Nach einem märchenhaften Bundesligadebüt liegt Borussia Dortmund seinem Phänomen Erling Haaland zu Füßen. Auch dessen norwegische Heimat flippt schier aus vor Begeisterung.

Erling Haaland wollte seine neue Flamme gar nicht mehr loslassen. Nach seiner historischen Bundesliga-Premiere waren Borussia Dortmunds Wunderstürmer und der Spielball unzertrennlich wie ein Liebespaar. "Drei Wochen in Dortmund und schon seine erste Freundin", schrieb der BVB im Netz zu einem passenden Foto. Und üblicherweise, so sagte Haaland jedenfalls, nimmt er nach einem Dreierpack seine "kjaereste" (Liebling) auch mit ins Bett.

Hatte die Begeisterung um den 19 Jahre alten "Heiland" Haaland bereits vor seinem Einstand eine außergewöhnliche Dimension erreicht, so schlug sie nach dem irren 5:3 (0:1) beim FC Augsburg in schieren Wahnsinn um. Der Norweger selbst registrierte all das mit nordischer Gelassenheit. "Ich bin sehr entspannt, weiß auch nicht, warum. Aber das ist ganz schön krank, oder nicht?", sagte er grinsend über seine Heldentat, die er "absolut fantastisch" fand.

Drei Treffer in 23 Minuten beim Bundesligadebüt, in diesem Tempo hatte noch nie zuvor ein Torjäger seinen Stempel in der deutschen Eliteklasse hinterlassen. Zudem küsste das Stürmerphänomen nach seiner Einwechslung in der 56. Minute eine Mannschaft wach, die bis dahin auf eine krachende Pleite zusteuerte. "Wir brauchen Jungs mit Emotionen, die die anderen mitreißen", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc, "die Körpersprache ist 1a, das geht nicht besser, das pusht auch die anderen."

Von einem regelrechten "Haaland-Schock" wurden die bis dahin starken Augsburger erfasst, wie ihr Trainer Martin Schmidt betonte. "Das war verrückt, ich habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen", schilderte BVB-Coach Lucien Favre das Haaland-"Wunder". 183 Sekunden benötigte der blonde Hüne für seinen ersten Treffer (59.), auch seine beiden anderen Torschüsse (70./79.) saßen. "Ich habe ihm gratuliert", berichtete Zorc, "und dann hat er gesagt: 'Dafür habt ihr mich doch gekauft' - und das stimmt."

Die Glückwünsche aus der Heimat reichten vom einstigen Abwehrstrategen Rune Bratseth bis zum bislang einzigen norwegischen Bundesliga-Torschützenkönig Jörn Andersen. Und alle betonten sie, wie einmalig, aber auch wie normal dieser Junge aus der Nähe von Stavanger ist. "Dortmund kann sich glücklich schätzen. Das war ein Räuberkauf. Er passt perfekt rein, sie brauchten genau so einen Spieler", sagte etwa Andersen norwegischen Medien.

Haaland will jedoch nicht überhöht werden. "Ich bin nur ein Junge aus Bryne, daran wird sich nichts ändern", sagte er. Aber er wird den Hype nicht verhindern können, dafür sind seine Qualitäten zu besonders. Zumal auch die Meisterschaftsambitionen des BVB wohl direkt mit ihm zu verknüpfen sind. Haaland ist nicht nur wuchtig, er ist schnell, er geht in die Tiefe, er kann sich am Kombinationsspiel beteiligen und er hat die nötige Coolness im Abschluss.

"Er hat uns sofort seine Stärke und Schwung gebracht, er war mental bereit", meinte Favre, während Haaland erklärte: "Ich wollte positive Energie auf den Platz bringen und versuchen, das Spiel zu drehen." Und wie ihm das gelang nach den Gegentreffern von Florian Niederlechner (34., 55.) und Marcel Richter (46.). Plötzlich spielte auch Jaden Sancho wie entfesselt und traf (61.).

Blieb die Frage, ob Haaland am Freitag gegen den 1. FC Köln bei seinem Heimspieldebüt auch in der Startelf stehen wird. Favre will nichts überstürzen, ihn "peu a peu" aufbauen, verwies auf den Trainingsrückstand seines Neuzugangs, der sich im Dezember eine Knieblessur zugezogen hatte. Eines ist für Haaland aber schon gewiss: "Das wird ein Spaß." Wer sollte daran zweifeln?