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Das „Jannings“ bietet auch kreative Alternativen für Vegetarier

Hier kocht der Chef selbst: Jan Janning probiert mit Gastro-Kritiker Temi Tesfay einen Pastateller in seinem Lokal

Hier kocht der Chef selbst: Jan Janning probiert mit Gastro-Kritiker Temi Tesfay einen Pastateller in seinem Lokal "Jannings".   (Frank Thomas Koch)

Für die Pizza hat er gerade keine Zeit. Denn mein Gastgeber ist damit beschäftigt, eine Anekdote nach der anderen zu erzählen. „Ein Gast hat mich mal gefragt, ob ich Italiener wäre. ,Nein, ich zahle Steuern’, habe ich gesagt“, beömmelt er sich mit einer kindlichen Ausgelassenheit. Nicht im Traum käme er auf die Idee, dass man sich an dem Witz stören könnte. Ich liebe es. Und stelle einmal mehr neidisch fest, dass von allen Gütern, mit der Köche ausgestattet sind, die Narrenfreiheit das höchste ist.

Jan Janning ist ein Possenreißer, aber im positivsten Sinn. Er erzählt gerne. Und er erzählt gut. Aber was ihn dabei so sympathisch macht, ist seine übers ganzes Gespräch gespannte Ehrlichkeit, die keine Selbstverteidigung kennt. „Ich mag sie zwar, aber wenn ich ehrlich bin, würde ich mir das selber nicht bestellen“, lüftet er etwa das Geheimnis, weshalb er die Pizza Chèvre (13,50 Euro) mit frischer Feige, Kirschtomaten, Honig, Tomatensauce, Ziegenkäse, Mozzarella, Zwiebelconfit und Thymian so unbeachtet lässt.

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Während der gelernte Koch mir erzählt, warum er ausschließlich mit Holzofen arbeitet, habe ich Zeit, mir ein Stück zu nehmen. Ich hätte auch Zeit für ein zweites oder drittes Stück gehabt, aber auch ich will ehrlich sein: die Pizza ist durch und durch harmonisch. Sie ist eine kreative Alternative für Vegetarier. Aber so sehr ich dieses Gaumenspiel in Theorie und Praxis auch für gut befinden kann, für mich bleibt es ein kategorisches Foulspiel. Man isst Pizza nicht süß. Punkt. Und jeden, der mich eines Besseren belehren möchte, grüße ich mit den Worten des Philosophen Antisthenes: „Und wenn du mich sogar überzeugen würdest, ich würde dir nicht glauben.“

Probiert und empfohlen: Für den Folgegang wechselt Janning hinter die offene Küche an den Herd, um seine Lieblingspasta mit dem Namen „Kleiner Dieb, schön scharf“ (12,50 Euro) zuzubereiten. Ich folge ihm und beobachte von anderer Zeilenseite, wie er zunächst Mini Chorizo, Zucchini, Oliven, Lauch, Kapern sowie rote Zwiebeln heiß anbrät, bevor alles mit der Tomaten-Rahmsauce aufgekocht wird. Plötzlich schaut er mich an: „Jetzt kommen die drei Geheimnisse der französischen Küche: Butter, Butter, Butter.“ Es folgen die al dente gekochten, tags zuvor hausproduzierten Mafaldini in die Pfanne, die noch einmal durchgeschwenkt werden. Im nächsten Moment sitzen wir wieder am Tisch und teilen uns die Portion, die zuvor nochmal kräftig mit Salz und Parmesan gesegnet wurde.

Eine perverse Kombination

Bei der Leichtigkeit des Aufgabelns zeigt sich, dass die flache, breite und durch ihre gewellten Kanten gerade für Saucen-Pastas geeignete Mafaldine die ideale Wahl ist. Wie die Kombination von Chorizo, Sahne, Butter, Käse und Nudeln schmeckt, dürfte wohl klar sein: pervers. Und während sich Glücks- und Cholesterinspiegel brüderlich ins All verabschieden, merke ich, dass entgegen der Ankündigung jedwede Chili-Spur fehlt. „Ich mag es ja auch nicht so gerne scharf“, gesteht der 39-Jährige schließlich ein. Schade, ich schon.

Eigentlich wollte ich keinen Burger testen. Aber dann fiel dieser Satz: „Für mich ist das immer noch einer der besten Burger in Bremen.“ Eine Behauptung, zu der der Wirt gar mit seinem Namen steht. Und so probieren wir „Jannings Riesen Brioche-Brötchen“ als Original-Variante mit 200 Gramm Black Angus Beef, Antipasti, Blattsalat, Oliven-Mayonnaise und gebratenem Pancetta.

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Wenig verwunderlich, dass Janning sich mit Ausnahme der zu stark angebratenen Zucchini mit dem Gesamtpaket zufrieden gibt. Interessant, was er anders machen würde: „Wenn ich ehrlich bin, mache ich mir selbst keinen Salat drauf und nicht zwei Scheiben Bacon, sondern sechs.“ Ich halte es gerne klassisch, weshalb ich hier Ketchup vermisste und die Antipasti des Guten zu viel finde. Das soll den Eindruck nicht schmälern, dass die Zutaten vom ultrasoften, vielleicht etwas zu süßen Bun bis zum punktgenau getroffenen Fleisch gustieren und deshalb insgesamt guten Gewissens zu empfehlen ist.

Jannings, Vor dem Steintor 139, Bremen. Telefon: 0421/79425588. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 12.00 bis 22.00 Uhr. www.jannings-bremen.de. Teilweise barrierefrei.

Zur Person

Temi Tesfay hat Hunger auf Bremen. Auf seinen wöchent­lichen Streifzügen durch die heimische Gastroszene hat er schon viele Küchen, Köche und ­kulinarische Schätze der Stadt kennengelernt. Unter dem Titel „Ein Bisschen Bremen“ schreibt er außerdem einen Foodblog.

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