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Germany

„Das Handwerk hat ein Imageproblem“

Lars Obermeyer in seinem Zimmerei- und Holzbaubetrieb im Bremer Ortsteil Arsten. Der Zimmerermeister und VBU-Vorsitzende hat seinen  Betrieb in den vergangenen Jahren personell vergrößert, weil er die sehr gute Auftragslage sonst nicht bewältigen

Lars Obermeyer in seinem Zimmerei- und Holzbaubetrieb im Bremer Ortsteil Arsten. Der Zimmerermeister und VBU-Vorsitzende hat seinen  Betrieb in den vergangenen Jahren personell vergrößert, weil er die sehr gute Auftragslage sonst nicht bewältigen könnte. (Frank Thomas Koch)

Herr Obermeyer, es wird mächtig gebaut in Deutschland. Handwerk hat wieder goldenen Boden. Ihres auch?

Lars Obermeyer: Ja, wir haben gut zu tun. Die Auslastung liegt bei mehr als 100 Prozent. Nicht nur bei uns in der Zimmerei, sondern auch bei den anderen Gewerken im Verband. Bisher kann ich keinen Abschwung erkennen. Wir haben uns auf hohem Niveau stabilisiert und freuen uns darüber, denn es gab schon andere Zeiten.

Sie sind in der Situation, Aufträge ablehnen zu können und höhere Preise zu nehmen.

Na ja, ganz so rosig ist es nun auch wieder nicht. Wir werden nicht reich, wenn Sie das meinen. Die durchschnittliche Umsatzrendite liegt immer noch zwischen 3,5 und fünf Prozent.

Wie das, wenn die Geschäfte so gut laufen?

Die Gewerkschaften sind ja nicht dumm und erkennen das wirtschaftliche Umfeld. Im vergangenen Jahr gab es eine Lohnerhöhung von knapp sechs Prozent, das müssen sie erst einmal wieder reinholen. Außerdem sind die Preise für Baustoffe massiv gestiegen.  

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Trotzdem: Sei schlau, geh zum Bau – dieser Spruch hat heute wieder seine Berechtigung, oder?

Eigentlich schon. Die Bezahlung ist gut, der Arbeitsplatz sicher. Das hilft aber nicht wirklich. Es gibt einen eklatanten Mangel an Facharbeitern, auch weil der Nachwuchs fehlt. Mittlerweile geht es schon so weit, dass Gesellen abgeworben werden.

Was muss aus Ihrer Sicht getan werden?

Das Problem beginnt in den Schulen. Vielen Abgängern fehlt es an Basiswissen, sie können nicht ausreichend gut lesen, schreiben und rechnen. Wir müssen endlich in die Bildung investieren. Es kann nicht sein, dass es so viel Unterrichtsausfall gibt und die Zustände allgemein an den Schulen so schlecht sind.

Gehen Sie als Verband in die Klassen und werben für Ihre Berufe?

Vereinzelt ja, wir sind aber noch nicht flächendeckend so weit. Was seit vielen Jahren gut klappt, sind die Praktika in den Betrieben. Das reicht aber nicht. Das Handwerk hat ein Imageproblem. Unsere Vorteile finden zu wenig Gehör. Das Baugewerbe wird mit harter Arbeit verbunden, und da ist ja auch was dran. Ohne Disziplin geht es nicht. Gleichzeitig sind wir aber moderne Unternehmen, die sich um ein gutes Arbeitsklima bemühen. Ich sag’s mal so, sehr salopp: Man darf als Chef heutzutage kein Arsch mehr sein.

Wie ist das bei Ihnen in der Zimmerei. Sie haben 30 Beschäftigte, wie viele davon sind Auszubildende?

Vier, zwei davon sind Abiturienten, von denen ich befürchten muss, dass sie später studieren wollen, mir also wieder verloren gehen.

Na immerhin, Sie finden also doch noch Nachwuchs.

Jesus war ein Zimmermann, damit fängt das an. Zimmerleute waren früher die Baumeister. Spaß beiseite: Das liegt ein wenig am Gewerk, es ist unter Schulabgängern recht beliebt. Aber auch in den anderen Bauberufen haben wir den Auszubildenden und Fachkräften heute sehr viel zu bieten.

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Um ausbilden zu können, muss man einen Meisterbrief besitzen. Vor 15 Jahren ist in vielen Berufen der sogenannte Meisterzwang weggefallen. Jetzt kommt er in zwölf Sparten wieder . . .

. . . was wir natürlich sehr begrüßen. Wie Sie das gerade gesagt haben – ausbilden kann nur der Meister oder die Meisterin. Aber das ist nur der eine Aspekt. Der Meisterzwang sichert einen fairen Wettbewerb und schützt die Verbraucher. Nach 2004 gab es einen sprunghaften Anstieg von Kleinstunternehmen. Gleichzeitig ist zum Beispiel im Fliesenlegergewerbe die Zahl der Gutachten enorm gestiegen. Das spricht für Ärger mit den Kunden. Außerdem sind viele dieser Firmen schnell wieder in die Insolvenz gegangen.

Weil Sie die Kunden erwähnen – die sind gekniffen in der aktuellen Situation. Hohe Preise, lange Wartezeiten. Nicht schön, wenn man bauen will.

Das ist so, da muss man gar nicht groß drum herum reden. Betroffen sind insbesondere die privaten Kunden. Uns tut das sehr leid, aber was sollen wir machen? Da ist ja kein böser Wille hinter, auch wenn manchmal so geredet wird, dass wir es nicht nötig hätten und uns nicht kümmern. Es liegt schlicht an den Kapazitäten.

Das Gespräch führte Jürgen Hinrichs.

Zur Person

Lars Obermeyer (45) ist seit drei Jahren Vorstandsvorsitzender des Verbandes Baugewerblicher Unternehmer im Land Bremen. Er hat bei der Hocke GmbH Zimmerei und Holzbau gelernt, war nach der Meisterschule Prokurist in dem Unternehmen und hat es im Jahr 2005 schließlich übernommen. Obermeyer beschäftigt als geschäftsführender Gesellschafter 30 Mitarbeiter.

Zur Sache

Zusammenschluss im Baugewerbe

Der Verband Baugewerblicher Unternehmer im Land Bremen ist 1966 als eingetragener Verein gegründet worden. Er ist ein freiwilliger Zusammenschluss von 80 kleineren und mittleren Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe. Darunter sind solche Berufe wie Maurer, Beton- und Stahlbauer, Fliesenleger, Stuckateur, Gleisbauer, Zimmerer und Estrichleger.

Komplementär dazu gibt es den Bauindustrieverband Niedersachsen-Bremen, der im Prinzip die gleichen Berufe vereinigt, nur dass die Mitglieder mit ihren Betrieben eine gewisse Größe erreicht haben müssen. Beide Organisationen haben jeweils einen Dachverband. In dem einen Fall ist das der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. In dem anderen der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Sie führen mit den Gewerkschaften die turnusmäßigen Tarifverhandlungen.

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