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Der neue Brauchtumspfleger im Landkreis Landsberg

Magnus Kaindl (Mitte) beim Projekt „Line-Dance“ am Ammersee. Das Projekt wurde gestartet, um während der Pandemie „kontaktlos bairisch tanzen“ zu können.

Landkreis – Bisher hat der Landkreis zwei Kreisheimatpfleger: Dr. Heide Weißhaar-Kiem für die Baudenkmäler, Dr. Bernd Steidl für die Bodendenkmäler. Ab 1. Januar kommt Magnus Kaindl dazu: als Kreisheimatpfleger für Brauchtum und Volksmusik. Um die Kreisheimatpflege zu koordinieren, wurde zudem ein eigenes Sachgebiet dafür eingeführt. Deren Leitung hat seit 1. September Melanie Bößenecker übernommen.

„Ich bin mit dem Thema fest verbunden“, sagte Magnus

Kaindl bei seiner Vorstellung im Kulturausschuss vergangene Woche. Unter anderem kennt man ihn über den Landkreis hinaus als Vortänzer beim Münchener Kocherlball. In Dießen startete er im Coronajahr den „Bavarian Line Dance“.

Er sei „sozusagen im Trachtenverein Dießen“ aufgewachsen, sagt der inzwischen 41-Jährige, der immer noch aktiv im verein ist. Aber eigentlich kommt er aus einer etwas anderen Welt: der der Archäologie, die er in München und Prag mit Abschluss Magister studierte. Nach seiner Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wechselte er schon mit jungen 20 Jahren ins Kulturreferat der Stadt München. Seit 2007 ist er freiberuflicher Tanzvermittler, seit 2018 hat er die inhaltliche Leitung des dortigen Fachbereichs Volkskultur. Nebenher ist er Tanzmeister, spielt Hackbrett und leitet die Formation „d‘Saitenschinder“.

Beim Brauchtum gehe es um Immaterielles wie beispielsweise die Mundart oder eben auch die Volksmusik. Ihm gehe es sowohl um das Erhalten des Tradierten auch um das Vernetzen mit neuen Strömungen. Wichtig dabei sei, dass es um eine Alltagslaienkultur gehe: „Dafür ist kein professionelles Können notwendig.“

In seiner Funktion als Brauch- und Volksmusikpfleger will er als eine Art „Multiplikator“ Menschen „ermutigen und befähigen“, die Kultur selbst aktiv mitzugestalten –vor allem Personen, die bis dato keinen Kontakt zu speziell dieser Kultur hatten. Er plane möglichst kostenlose Mitmachformate dezentral im gesamten Landkreis, bei denen somit der Landkreis als Veranstalter auftrete. Ihm schweben dabei Kurse wie „Singen unterm Christbaum“, „Freestyle bairisch tanzen“ oder auch ein Jodelkurs vor. Letzterer habe aufgrund des fehlenden Textes eine niedrigere Hemmschwelle und sei zudem interkulturell. Er wolle dabei natürlich auch engen Kontakt zur sonstigen Kreisheimatpflege und auch beispielsweise zu den Kreiskulturtagen und den diversen Vereinen im Landkreis halten. Es gelte, bisherige Strukturen zu erfassen und sein – bereits recht großes – Netzwerk zu erweitern. „Ich möchte einen Pool von Referenten für die einzelne Bereiche schaffen.“ Weiterhin wolle er die Brauch- und Volksmusikpflege auch im Print und den sozialen Medien präsent machen.

Die neue ehrenamtliche Stelle sei notwendig, da es sich um „Kulturtechnikenhandelt, die gerade jetzt massiv verlorengehen“, ist Landrat Thomas Eichiger überzeugt. Die Berufung dieses dritten Kreisheimatpflegers mach „den Bogen rund“.

Die Stelle ist vorerst auf sechs Jahre befristet. Kaindl erhält vom Landkreis monatlich 543,75 Euro für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Damit seien Reisekosten innerhalb des Landkreises abgeglichen, dazu erhält Kaindl aber eien Fahrtkostenerstattung. Der Kulturausschuss gab dem Kreistag einstimmig die Empfehlung, Magnus Kaindl zum 1. Januar 2022 als Kreisheimatpfleger für Brauchtum und Volksmusik zu ernennen.