Arbeit und mehr Geld! 543 Berliner haben schon Jobs im Modellprojekt des Senats gefunden. Es ist bundesweit einmalig.

Erst ging es mit dem Solidarischen Grundeinkommen sehr schleppend los, nun verkauft der Senat sein Modell als großen Erfolg. „Wir feiern Bergfest“, verkündete Sozialsenatorin Elke Breitenbach (59, Linke) stolz im Roten Rathaus.

Vor einem Jahr hatte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (55, SPD) den Start des Projekts verkündet. Doch Ende Januar waren gerade mal 83 Stellen besetzt. Mittlerweile sind es 543, bis zum Jahresende sollen es möglichst über 1000 sein.

Ausbildung als Erzieherin: Faiza Dumirieh (34) ist seit dem 1. Februar Kita-Helferin in Pankow, macht jetzt eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin. „Ich bin vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Erst habe ich eine Sprachschule besucht, jetzt will ich arbeiten. Früher war ich Philosophie-Lehrerin, jetzt arbeite ich mit kleinen Kindern. Ich habe selbst zwei Kinder, sieben und neun Jahre alt“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)
Ausbildung als Erzieherin: Faiza Dumirieh (34) ist seit dem 1. Februar Kita-Helferin in Pankow, macht jetzt eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin. „Ich bin vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen. Erst habe ich eine Sprachschule besucht, jetzt will ich arbeiten. Früher war ich Philosophie-Lehrerin, jetzt arbeite ich mit kleinen Kindern. Ich habe selbst zwei Kinder, sieben und neun Jahre alt“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)

Das Solidarische Grundeinkommen unterscheidet sich vom Bedingungslosen Grundeinkommen – hier muss man für das Geld arbeiten. Je nach Entgeltgruppe gibt es bis zu 2351,55 Euro brutto im Monat bzw. den Landesmindestlohn von 12,50 Euro/Stunde.

► Wer das Angebot vom Job-Center annimmt, bekommt dann weder Hartz IV noch Wohngeld. Allerdings: Die Teilnahme ist freiwillig. Heißt: Wer das Angebot ablehnt, bekommt keine Strafe. Befristet ist das Projekt auf fünf Jahre. Von den 543 bis jetzt vermittelten Berlinern sind 17 Prozent alleinerziehend.

Pro Tag maximal drei Klienten: Christian Mann (26) aus Friedrichshain arbeitet seit 1. April als Mobilitätshelfer bei der Johanniter Unfall-Hilfe. „Ich komme aus dem Einzelhandel, habe in einem Musikladen und einer Bäckerei gearbeitet. Doch das war nicht das Wahre für mich. Danach war ich etwas über ein Jahr lang arbeitslos. Nun habe ich jeden Tag zwei bis drei Klienten, die ich zum Beispiel zum Arzt begleite“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)
Pro Tag maximal drei Klienten: Christian Mann (26) aus Friedrichshain arbeitet seit 1. April als Mobilitätshelfer bei der Johanniter Unfall-Hilfe. „Ich komme aus dem Einzelhandel, habe in einem Musikladen und einer Bäckerei gearbeitet. Doch das war nicht das Wahre für mich. Danach war ich etwas über ein Jahr lang arbeitslos. Nun habe ich jeden Tag zwei bis drei Klienten, die ich zum Beispiel zum Arzt begleite“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)

„Viele Menschen wollen arbeiten und eine sinnvolle Beschäftigung haben. Und nicht von einer Maßnahme in die andere geschickt werden. Arbeit zu haben, ist mehr als Geld verdienen“, sagte Müller am Donnerstag.

Im Bund fand Berlins Regierender für dieses Projekt keine Unterstützer, deshalb muss der Senat alles selbst bezahlen – pro Jahr 35 Millionen Euro! FDP-Politiker und Arbeitsmarkt-Experte Alexander Wieberneit (48) hält gar nichts von dem Projekt. „Man hat gerade mal die Hälfte mit Ach und Krach besetzt. Wichtiger wäre eine bessere Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt“, so der Abgeordnete zur B.Z.

