Jochen Schroeder (55) und Tobias Streck (45) kamen im Jahr 2000 ins frisch befriedete Kosovo, um dort einen Image-Film über die OSZE zu drehen. Daraus entstand der Kino-Streifen „Kill me today, tomorrow I’m sick!“, der am Dienstag Premiere feiert.

 „Wir sind vier Wochen im Jeep herumgefahren, und das ganze Szenario stellte sich als sehr absurd heraus. Tausende ‚Internationals‘ sind dort wie Außerirdische gelandet, um Gutes zu tun.“

Schnell erkannte die beiden Filmemacher, dass die oft jungen Helfer kein Gespür für die Situation hatten und das Kosovo nur als Karrieresprungbrett und Spender von steuerfreien Gehaltsdollars sahen.

Großer Sarkasmus

„Die Locals haben das mit großem Sarkasmus belächelt, aber auch verstanden, ihre Geschäfte zu machen.“

Da war den beiden klar: Das Kosovo ist eine Tragikomödie, und genau das wollen sie auch drehen.

Szene aus dem Film „Kill me today, tomorrow I’m sick!“: Anna (Karin Hanczewski) will den Kosovo retten und Gerät dabei in ernste Probeme (Foto: Previewproduction)
Szene aus dem Film „Kill me today, tomorrow I’m sick!“: Anna (Karin Hanczewski) will den Kosovo retten und Gerät dabei in ernste Probleme (Foto: Previewproduction)

Sie machten sich ans Drehbuch, gute zehn Jahre hat am Ende alles gedauert. Die Förderung war kompliziert, der Weg ins Kino noch komplizierter. Sie gehen ihn nun – nach schlechten Erfahrungen allein – ohne Verleih. Denn es ist ihnen ein Herzensprojekt, denn Schroeders Schwester ist quasi das Vorbild für die Hauptfigur.

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„Sie ging dort runter im Gewand der deutschen Idealistin. Mit dem Bild: Die bösen Serben, die guten Kosovaren.“Aufgrund ihrer Erfahrungen begann dann aber dieses Bild zu bröckeln.“

Alkohol und Sex

Frei nach ihren Tagebuchnotizen haben Schroeder und Schreck das Drehbuch zu „Kill me today, tomorrow I’m Sick!“ geschrieben: Eine OSZE-Mitarbeiterin (Karin Hanczewski) bekommt durch den schlitzohrigen Einheimischen Plaka (Carlo Ljubek) Einblicke in das Land.

Das Filmplakat erinnert an einen Western – kein Wunder, denn damals herrschte „Wild West“-Stimmung im Kosovo (Foto: Previewproductions)
Das Filmplakat erinnert an einen Western – kein Wunder, denn damals herrschte „Wild West“-Stimmung im Kosovo (Foto: Previewproductions)

Da schenkt die EU einem Bauern einen Traktor. Der kann ihn gar nicht gebrauchen und verscherbelt ihn gleich weiter. Der Präsidentschaftskanditat hat nicht nur eine mafiöse Vergangenheit, sondern auch eine mafiöse Gegenwart, und die Helfer kreisen mehr oder minder um ihre eigenen Bedürfnisse – vor allem Alkohol und Sex.

„Man kann daran eigentlich nur verzweifeln. Oder es mit Humor nehmen“, findet Schroeder. Sie haben sich für das Zweite entschieden.

Premiere am Dienstag (14.1.) um 19.30 Uhr mit Gästen, weitere Vorführung vom 20. bis 22.1., Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Straße 30, ☎ 242 59 69