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Details zur Corona-Datenpanne: Warum das RKI mehr als 14.000 Fälle meldet

Tücken der Technik sorgen beim Robert-Koch-Institut für Wirbel: Ein Serverausfall blockiert Daten mehrerer Gesundheitsämter. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen fällt dadurch am Freitag niedriger aus. Nachmeldungen drücken die Summe am Samstag nach oben.

Die Coronavirus-Pandemie entwickelt sich auch für das elektronische Meldesystem des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Belastungsprobe. Das für ein vergleichsweise beschauliches Ansteckungsgeschehen entwickelte Verfahren zur Fallübermittlung gerät am Donnerstag zeitweilig ins Stolpern. Die Panne, deren Folgen in normalen Zeiten höchstens Wissenschaftlern und den Fachleuten in den mit dem Infektionsschutz betrauten Ämtern aufgefallen wäre, löst im Corona-Herbst 2020 verständlicherweise irritierte Reaktionen in der breiten Öffentlichkeit aus.

Sind die Zahlen des RKI "falsch"? Diese Sorge trifft mit Sicherheit nicht zu. Die amtlichen Angaben sind dem bisherigen Kenntnisstand zufolge lediglich am Donnerstag nicht ganz vollständig gewesen. Dadurch fiel die Zahl der am Freitagmorgen bekannt gegebenen Neuinfektionen (Stand: 23.10., 0.00 Uhr) etwas niedriger aus als am Vortag, wie in der ntv.de-Infografik zur Entwicklung der RKI-Daten gut zu erkennen ist. Die aktuellen RKI-Zahlen vom Samstag steigen entsprechend etwas stärker an.

Die Abschwächung des Anstiegs allein war für sich genommen schon ungewöhnlich: Üblicherweise steigt das Meldeaufkommen in der zweiten Wochenhälfte kontinuierlich an. Die höchsten Tageswerte waren bisher stets kurz vor dem Wochenende zu verzeichnen. Diesmal jedoch war in den vom RKI berichteten Neuinfektionen ein leichter Rückgang zum Vortagesniveau zu erkennen. Belege für eine etwaige Trendwende ergaben sich daraus aber nicht.

Tatsächlich war es nur eine kleine Datenpanne, die das komplexe Meldeverfahren des RKI durcheinander brachte. "Aufgrund eines Serverausausfalls am RKI" seien am Donnerstag "nicht alle Datensätze von den Gesundheitsämtern und zuständigen Landesbehörden übermittelt" worden, teilte das Institut mit. Wie sich am Freitag erst Stunden nach der Veröffentlichung zeigte, fehlten Datensätze einzelner Gesundheitsämter komplett in der Berechnung. Das aber fiel dem RKI aber offenbar erst am Nachmittag auf. Wie sollte das Institut damit umgehen?

Korrektur-Effekt am Samstag

Das RKI entschied sich für eine saubere Lösung: Die fehlenden Angaben aus einzelnen Kreisen wurden nicht etwa nachträglich eingerechnet, sondern stattdessen bei der nächsten regulären Veröffentlichung berücksichtigt - also am Samstagmorgen. Beim RKI liest sich das aktuell so: "Die Fälle wurden im Verlauf des gestrigen Tages (Anm. d. Red.: also am Freitag) nachübermittelt, wodurch die Differenz zum Vortag heute (also am Samstag) auch die nachübermittelten Fälle enthält." Dadurch wirkt der aktuelle Stand bei den Neuinfektionen im Tagesvergleich deutlich höher, der aktuelle Anstieg werde, so heißt es beim RKI, "überschätzt".

Zur Erinnerung: Die Zahlen des Vortages werden vom RKI jeweils mit Stand Mitternacht am folgenden Morgen veröffentlicht. Die Summe der Neuinfektionen, die am Freitagmorgen bekannt gegeben wurde, setzt sich also aus Fallmeldungen zusammen, die im Lauf des Donnerstags ans RKI übermittelt wurden. Durch die "Nachübermittlung" der fehlenden Fälle vom Donnerstag am Freitag steigt entsprechend die am Samstag veröffentlichte Summe der Neuinfektionen stärker an.

Elf Kreise in NRW betroffen

Doch wo genau lag nun der eigentliche Fehler? Erste Hinweise ergaben sich aus dem Abgleich der Kreisdaten, die ntv.de unabhängig von den RKI-Zahlen anhand der Angaben aus den Bundesländern vornimmt. Betroffen waren demnach vor allem Fallzahlen aus Nordrhein-Westfalen. Dort wurden am Freitag für insgesamt elf NRW-Regionen keine neuen Fälle im Vergleich zum Vortag ausgewiesen - darunter auch Kreise, die bei der Sieben-Tage-Inzidenz weit über einem Wert von 50 liegen und damit in den vergangenen Tagen zahlreiche neue Fälle registriert hatten.

Weitere Recherchen bestätigen diese Annahme: Wie das NRW-Gesundheitsministerium bestätigte, gingen aufgrund des mehrstündigen Serverausfalls beim RKI im Fall von elf Kreisen und kreisfreien Städten in NRW fälschlicherweise null Neuinfektionen in die RKI-Statistik ein. Dadurch wurde dort unter anderem die wichtige Kennziffer der Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen deutlich zu niedrig angegeben.

Betroffen waren demnach unter anderem Großstädte und Corona-Hotspots wie Dortmund, Duisburg und Wuppertal. Auch die landesweite Zahl der nachgewiesenen Corona-Neuinfektionen lag tatsächlich höher als vom RKI am Freitag gemeldet. Die aufgetretenen Lücken wurden mittlerweile korrigiert. Die fehlenden Zahlen flossen mit einem Tag Verspätung am Samstag in die amtliche Statistik ein.

Der Vorfall zeigt exemplarisch, wie stark die Pandemie die Strukturen des deutschen Gesundheitssystems auch abseits der Intensivstationen belastet. Nie zuvor stand das Robert-Koch-Institut so zentral im Blick der Öffentlichkeit wie im Corona-Jahr 2020. Zudem müssen die Fachkräfte beim RKI, in den Arztpraxen, in den Laboren, den Gesundheitsämtern und den Landesministerien ein außergewöhnliches Arbeitspensum stemmen. Und, auch das ist Teil der Wahrheit, anders als in vielen anderen Staaten funktioniert die Datenversorgung in Deutschland vergleichsweise sehr gut.

Knapp drei Stunden offline

Was genau ist diesmal beim RKI passiert? Soweit bislang bekannt, war es am Donnerstagnachmittag durch den Ausfall eines Webservers beim RKI zu Problemen bei der Übermittlung der Falldaten von den Gesundheitsämtern zu den zuständigen Landesbehörden und von denen zum RKI gekommen.

Nach Angaben von RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher war die Fallübermittlung knapp drei Stunden lang bis 17.30 Uhr gestört. Die fehlenden Daten wurden demnach automatisch im Laufe des Freitags nachgemeldet und flossen dann in die nächsten aktuellen Zahlen am Samstag ein.

Größere Auswirkungen dürfte die Panne nicht haben: Die Zahl der täglich gemeldeten Coronavirus-Fälle liefert nur eine Momentaufnahme und zeigt nur, wie viele neu erkannte Ansteckungen den Ämtern bekannt wurden. Informationen zum mutmaßlichen Zeitpunkt der Ansteckung, zum Erkrankungsbeginn oder zur Schwere der Krankheitsverläufe liefern diese Daten nicht. Zur Beurteilung des Infektionsgeschehens sollten daher stets weitere Parameter berücksichtigt werden.

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