Stadtteilmutter im Märkischen Viertel: Ilham Abdulrahman (53) arbeitet seit dem 16. März als Stadtteilmutter in Reinickendorf. „Ich komme aus Syrien, lebe seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. Früher habe ich als Englisch-Lehrerin gearbeitet. Ich sehe das Solidarische Grundeinkommen als große Chance und habe schnell eine Stelle gefunden“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)
Stadtteilmutter im Märkischen Viertel: Ilham Abdulrahman (53) arbeitet seit dem 16. März als Stadtteilmutter in Reinickendorf. „Ich komme aus Syrien, lebe seit dreieinhalb Jahren in Deutschland. Früher habe ich als Englisch-Lehrerin gearbeitet. Ich sehe das Solidarische Grundeinkommen als große Chance und habe schnell eine Stelle gefunden“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)

Zudem sei fragwürdig, warum zum Beispiel eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft nicht selbst mehr Hausmeister einstelle, statt sich den Job eines Quartiersläufers vom Senat bezahlen zu lassen. Wieberneit: „Man spielt mit der Hoffnung der Menschen, um die Zahlen zu schönen. Wie viel Qualifikation in diesem Pilotprojekt stattfindet, ist fraglich.“

Helfer für Obdachlose: Ayhan Altin (45) aus Moabit arbeitet seit 1. April bei der Karuna eG als Obdachlosen-Lotse. „Ich war früher Altenbetreuer. Ich war sehr beliebt, doch ich habe gekündigt. Der Job war sehr belastend, alle zwei bis vier Wochen ist jemand gestorben. Dann war ich zwei Jahre lang arbeitslos. Nun suche ich Obdachlose auf, bringe sie zu Ämtern oder versorge sie mit Wasser und Hygiene-Artikeln“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)
Helfer für Obdachlose: Ayhan Altin (45) aus Moabit arbeitet seit 1. April bei der Karuna eG als Obdachlosen-Lotse. „Ich war früher Altenbetreuer. Ich war sehr beliebt, doch ich habe gekündigt. Der Job war sehr belastend, alle zwei bis vier Wochen ist jemand gestorben. Dann war ich zwei Jahre lang arbeitslos. Nun suche ich Obdachlose auf, bringe sie zu Ämtern oder versorge sie mit Wasser und Hygiene-Artikeln“ (Foto: DAVIDS/Sven Darmer)

Diese Kritik findet Müller ungerecht. „Es gibt Menschen, die brauchen einen Job und eine sinnvolle Tätigkeit“, so der Rathaus-Chef zur B.Z. „Darüber sollte man nicht überheblich hinweggehen!“

Wer bekommt eigentlich wie viel Geld vom Staat?

Hartz IV, Wohngeld und Solidarisches Grundeinkommen sind bei weitem nicht die einzigen Möglichkeiten, Geld vom Staat zu bekommen.

Hier einige Beispiele:

► Ein Kinderbonus wird für jedes Kind in Höhe von 300 Euro ausgezahlt. Unabhängig davon, ob die Eltern zusammenleben oder nicht. Der Bonus wird nicht auf die Grundsicherung angerechnet.

► 2018 wurde das Baukindergeld beschlossen: Er soll auch einkommensschwächeren Familien ermöglichen, Wohneigentum zu erwerben.

► Schüler und Studenten können unter Umständen Bafög beantragen. Maximal gibt‘s 861 Euro. Das Bafög muss aber teilweise zurückgezahlt werden.

► Im Alter und bei Erwerbsminderung können Hilfsbedürftige eine Grundsicherung beantragen. 432 Euro/Monat für Alleinstehende.

► Ein absoluter Klassiker – der Bausparvertrag. Vermögenswirksame Leistungen werden steuerlich gefördert.