantwortet diese Fragen und verrät Ihnen, wie Sie sich selbst den richtigen Drink für einen perfekten Abend mixen können. Denn hinter jedem Drink verbirgt sich ein Lebensgefühl.

Ein alter Mann, sein Drink und das Meer: Im Grunde ist Ernest Hemingway der Vorreiter der digitalen Nomaden in den Third-Wave-Coffeeshops. Allerdings mit dem Unterschied, dass er damals kein Macbook vor sich hatte, sondern einen Schreibblock – und keinen Flat White, sondern einen Cocktail. Seine Neigung zu Daiquiris war groß, er lebte sie schon als junger Mann in diversen Bars aus, allen voran im El Floridita in Havanna. Denn die Karibik hat er wohl so sehr geliebt wie den Alkohol. In seinem Roman Inseln im Strom bringt er diese Leidenschaften so zusammen: "Hudson trank einen weiteren eisgekühlten Daiquiri, und als er das schwere, von einer kristallinen Schicht umrundete Glas anhob, betrachtete er den klaren Teil unter dem Frappé, der ihn an das Meer erinnerte." 

Der Daiquiri ist nach einem kleinen kubanischen Dorf benannt, das rund 25 Kilometer östlich von Santiago de Cuba liegt. Die Legende, dass der Cocktail hier anno 1898 von einem Minenarbeiter erfunden wurde, gilt aber längst als widerlegt. Die Kombination von Rum, Limetten und Zucker war damals schon weit verbreitet. Ein Beispiel dafür ist der Canchánchara, den die Arbeiter in den Zuckerrohrplantagen tranken.

Auch der Daiquiri ist denkbar simpel zubereitet: drei Teile weißer Rum, zwei Teile Limettensaft, ein Teil Zucker. Alle Zutaten werden im Shaker gemixt und einfach oder doppelt in ein Coupette-Glas abgeseiht. Ein geradliniger Drink, der an heißen Tagen auf trügerische Art für Abkühlung sorgt. Von denen gibt es auf Kuba jede Menge, da wundert es nicht, dass viele von Hemingways Landsleuten dort ihre Zeit verbrachten, nicht zuletzt, um der US-amerikanischen Prohibition zu entfliehen.

Im El Floridita erkannte man früh das Potential dieses Signature-Drinks. Die zahlreichen Variationen sind schlicht nummeriert – von No. 2 (mit Orangensaft und Orange Curaçao) bis No. 5 (mit Grenadine und Kirschlikör). Weltweit beliebt ist auch die Variation Frozen Daiquiri mit Crushed Ice und Fruchtkombinationen von Erdbeere bis Melone. Von solchen Spielereien halten ernsthafte Trinker wie Hemingway natürlich gar nichts. Seine persönliche Vorliebe namens Papa Doble kommt mit der doppelten Menge Rum daher, aber ohne Zucker – der im Jahr 1961 verstorbene Pulitzer-Preisträger war Diabetiker.

Bis heute interpretieren Gastronomen den Daiquri immer wieder neu. Und weil die Wiener Nächte eher frisch als kubanisch heiß sind, ist die Version des preisgekrönten österreichischen Barkeepers Valentin Bernauer von einer regionalen grünen Note und nicht von Früchten dominiert.

Derzeit arbeitet Bernauer in der Wiener Cocktail-Bar Moby Dick, wo es seine Kreation mit dem wunderbar ironischen Namen Dill Schweiger zu kosten gibt. Sie besteht, neben mit Dill verfeinertem Rum, aus Wermut, Gurkensirup und einer Garnitur aus Kapernbeeren. Und für alle, die nicht das zuckerfreie Leben anstreben, hat Bernauer noch einen Tipp: "Ich finde, der Drink passt perfekt zu Zimtkuchen", lässt er ausrichten.

Dill Schweiger

Zutaten:

3 cl weißer Rum (mit Dill infusioniert)

1 ½ cl Rhum Agricole

1 cl jamaikanischer Overproof-Rum

1 cl trockener Wermut

2 cl Gurkensirup

2 ½ cl frischer Limettensaft

2 Spritzer Morrocan Bitters

Kapernbeeren

 Für den infusionierten Rum:

1 l weißer Rum Bacardi Superior

1 Bund Dill

Für den Gurkensirup:

1 kg Gurke, geraspelt

250 ml Prosecco

750 g weißer Zucker

Salz

Zubereitung:

Für den infusionierten Rum Dill zwei Monate lang gut verschlossen in Rum einlegen. Anschließend durch einen weißen Kaffeefilter abseihen.

Für den Gurkensirup alle Zutaten aufkochen und zusammen mit einem Prozent Salzanteil zehn Minuten lang köcheln lassen. Abseihen und gekühlt lagern.

Alle Zutaten im Cocktailshaker mit Eis schütteln. Abseihen und ohne Eis in ein Coupette-Glas geben. Mit Kapernbeeren garnieren.

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